Trotz Corona-Krise verbessert Dortmunder DSW21 Jahresergebnis um über 20 Mio. €
30 Mio. Fahrgäste verloren

 Entwurf der neuen Stadtbahnwagen von DSW21.
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Trotz Corona-bedingt massiver Einbrüche bei den Fahrgastzahlen im ÖPNV von 130,6 auf 104 Millionen (-20,4 %) sowie bei den Passagierzahlen am Dortmund Airport von 2,72 auf 1,22 Millionen (-55 %), präsentiert sich DSW21 am Ende des Pandemie-Jahres 2020 widerstandsfähig. Bei einer Bilanzsumme in Höhe von 1,97 Milliarden € fiel das Jahresergebnis mit -18,4 Millionen € um mehr als 20 Mio. € besser aus als im Vorjahr, auch um 11,3 Mio. € besser als geplant (-29,7 Mio. €).

Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) konnte DSW21 sogar um 64 auf 88,6 Mio. € steigern. Wesentlicher Grund ist eine beinahe Verdoppelung des Beteiligungsergebnisses von 78,7 Mio. € auf 150,5 Mio. €. Um die Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen sowie eine pauschale Wertberichtigung auf den Beteiligungsbuchwert der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG) zu kompensieren, hat DSW21 im abgelaufenen Geschäftsjahr in Höhe von 75 Mio. € auf Gewinnrücklagen der KEB Holding AG zurückgegriffen. In der KEB werden die rund 24,5 Millionen RWE-Aktien von DSW21 verwaltet. Die KSBG verwaltet den 36-Prozent-Anteil von DSW21 am Essener Energiekonzern Steag. Der Buchwert der KSBG beläuft sich zum 31. Dezember 2020 auf rd. 57 Mio. €.

Kostenfaktor Pensionen

Nach wie vor stellen die hohen Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen eine große Herausforderung dar. Zwar sank die Summe 2020 gegenüber dem Vorjahr um knapp drei auf 38,9 Mio. €. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase ist für die kommenden Jahre aber nicht mit einem signifikanten Rückgang des Aufwandes zu rechnen. DSW21 hat daher eine Initiative des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) für eine grundsätzlich veränderte Systematik angestoßen. Ein Positionspapier ist in Arbeit. Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2020 belaufen sich die Verpflichtungen bei DSW21 auf 564 Mio. €.

Eigene Verluste beglichen

DSW21 konnte auch im abgelaufenen Geschäftsjahr letztendlich einen Beitrag zur Entlastung des städtischen Haushaltes leisten. Die Summe von 117,5 Mio. € setzt sich zusammen aus dem negativen Betriebsergebnis des Verkehrsbereichs (-55,5 Mio. €), der Verlustübernahme des Dortmund Airport (-21,8 Mio. €), der DEW21-Konzessionsabgabe (39,9 Mio. €) sowie zahlreichen Spenden und Sponsoring-Aktivitäten u.a. in Kooperation mit Theater/Oper
und dem Konzerthaus (rd. 300.000 €). Erstmals hat DSW21 im Jahr 2020 den Projektwettbewerb #dortMUT ausgelobt und in den Kategorien Soziales, Kultur, Sport und Vielfalt 4 x 21.000 € an gemeinnützige Vereine und Organisationen ausgeschüttet.

ÖPNV-Angebot nicht reduziert

„Vor allem aber haben wir den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Dortmund und den Beschäftigten in den Unternehmen der 21-Gruppe in einer von vielen Unwägbarkeiten geprägten Zeit Sicherheit gegeben“, sagt Guntram Pehlke, Vorstandsvorsitzender von DSW21. „Wir haben das Angebot im ÖPNV nicht – wie in vielen anderen Städten – reduziert, sondern auf über 100 Prozent unserer Leistungen vor Corona hochgefahren, damit sich die Fahrgäste in Bussen und Bahnen bestmöglich verteilen konnten. Auch bei der Versorgung mit Strom, Gas, Wasser, Telekommunikation und Datennetzen war auf uns Verlass. Und die vielen Tausend Mieter von Wohnungen der DOGEWO21 konnten sich auf ihren Vermieter verlassen – insbesondere dann, wenn sie aufgrund von Corona einmal in Mietrückstand gerieten.“ DSW21-Finanzvorstand Jörg Jacoby ergänzt eine positive Erfahrung der zurückliegenden Monate: „Unsere Leistungen der Daseinsvorsorge, die in normalen Zeiten bisweilen als selbstverständlich angenommen werden, erfahren in der Krise eine größere Wertschätzung.“

