Herausforderungen für DSW21: Was die Technik und den Betrieb aktuell und zukünftig bewegt
DSW21 investiert Millionen

Die DSW21 investiert im Jahr 2019 ca. 20 Millionen Euro in die Infrastruktur der Bahnen.
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Ob zur Schule, zur Arbeit, zum Shopping oder zum Fußball: Rund 130 Mio. Fahrgäste haben 2018 die Busse und Bahnen von DSW21 genutzt. Trotz eines leichten Rückgangs bewegen sich die Fahrgastzahlen damit seit Jahren auf konstant hohem Niveau. Gerade auch vor dem Hintergrund drohender Fahrverbote und überfüllter Straßen ist der ÖPNV gefragt. Gleichzeitig werden Fahrzeuge und Infrastruktur älter, Fahrgäste anspruchsvoller. Wie geht DSW21 mit dieser Herausforderung um? Und wie bereitet sich das Unternehmen auf eine weitere Herausforderung vor, die bereits in wenigen Wochen auf es zukommt, nämlich auf den evangelischen Kirchentag im Juni?

20 Millionen Euro für Infrastruktur

Knapp 40 Jahre nach Beginn der Stadtbahnära in Dortmund ist ein großer Teil der Infrastruktur in die Jahre gekommen. Das gilt nicht nur für Fahrzeuge oder Haltestellen, sondern auch für Gleise und Weichen, Tunnel- und Brückenanlagen, Fahrtreppen und Aufzüge, Videoschutzanlagen, Lautsprecher und Fahrgastinformationssysteme, Fahrleitungen, Signaltechnik, Steuerungstechnik und vieles mehr. „Im Stadtbahnbereich wurden über Jahrzehnte nur Neu- und Ausbauten gefördert, nicht aber Ersatz- und Erneuerungsmaßnahmen. Trotz kontinuierlicher Instandhaltungsmaßnahmen leben wir deshalb momentan von der Substanz“, so DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung. „Wir bereiten viele nötige Er-neuerungen vor und könnten diese relativ schnell ausschreiben und beginnen. Wir sind aber bei der Umsetzung auf konkrete Förderzusagen angewiesen, denn wir sprechen hier von erheblichen Investitionen.“

Modernisierung der Straßenbahn

Größere Ausgaben, die in 2019 erfolgen, sind die Erneuerung eines Unter-werks (ca. 1 Mio. €), acht Gleisbaumaßnahmen (ca. 3,4 Mio. €) und fünf neue Fahrtreppen (ca. 1,7 Mio. €). Viele weitere Maßnahmen in Bereichen, die der Fahrgast oft auf den ersten Blick nicht wahrnimmt, sowie für Barrierefreiheit und Brandschutz kommen hinzu, sodass sich die Ausgaben in die Infrastruktur auf rund 20 Mio. € im Jahr 2019 summieren. Im Jahr 2020 werden es vermutlich schon rund 35 Mio. € sein, denn dann schlägt ein Teil des neuen Stellwerks Reinoldikirche (Linien U42/U46) rechnerisch zu Buche. Den Auftrag für die Erneuerung des Stellwerks aus dem Jahr 1992 mit einem Volumen von rund 30 Mio. € kann DSW21 erst vergeben, wenn eine Förderung erfolgt. Weitere Stell-werke werden in den nächsten Jahren folgen.
Diese Summen beinhalten jedoch nicht die »rollenden« Werte wie Stadtbahnen und Busse: Allein für die Neuanschaffung und Modernisierung von 88 Stadtbahnen wird DSW21 in den nächsten Jahren 195 Mio. € ausgeben. Auch die Umstellung des aktuell aus 172 Bussen bestehenden Fuhrparks auf Elektrobus-se ab 2020/21 wird alleine bei den Fahrzeugen Millionen kosten. Die Ausgaben für neue Fahrzeuge ziehen aber wiederum erhebliche Investitionen auf den Betriebshöfen in Dorstfeld (Bahn) und Brünninghausen (Bus) nach sich. In beiden Fällen müssen jeweils mindestens 5 Mio. €. in neue Hallen, Hebebühnen, eine ausreichende Stromversorgung und vieles mehr gesteckt werden.

Wir können das schaffen, doch wir fordern von der Politik eine ausreichende und zweckgebundene Förderung.

DSW21 plant in Zukunft mit Erneuerungsmaßnahmen in einer Höhe von jährlich 2 % des Wertes der DSW21-Anlagen. Bei einem Gesamtwert von 1,7 Mrd. € ergibt sich daraus eine jährliche Investitionssumme von rund 34 Mio. €. Die Herausforderungen für die nächsten Jahre sind also groß, meint Hubert Jung: „Wir können das schaffen, doch wir fordern von der Politik eine ausreichende und zweckgebundene Förderung, um den Sanierungsstau endlich abzubauen.“ Das Thema scheint endlich in den Köpfen angekommen zu sein – so hat das NRW-Verkehrsministerium im April in einem Gutachten einen Investitions-Bedarf in die Infrastruktur des Landes von 2,6 Mrd. € bis 2031 ausgemacht. Und Anfang Mai hat die Landesregierung zugesagt, die Erneuerung der Stadt- und Straßenbahnnetze mit einer Milliarde Euro zu fördern. Doch das Geld muss nun im Nahverkehr und in den einzelnen Unternehmen ankommen, betont Jung. „Und die Fördermodalitäten müssen so geregelt werden, dass es auch praxisnah abgerufen und gezielt eingesetzt werden kann.“

