10.000 demonstrierten friedlich gegen Nazis, doch Gewalt eskaliert

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Polizisten lösten Sitzblockaden von Demonstranten gegen die Nazi-Demo in der Nordstadt auf. (Foto: Oliver Schaper)
 
Zehntausend Dortmunder gingen friedlich auf die Straße, um, wie hier an der Katharinentreppe, gegen dem Marsch der Rechten zu demonstrieren. (Foto: Schütze)
So viele Dortmunder wie nie gingen gegen die Ewiggestrigen auf die Straße. Zehntausend wollten den Marsch der Nazis durch die Nordstadt nicht tatenlos hinnhemen: Sie versammelten sich, wie hier an der Katharinentreppe zum Friedensfest, gingen zum Nordmarkt und zeigten dort mit einer Menschenkette, dass Dortmund bunt und nicht braun ist. Während in der City, im Kreuzviertel, am Nordmarkt und in der Innenstadt Ost tausende Dortmunder rechten, fremdenfeindlichen Parolen mit Festen, Demonstrationen und Blockaden friedlich paroli boten, wurden die Haydn- sowie Straßen der Nordstadt am Antikriegstag zum Tatort: Verletzte Demonstranten und 42 verletzte Polizisten zählen zu den Opfern, als die Polizei die Blockade von rund 80 Autonomen gewaltsam räumen will. Es werden sogar Wasserwerfer gegen die Demonstranten eingesetzt. Unbekannte hatten mit Steinen, Pyrotechnik und Pfefferspray einen Einsatzwagen der Polizei angegriffen. Mit Feuerlöschern seien Kollegen besprüht und so an Augen und Atemwegen verletzt worden. Ein schwer verletzter Polizist erlitt bei dem Angriff auf den Streifenwagen einen Schock. „Die Aufrufe zu Blockaden haben nicht nur friedliche Bürger, sondern auch so viele gewaltbereite Autonome nach Dortmund gelockt, wie nie zuvor“, so die Bilanz des Polizeipräsidenten Hans Schulze, der 261 Personen vorläufig festnehmen ließ. Darunter waren nur 40 Dortmunder, allerdings 70 Jugendliche, elf unter 16 Jahren. Eine derartige Ansammlung von Aggressivität, Gewalt und Bewaffnung gegen Polizeibeamte habe es in Dortmund noch nie gegeben, meint Schulze: „Es müssen neue, andere Wege gefunden werden, sich mit Rechtsextremen auseinanderzusetzen.“
Dem könnte das Alerta-Bündnis gegen Nazis zustimmen, doch sehen die Aktiven die antifaschistischen Proteste von Polizeiwillkür überschattet. „Allein dem skandalösen Einsatz der Polizei ist es zu verdanken, dass Nazis durch Dortmunder Straßen marschieren konnten“, heißt es da: Mit Hilfe von Anwohnern seien drei Blockaden errichtet worden, die die nur 763 statt der angekündigten 1000 Rechten, zu Umwegen zwangen. Mit Hunden, Schlagstöcken und Pfefferspray sei die Polizei gegen Antifaschisten vorgegengen und habe Minderjährige über Stunden eingekesselt.
Und am Samstag habe die Polizei junge Nazigegner nicht vor den Rechten geschützt, sie seien bei der Abreise im Hauptbahnhof von Nazis angegriffen worden. Und auch das Friedensfest war in Dorstfeld von Nazis gestört worden.
Weitere Stimmen zum Wochenende:
„Wir freuen uns über die starke Beteiligung der Bevölkerung an den Gegenveranstaltungen zum Naziaufmarsch. Gleichzeitig verurteilen wir die brutalen Angriffe der Linksautonomen auf Polizisten.“ (SPD) „Der Teilnehmerrekord der Demonstration des ‚Arbeitskreises gegen
Rechtsextremismus’ und der Erfolg der friedlichen Blockade durch ‚Dortmund nazifrei’ beweisen, dass wir nicht auf Krawalltouristen aus dem linksautonomen Spektrum angewiesen sind, um Freiheit und Demokratie zu verteidigen, “, so Kai Neuschäfer, (SPD).
Die CDU bedauert, dass einmal mehr das positive Signal tausender friedlicher Demonstranten für ein weltoffenes, demokratisches Dortmund und ein Zusammenleben in Vielfalt gestört und überschattet wurde von Gewaltexzessen und Übergriffen gewaltbereiter und gewalttätiger Linksradikaler.
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