Arbeitsorganisation angepasst

Mit Ausnahme des Airports, an dem der Flugverkehr zwischenzeitlich komplett zum Erliegen kam, musste keines der Unternehmen Kurzarbeit anmelden. Bei DSW21 erhöhte sich der Personalbestand vor allem durch die Einstellungsoffensive im Fahrdienst von Ende 2019 bis Ende 2020 sogar um 75 auf insgesamt 1.973 Beschäftigte. In der Arbeitsorganisation stellte das Unternehmen die Abläufe auf die Erfordernisse der Corona-Pandemie um. Gleich zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 schuf DSW21 binnen kürzester Zeit für alle MitarbeiterInnen, die nicht zwingend in Präsenz arbeiten müssen, Homeoffice-Möglichkeiten. Werkstatt-Beschäftigte wurden in Teams und die Teams nochmals in Schichten eingeteilt, um Kontakte zu minimieren.
Der interne Corona-Einsatzstab tagte erstmals im Januar 2020 – und war dadurch der Lage häufig voraus. Unzählige Maßnahmen zum Schutz der MitarbeiterInnen sorgten dafür, dass die Zahl der Infektionsfälle bei DSW21 bis heute gering ist. „Ich glaube, sagen zu können, dass wir die Krise verantwortungsvoll und vorausschauend managen“, sagt Guntram Pehlke. „Und dadurch auch erfolgreich!“

Investitionen in Millionenhöhe

Was den Vorstandsvorsitzenden und den Finanzvorstand von DSW21 neben den reinen Zahlen besonders positiv stimmt: „Wir sind 2020 nicht im Krisenmodus erstarrt, noch haben wir uns darauf beschränkt, die Auswirkungen der Lockdowns bestmöglich abzufedern“, so Pehlke. „Vielmehr steuern wir weiterhin konsequent auf Zukunftskurs.“

Ganz konkret hebt er damit auf die vier derzeitigen Top-Projekte der 21-Gruppe ab:

  • Das B-Wagen-Projekt von DSW21: 24 neue Stadtbahnwagen der modernsten Generation hat das Verkehrsunternehmen bestellt und zwei weitere optioniert. Der erste wird Ende des Jahres in Dortmund erwartet und 2022 in Betrieb gehen. Weitere 64 Wagen baut DSW21 so um, dass sie von den neuen nicht zu unterscheiden sein werden. Investitionsvolumen: über 200 Mio. €
  • Die Wärmewende von DEW21: Seit 2018 gräbt die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH, eine 60,1-prozentigeTochter von DSW21, die Innenstadt buchstäblich um – für eine besonders klimafreundliche Wärmeversorgung. Mehr als 45.000 Tonnen CO2 pro Jahr werden durch dieses Projekteingespart. Investitionsvolumen: über 100 Mio. €
  •  Der Breitbandausbau durch DOKOM21: Glasfaserkabel und flächendeckend schnelles Internet für die ganze Stadt. 2020 erhielt der Telekommunikationsdienstleister den Auftrag, die blinden Flecke im Dortmunder Netz zu beseitigen. „Damit leistet DOKOM21 einen herausragenden Beitrag für die Digitalisierung“, sagt Guntram Pehlke. Investitionsvolumen: rd. 100 Mio. €
  • Das StromFahrer-Projekt von DSW21: Mit der Bestellung der ersten 30 elektrisch betriebenen Busse startet das Verkehrsunternehmen 2021 in das Zeitalter der nicht-fossilen Antriebsarten. Bis die Teil-Flotte 2022 auf die Straße geht, wird am Betriebshof die erforderliche Ladeinfrastruktur hergestellt und das Personal entsprechend qualifiziert. Investitionsvolumen im ersten Schritt: über 40 Mio. €. Hochgerechnet auf die sukzessive Umstellung der gesamtenBusflotte mit 170 Fahrzeugen, ergibt sich auch hier bis zum Ende des Jahrzehnts ein dreistelliger Millionenbetrag.

