Die Rolle der Medien in der wirtschaftspolitischen Berichterstattung

Zum Haareraufen findet Bekowerdo die wirtschaftspolitische Berichterstattung in den meisten deutschen Medien.
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  • hochgeladen von Rüdiger Beck

Die große Masse der deutschen Lei(d)medien spielt eine sehr traurige Rolle, weil sie lediglich den ökonomischen Mainstream und die Vorurteile der Politik transportiert. Sobald Kritik aus dem Ausland kommt, stehen die Medien geschlossen hinter der Politik und verteidigen die deutsche Linie.

Es fehlen die kritischen Geister in den Redaktionen, die für eine funktionierende Demokratie notwendig sind. Daher hat die Politik leichtes Spiel mit den Medien und das ist das Problem unter dem wir leiden.

Die FAZ fiel am 01.07.19 aus allen Wolken: Es gibt wieder Entlassungen
Deutschland hat doch bisher alles richtig gemacht, oder? Das Land, das im Zuge der Agenda-Reformen von Gerhard Schröder den Sozialstaat abgebaut hat, das Rentensystem zerschlagen hat, Hartz IV eingeführt hat und Lohndumping betrieben hat, steht doch bisher in Europa immer noch am besten da.

Also war doch die schrödersche Politik erfolgreich, oder? Das ist doch die gängige Schlussfolgerung, mit der uns Politiker und Medien täglich die Hirne fluten. Und diese "erfolgreiche" Zeit soll nun zu Ende gehen?

Die FAZ versteht die Welt nicht mehr. Diese Konfusion findet man nun immer öfter bei Ökonomen, Journalisten und Politikern, die dem ökonomischen Mainstream hinterherlaufen und nicht begreifen wollen, dass Deutschland gerade durch die Agenda-Politik eine ökonomische Katastrophe in Europa angerichtet hat. Ein Bumerang hat aber bekanntermaßen die Eigenschaft, dass er irgendwann wieder zurückkommt.

Das Handelsblatt berichtete am 05.07.19 in seinem Artikel "Die Gefahr einer gesamtwirtschaftlichen Rezession steigt" über die konjunkturelle Lage und zitierte Prof. Dr. Bert Rürup: "Vor einem Jahr setzte - zunächst weitgehend unbemerkt - eine markante konjunkturelle Abkühlung des industriellen Sektors in Deutschland ein."

"Weitgehend unbemerkt" ist nicht richtig. Das Thema hat in den Köpfen der neoklassischen Redaktionen damals kein Gehör gefunden. Aber dem Handelsblatt sei Dank für die aktuelle Analyse makroökonomischer Sachverhalte.

Die "Welt" titelte am 25.07.19: "Jetzt steht das Strafzins-Zeitalter auch dem deutschen Sparer bevor".
Im Bericht des leitenden Wirtschaftsredakteurs Holger Zschäpitz wird in Bezug auf die lockere Geldpolitik der EZB immer von Inflation gesprochen. Zitat: "Bundesbürger haben knapp 2,5 Billionen Euro auf Tagesgeld- oder Girokonten geparkt. Bei der aktuellen Inflation von 1,6 Prozent verlieren die Deutschen Jahr für Jahr 40 Milliarden Euro an Kaufkraft."

Es geht aber nicht um Inflation, sondern um Deflation. Mario Draghi will mit seiner Geldpolitik nicht den deutschen Sparer schädigen, sondern die Deflation bekämpfen, deren Ursache in Deutschland liegt. Durch deutsches Lohndumping und Glorifizierung der schwarzen Null im Staatshaushalt wird das vorgegebene Ziel der EZB von 1,9% Preissteigerung seit Jahren nicht erreicht. Dadurch wird das gesamte europäische System deflationär, weil auch in anderen Ländern Druck auf die Löhne ausgeübt und somit keine ausreichende Nachfrage mehr geschaffen wird.

Es gibt daher keinen wirtschaftspolitischen Grund, die Zinsen zu erhöhen. Die Geldpolitik der EZB hat im Kampf gegen die Deflation ihr Ende erreicht, denn selbst bei Nullzinsen investieren die Unternehmen nicht. Die Unternehmen sind zu Sparern geworden. Wenn aber alle Sektoren einer Wirtschaft im Saldo sparen (private Haushalte, Unternehmen und der Staat), ist die Wirtschaft schnell am Ende, wenn sich nicht jemand in Höhe der Ersparnisse verschuldet. Bisher hat sich Deutschland immer auf das Ausland verlassen können, dass aufgrund der irrsinnigen deutschen Exportüberschüsse in die Verschuldung gegangen ist. Man kann also sagen: Es gibt keine Schuldner mehr, weil sich niemand mehr verschulden will und weil Schulden ja im Sinne des Mainstreams etwas Böses sind. Dann darf man sich aber nicht über niedrige Zinsen beklagen.

Wirtschaftspolitisches Versagen in Europa wird nicht thematisiert
Die wirtschaftliche Schwäche in Deutschland und Europa wird von den Ökonomen schöngeredet und von der Politik und den Medien völlig ignoriert. Das Desinteresse in den europäischen Institutionen weitet sich langsam aber sicher zu einem Skandal aus.

Autor:

Rüdiger Beck aus Dortmund-City

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