Andere Unternehmen überholen

„Wir freuen uns darüber, dass immer mehr Menschen Bus und Bahn nutzen möchten. Doch momentan werden wir wie die anderen Verkehrsunternehmen von unseren eigenen Erfolg überholt, wir stoßen an unsere Grenzen“, bemerkt Jung und formuliert den Anspruch: „Wir wollen zentraler Teil der Verkehrswende sein. DSW21 hat jetzt schon eine der modernsten Busflotten NRWs und Bahnen, die zu 100 % mit Ökostrom unterwegs sind. Wir wollen unseren Fahrgästen weiterhin ein überzeugendes Angebot unterbreiten und uns in Bereichen wie Fahrgastinformation, Komfort und Barrierefreiheit noch weiter verbessern. Das können wir aber nur mit entsprechender Finanzierung.“

Kirchentag: Alles rollt, was Räder hat

Während des Evangelischen Kirchentages in Dortmund (19.-23. Juni) werden pro Tag um die 100.000 Besucher/innen erwartet, am Eröffnungstag sogar bis zu 200.000. Ein guter Teil davon wird mit dem Kirchentags-KombiTicket Bus und Bahn nutzen - und das von morgens früh bis spät in die Nacht. Die größte Veranstaltung des Jahres in Dortmund ist damit auch für DSW21 eine echte Herausforderung. Der Anspruch ist deshalb klar: „An diesen fünf Tagen rollt im Fuhrpark alles, was Räder hat“, erklärt Ralf Habbes, Betriebsleiter und Leiter der Technik. „Wir haben Bau-, Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen so gelegt, dass wir an diesen Tagen so viele Fahrzeuge wie möglich zur Verfügung haben.“ Und auch personell ist DSW21 vorbereitet: Dienstpläne, Urlaubssperren und Bereitschaftsregelungen sorgen dafür, dass an den fünf Tagen auch wirklich alle verfügbaren Kräfte an Bord sind.

Urlaubssperre für Mitarbeiter

Das gilt nicht nur für die technischen Bereiche wie die Werkstätten oder die Verkehrssteuerung, sondern auch für den Fahrdienst, erklärt Dr. Heinz-Josef Pohl-mann, Leiter Betrieb und Marketing: „Für unsere rund 950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fahrdienst gilt an diesen Tagen Urlaubssperre. Unsere Fremdfirmen werden uns zudem mit Bussen und Fahrern sowie Service- und Sicherheitskräften unterstützen. Und auch die Kollegen der Kooperation östliches Ruhrgebiet (KöR) haben ihre Unterstützung zugesagt.“

Und so wird es DSW21 möglich sein, an den fünf Tagen rund um die Uhr ein auf die Veranstaltung maßgeschneidertes Angebot auf die Beine zu stellen: Die Stadtbahn als »Rückgrat« des Kirchentags wird im 10-Minuten-Takt von Betriebsbeginn bis etwa Mitternacht fahren. Die Kapazitäten werden dabei verstärkt, besonders zwischen Fredenbaum und Westfalenhallen, wo zentrale Veranstaltungsorte liegen. Das Busangebot wird um einige Sonderlinien ergänzt, besonders im Umfeld einiger Gemeinschaftsunterkünfte, und der NachtExpress dreht an allen Tagen bis 4 Uhr nachts seine Runden. „Damit sind wir rund um die Uhr im Einsatz“, so Hubert Jung.

Aufwand wie bei Meisterfeier

„Der Aufwand ist für uns wie fünf Tage Meisterfeier. Wir haben ja schon bei der WM 2006 oder Meisterfeiern gezeigt, dass so etwas mit Teamwork und Ein-satz zu schaffen ist.“ Zwar sind die Wege beim Dortmunder Kirchentag relativ kurz, so dass der ein oder andere auch auf das Fahrrad oder die eigenen Füße zurückgreifen wird, doch es ist wahrscheinlich, dass der Dortmunder Nahverkehr an seine Grenzen geraten kann. Das war auch bei vorherigen Kirchentagen auf-grund des enormen Andrangs stets der Fall. Jung hofft deshalb auf eine gute Portion Gelassenheit bei den Besucherinnen und Besuchern. „Wir freuen uns auf eine friedliche Veranstaltung mit gut gelaunten Fahrgästen und Besuchern unserer Stadt und hoffen auf ein »Sommermärchen«-Gefühl.“

Zahlen und Fakten zum Kirchentag

Pro Tag sind bis zu 500 Mitarbeiter/-innen im Einsatz  für den Fahrdienst.
Am Feiertag etwa doppelt so viel wie an einem normalen Feiertag). Für den Service und die Sicherheit stehen ca. 70 Mitarbeiter/-innen bereit. 
Werkstätte, Technik, Leitstelle, Verkehrssteuerung und viele
weitere Bereichewerden zum Teil rund um die Uhr in Bereitschaft sein.

Die DSW21 investiert im Jahr 2019 ca. 20 Millionen Euro in die Infrastruktur der Bahnen.
Für den Kirchentag erhalten die Fahrdienstmitarbeiter eine Urlaubssperre, damit alle Fahrpläne bereitgestellt werden können.

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