In Summe rund eine halbe Milliarde Euro allein für diese vier Projekte. Weitere Vorhaben: die Entwicklungsgesellschaft d-Port21, eine Tochter von DSW21 und Dortmund Hafen, soll mit der Umgestaltung der nördlichen Speicherstraße zum neuen (Hafen-)„Quartier für alle“ die Grundlage für weitere Investitionen in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe schaffen. Und das
Landesprogramm „Erneuerung Kommunale Schiene“, über das bis zum Jahr 2031 rd. 100 Mio. € nach Dortmund fließen sollen, wird in Summe Investitionen in Höhe von etwa einer Viertelmilliarde Euro auslösen. „Das sind eindrucksvolle Zahlen, die belegen, dass die 21-Gruppe in Dortmund und der Region ein stabilisierender Faktor und ein Motor der wirtschaftlichen Entwicklung ist“, so Jörg Jacoby.

Corona bremst Flughafen aus

Das Jahr 2020 begann für Dortmund Airport mit neuen Topwerten: Im Januar und Februar nutzten noch einmal 11 % mehr Passagiere den Flughafen als im Rekordjahr  2019. „Ohne Corona hätte sich dieser Trend im Jahresverlauf weiter fortgesetzt. Dann hätten wir die schwarze Null beim operativen Betriebsergebnis, die die Europäische Union bis Ende 2023 einfordert, bereits in 2020 erreicht“, betont FlughafenGeschäftsführer Ludger van Bebber und verweist auch auf die Base-Eröffnung der
Wizz Air Anfang August, die einen weiteren Wachstumsimpuls garantierte. 2019 hatte
das EU-EBITDA bereits bei nur rund -0,4 Mio. € gelegen. Im Lockdown ab Mitte März 2020 brach der Flugverkehr bekanntermaßen ein. In Dortmund sank die Passagierzahl auf 52 % des Vorjahresniveaus. Im April und Mai kam der Flugverkehr dann fast vollständig zum Erliegen. In beiden Monaten zusammen nutzten nur gut 11.000 Fluggäste den Airport – so viele wie sonst
in der Hauptsaison an einem Tag.

Zwar erholte sich der Luftverkehr in den Sommermonaten etwas, und Dortmund Airport zählte – auch bedingt durch die Base-Eröffnung der Wizz Air – Anfang August schon wieder 71 % der Fluggastzahlen des Vorjahres. Der erneute Lockdown im Herbst bremste den Trend jedoch erneut aus. Im Geschäftsjahr 2020 nutzten letztlich nur 1,2 Mio. Fluggäste den Airport und damit 55 % weniger als im Vorjahr (2,72 Mio.). Die Anzahl der Flugbewegungen ging im selben Zeitraum um 48 % zurück. Das Jahresergebnis fiel auf -21,8 Mio. Euro (2019: -10,4 Mio. €) während das EU-EBITDA -
12,1 Mio. € betrug. Im Vorjahr belief sich dieses Ergebnis noch auf rd. -0,4 Mio. €.

Keine Corona- Hilfen für Flughafen

In diesem Zusammenhang bekräftigt DSW21 nochmals die Kritik am geplanten Corona- Rettungsschirm der Bundesregierung, der ausgewählte Airports auf Basis einer veralteten Liste berücksichtigt. „Warum nur 15 deutsche Flughäfen finanzielle Hilfe erhalten und der Dortmunder Flughafen dabei leer ausgehen soll, ist völlig unerklärlich“, prangert Guntram Pehlke die „offenkundig willkürliche Entscheidung“ an. Flughafen-Chef Ludger van Bebber ergänzt: „Auch die lang  angekündigte Entlastung von Flugsicherungskosten mit jährlich rund 1,5 Millionen Euro, die unsere
Benachteiligung gegenüber anderen Flughäfen endlich aufheben würde, ist noch nicht
umgesetzt.“ Trotz der aktuell widrigen Rahmenbedingungen besitzt Dortmund Airport eine zuversichtlich stimmende Perspektive, wie Pehlke ausführt: „Wir haben hier in Dortmund den Flughafen, der 2020 von allen deutschen Airports relativ betrachtet am besten durch die Krise gekommen ist. Zudem haben wir seit dem Rekordjahr 2019 das Angebot konsequent weiter vergrößert.“ Pehlke ist daher optimistisch, dass Dortmund Airport in 2022 wieder an die positiven Zahlen von 2019 anknüpfen kann.

H-Bahn und Hafen mit Plus

Während H-Bahn21 genau wie im Vorjahr 0,2 Mio. € an DSW21 abführte und nun im März 2021 das größtenteils in Eigenregie gefertigte fünfte Fahrzeug einer Teilabnahme unterziehen konnte, stieg der Ergebnisbeitrag von Dortmund Hafen an DSW21 moderat an: im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Mio. € auf insgesamt 1,5 Mio. € – vor allem aufgrund geringerer Personal- und sonstiger  Aufwendungen.

Container- Kooperation mit Osnabrück

Wegen der weltweiten Eisen- und Stahlkrise ging derweil der Güterumschlag um rd. 18.000 Tonnen bzw. 1,7 % auf 1,022 Mio. t zurück. Bei den beiden ContainerTerminals „Am Hafenbahnhof“ und „Kanalstraße“ stieg der Umschlag um etwa 5.000 t bzw. 5,3 % auf 239.800 t. Zur weiteren Stärkung des Dortmunder Logistik-Standorts wird künftig das sich derzeit im Bau befindliche Container-Terminal am Osnabrücker Hafen beitragen – ein Gemeinschaftsprojekt von DSW21 und den Stadtwerken Osnabrück. Bis zu 150.000 Ladeeinheiten pro Jahr sollen dort in Zukunft von der Straße auf die Schiene umgeschlagen werden. Die Vernetzung mit dem Dortmunder Standort bietet dabei
Entwicklungspotenziale. Mit einer Inbetriebnahme rechnet die Terminalbesitzgesellschaft OS (TBOS), an der DSW21 mit 49 % beteiligt ist, in diesem Oktober.

ÖPNV-Rettungsschirm greift

Auch das Kerngeschäft von DSW21 – der öffentliche Personennahverkehr – war in 2020 maßgeblich durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt: Infolge des deutlichen Fahrgastrückgangs um rund 20 % von 130,6 Mio. auf 104 Mio. sanken auch die Ticketverkäufe. Die Verkehrserlöse betrugen 2020 demnach 105 Mio. € – gegenüber 126,4 Mio. € im Jahr zuvor. Derweil stieg der Fehlbetrag beim Betriebsergebnis insbesondere wegen höherer Personalaufwendungen und
Abschreibungen am Ende von -51,3 Mio. € auf -55,5 Mio. € an. „Anders als beim Luftverkehr hat die Politik beim ÖPNV Verantwortung übernommen und für 2020 einen Rettungsschirm in Milliardenhöhe aufgespannt. Die zusätzlichen Gelder helfen uns, die Corona-bedingten Mindereinnahmen und Mehrausgaben aufzufangen“, erklärt Finanzvorstand Jörg Jacoby. Das Verkehrsunternehmen hat sein Angebot seit Pandemiebeginn auf über 100 % des Standes vor Corona hochgefahren und auch den Schulverkehr gezielt verstärkt. Zum Schutz von FahrerInnen und
Fahrgästen wurden die Fahrerplätze in den Bussen mit speziellen Sicherheitsscheiben
abgeschirmt. In Summe 20,9 Mio. € erhielt DSW21 dafür bislang aus dem ÖPNV-Rettungsschirm.
Weitere Zahlungen könnten in diesem Jahr folgen. „Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind noch nicht vorbei. Insofern brauchen wir auch für 2021 einen Rettungsschirm“, streicht Jacoby heraus. „Es gibt bereits vielversprechende Anzeichen seitens der Politik, dass man uns nicht im Regen stehen lässt.“

DEW 21- Strategie erfolgreich

Die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21) während der Corona-Pandemie  ihre KundInnen jederzeit zuverlässig mit Energie und Wasser versorgt und darüber hinaus mit zahlreichen Aktionen wie der Plattform „dew21hilft“ gesellschaftliche Verantwortung übernommen.
„Die Pandemie hat uns allen einen dramatischen Perspektivwechsel beschert und unser Leben – wie wir es bis dahin kannten – elementar verändert. Wir sind stolz, dass wir trotz alledem das Geschäftsjahr 2020 sehr erfolgreich abschließen konnten“, erklärt Heike Heim, Vorsitzende der DEW21-Geschäftsführung. „Mit einem vorläufigen operativen Ergebnis (EBIT) von 105 Mio. Euro übertreffen wir unsere Planzahlen und das Vorjahresergebnis. Dies verdanken wir einem hochmotivierten Team und nicht zuletzt unserer strategischen Neuausrichtung.“ DEW21 hat die Entwicklung zu einem nachhaltigen Lebensversorger konsequent weiterverfolgt. „Wir verstehen uns als Wegbereiter für das urbane, komfortable und nachhaltige Leben in Dortmund und der Region und haben im vergangenen Jahr mehr als 110 Mio. Euro investiert“, so Heike Heim weiter. Ein Highlight war der Marktstart der 100-prozentigen DEW21-Tochter stadtenergie. Die ist seit Herbst 2020 im bundesweiten Energievertrieb aktiv und positioniert sich vorrangig digital – mit großem
Erfolg: Innerhalb der ersten Monate konnte die stadtenergie einen KundInnenzuwachs
in fünfstelliger Höhe generieren. Die Ergebnisübernahme von DSW21 ist gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Mio. € auf 38,5 Mio. € gestiegen. „DEW21 ist und bleibt ein wichtiger Leistungsträger im Unternehmensverbund“, betont Guntram Pehlke. Stabil war die Entwicklung des Ertrages aus der Beteiligung an der Gelsenwasser AG. Deren Beteiligungsgesellschaft Wasser und Gas Westfalen (WGW), zu jeweils 50 Prozent von den Stadtwerken Dortmund und Bochum gehalten, führte 2020 einen Betrag in Höhe von 32,2 Mio. € (Vorjahr 31,5 Mio. €) an DSW21 ab. Sehr positiv hat sich trotz Corona das Geschäft des Essener Energiekonzerns RWE entwickelt – nicht zuletzt ablesbar am Aktienkurs, der sich im Zeitraum Ende 2018 (18,78 €) bis Ende 2020 (34,57 €) nahezu verdoppelt hat. Der Wert des Aktienbesitzes von DSW21 belief sich damit am Bilanzstichtag 31.12.2020 auf fast 850 Mio. €. Als größter kommunaler Anteilseigner mit rd. 24,5 Millionen Aktien (3,6 %) profitiert DSW21 davon auch bei der Dividendenausschüttung in Höhe von 0,80 €/Aktie. Nachdem der Aufsichtsrat Ende 2019 den Zukauf von zusätzlichen 1,3 Mio. Aktien innerhalb der nächsten fünf Jahre beschlossen hatte, hat DSW21 im vergangenen Jahr 880.000 weitere Anteilsscheine erworben. „Mit der RWE-Beteiligung haben wir einen stabilen Vermögenswert im Portfolio“, sagt Jörg Jacoby. „Die Beteiligung liefert Jahr für Jahr einen relevanten Beitrag zum Ausgleich unserer Verluste im ÖPNV.“ Für das RWE-Geschäftsjahr 2020 wird eine Dividende von 0,85 € je Aktie vorgeschlagen und für das Geschäftsjahr 2021 aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung eine Dividende von 0,90 € je Aktie in Aussicht gestellt. Verwaltet werden die RWE-Anteile von DSW21 in der KEB Holding. Aus deren Gewinnrücklagen hat DSW21 im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Ausschüttung in Höhe von 75 Mio. € veranlasst. DerErtrag wurde anschließend wieder eigenkapitalverstärkend in die KEB eingebracht.
Aus der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG), in der die Anteile der Konsortialpartner Dortmund (36 %), Duisburg (19 %), Bochum (18 %), Essen (15 %), Oberhausen und Dinslaken (je 6 %) am Essener Energiekonzern Steag gebündelt sind, gab es planmäßig keinen Ergebnisbeitrag. Wegen des Kohleausstiegs muss sich Steag in Zukunft im Rahmen eines Restrukturierungsprozesses strategisch neu ausrichten. Dabei soll das Unternehmen von der Stiftung der Ruhrkohle AG (RAG)
unterstützt werden. DSW21 und die anderen fünf beteiligten Stadtwerke möchten ihre Anteile daher im Rahmen einer Treuhänder-Lösung an die RAG-Stiftung übertragen. In Dortmund, Bochum, Essen, Oberhausen und Dinslaken haben die Räte bereits entsprechend entschieden. Das Votum aus Duisburg steht noch aus. Ebenso müssen die beteiligten Banken dem Modell noch zustimmen.

Bebauungsplan Hafen

Die Entwicklungsgesellschaft d-Port21, die als gemeinsames Tochterunternehmen von DSW21 und Dortmund Hafen die städtebauliche Entwicklung der nördlichen Speicherstraße und die wirtschaftlich tragfähige Vermarktung der Grundstücke verantwortet, hat ihre Arbeit in 2020 konsequent fortgesetzt. Im vergangenen Herbst ist das Bebauungsplanverfahren angelaufen, die
Offenlage erfolgt voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2021, bevor der Rat im nächsten Jahr final beschließt. In 2021 verantwortet d-Port21 den Teilabriss der ehemaligen KnaufInterfer-Halle. Bis Ende des Jahres sollen weite Teile der rund 27.000 Quadratmeter großen Halle abgetragen werden. Das verbleibende Stahlgerüst des Mittelschiffs erhält ein Dach aus transparentem Material und soll als zentrales Gestaltungselement das Areal prägen. Unter dem transparenten Dach werden voraussichtlich kleinteilige, ein- bis zweigeschossige Baueinheiten platziert. Diese könnten für Gastronomie, Kultur oder Start-up-Unternehmen bereitstehen.

Wohnungsmieten leicht erhöht

Die DSW21-Tochter DOGEWO21 erzielte im Geschäftsjahr 2020 ein Jahresergebnis von 7,2 Mio. € (2019: 6,1 Mio. €). Durch den Kauf von drei Mehrfamilienhäusern in Dortmund-Kley mit insgesamt 38 Wohnungen hat sich der gesamte Wohnungsbestand von 16.290 auf 16.328 nur geringfügig erhöht. Die Durchschnittsmiete beläuft sich im Geschäftsjahr 2020 auf 5,67 €/qm und hat sich somit um 0,11 €/qm leicht erhöht. Da die Coronapandemie die direkten Anschlussvermietungen ein wenig erschwerte, bewegte sich die Leerstandsquote ganz leicht von 1,26 % auf 1,35 % nach oben – damit befindet sie sich aber weiterhin auf einem äußerst geringen Gesamtniveau. DSW21 hat in 2020 einen Beteiligungsertrag in Höhe von 2,4 Mio. € nach Rücklagenbildung bei DOGEWO21 vereinnahmt.

Die Ansiedlung des Versicherers Continentale an der Stadtkrone Ost, der vor Ort seine neue  Konzernzentrale für einige tausend Mitarbeiter baut, machte sich 2020 erstmals in der Bilanz bemerkbar. So wurde der erste von zwei Grundstückskaufverträgen in 2020 ergebniswirksam. Insgesamt ist das Jahresergebnis der Stadtkrone Ost von 1,1 Mio. € auf 1,5 Mio. € gestiegen. DSW21 als Mehrheitsgesellschafterin erhält hier von einen Beteiligungsertrag in Höhe von 0,9 Mio.
€ (Vorjahr: 0,7 Mio. €). Der Corona-bedingte Anstieg der Homeoffice-Zeiten führte zwischenzeitig zu einer Umplanung des Continentale-Neubaus und zu einer Verzögerung der Kaufpreiszahlung im Rahmen von 6 Mio. €. Diese erfolgte nachträglich im Januar  2021. Ebenso in 2021 ergebniswirksam wird der Verkauf eines etwa 8.300 qm² großen Grundstücks an der Freie-Vogel-Straße im vergangenen Oktober. Der Kaufpreis beträgt 1,2 Mio. €.

DOKOM21 unterstützt Digitalisierung

DOKOM21, eine 84 %-Tochter von DSW21, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn in Höhe von vier Millionen Euro erzielt. Damit liegt der Telekommunikationsdienstleister auf Vorjahresniveau und um gut eine Mio. € über Plan. Stark nachgefragt waren und sind weiterhin die Rechenzentrumsleistungen. Mit einer Gesamtfläche von aktuell rd. 6.200 qm ist DOKOM21  inzwischen der größte Betreiber von Rechenzentren im Ruhrgebiet. Eine Entwicklung, die Guntram Pehlkes Einschätzung bestätigt: „Die Digitalisierung ist für die Zukunft eine der wichtigsten
Herausforderungen an die Daseinsvorsorge. Wir erleben bundesweit, dass wir mitunter nur im Schneckentempo vorankommen. DOKOM21 hingegen steht auf dem Gaspedal und sorgt dafür, dass wir hier im Ruhrgebiet auf die Überholspur wechseln können.“

Kooperation bei Glasfaserring

Meilensteine in der Entwicklung des Unternehmens, das 2021 sein 25-jähriges Bestehen feiert, waren im Herbst die kurz aufeinanderfolgende Inbetriebnahme von „Ruhr-Backbone“ und „Ruhr-CIX“. Bei Ruhr-Backbone, einer Kooperation mit TMR (Bochum) und Gelsen-Net(Gelsenkirchen), handelt es sich um einen regionalen Glasfaser-Hochgeschwindigkeitsring. Für die Bildung der Internetknoten-Plattform Ruhr-CIX gingen dieselben drei Partner eine Kooperation mit dem Betreiber des weltweit führenden Internet-Knotens DE-CIX in Frankfurt a.M. ein. Beide Projekte
gelten als Quantensprünge für das Vorankommen der Digitalisierung in der Region.

Corona bleibt Herausforderung

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, insbesondere auf den ÖPNV und den Flughafen, werden das laufende Geschäftsjahr 2021 wesentlich prägen und sich auch noch auf die Folgejahre auswirken. DSW21 hat 2020 aber eindrucksvoll bewiesen, dass man diese besondere Herausforderung meistern kann. Nicht nur die zahlreichen oben aufgelisteten Top-Projekte sorgen sogar für Aufbruchstimmung. Auch bei der Bewältigung der Verkehrswende und beim Abbremsen des Klimawandels sind die Unternehmen der 21-Gruppe wichtige Player und unverzichtbarer Teil der Lösung. So ist zurzeit ein „Strategiepapier Mobilität“ zur weiteren Stärkung des ÖPNV-Angebotes
in Arbeit, das DSW21 noch vor der Sommerpause in die politische Diskussion einbringen wird. Mit der Entwicklung des Hafenquartiers nördliche Speicherstraße durch die d-Port21 Entwicklungsgesellschaft und der „Deggingshöfe“ nimmt das Unternehmen erneut zwei  Stadtentwicklungsprojekte mit herausragender Bedeutung in Angriff. Neben einem attraktiven neuen Wohnquartier in City-naher Lage wird an der Deggingstraße auch die neue Hauptverwaltung für DSW21 und DOGEWO21 entstehen.

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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