Geschichtsverein Eving lädt zum Abend über Scheipers Mühle in Brechten in seinen Geschichtstreff ein
"Wechselvolle Mühlengeschichte"

Hendrik Scheiper (r.) zeigt hier Wolfgang Skorvanek vom Geschichtsverein Eving, wo sich eines der Scheiper'schen Mühlwerke befindet.
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  • Hendrik Scheiper (r.) zeigt hier Wolfgang Skorvanek vom Geschichtsverein Eving, wo sich eines der Scheiper'schen Mühlwerke befindet.
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Zum Thema "Wechselvolle Mühlengeschichte" lädt der Evinger Geschichtsverein für Montag, 20. Januar, um 18.30 Uhr zum Abend über Scheipers Mühle in Brechten in seinen Geschichtstreff im Evinger Wohlfahrtsgebäude, Nollendorfplatz 2, ein. Für die besten Plätze gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!

Mit dem idyllischen "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" gibt sich der Evinger Geschichtsverein nicht zufrieden. "Denn Mühlen sind ein vielschichtiges, kulturhistorisches Thema, dem wir uns nähern wollen", sagt Vereinsvorsitzende Wiltrud Lichte-Spranger. Prominente Unterstützung erhält der Geschichtsverein von Heinrich-Clemens Scheiper, dem Besitzer von Scheipers Mühle in Brechten.

Der Transport schwerer Korn- und Mehlsäcke, die anstrengende Arbeit des Müllers, der Mehlstaub, das Geräusch des Mahlgangs und der Weg vom Korn zum Mehl. Vieles ist einfacher geworden, im Prinzip hat sich aber wenig verändert.

Erster Mühlen-Standort war am Mühlenberg innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer in Dortmund

"Die Hintergründe des Mühlenwesens indes sind interessant und spannend - selbst für Alteingesessene", merkt Dr. Volker Schacke, stellvertretender Geschichtsvereinsvorsitzender, an. Beispielsweise stand die erste Scheipersche Mühle zunächst am Hohen Wall, etwa an der Stelle, wo sich heute das Dortmunder Schauspielhaus befindet. Am Hohen Wall, damals der Windmühlenberg, wurde die Windmühle im Rahmen der Beseitigung der mittelalterlichen Stadtmauer ab 1871 abgebaut und in Brechten wieder aufgebaut.

Damit war auch in Dortmund der Wandel von der Stadtmüllerei, wo Bauern ihr Korn gegen Bezahlung durch angestellte Müller mahlen ließen, zur Landmüllerei eingeleitet. Der Landmüller war selbständig und neben seinem Handwerk noch in der Landwirtschaft tätig und betrieb zudem noch Getreidehandel - wie Heinrich Scheiper I.

Dies war möglich, weil die Preußischen Minister von Stein und Hardenberg den Mühlenzwang aufgehoben hatten. Der Mühlenzwang gab in Preußen zunächst allein Grundherren das Recht, Mühlen zu bauen und zu betreiben.

"Gleichwohl standen Bauern den Müllern vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit immer etwas skeptisch gegenüber. Die Bauern fürchteten, dass Mehl von den Müllern zurückgehalten werde oder der Mahllohn zu hoch sei", stellte Wolfgang Skorvanek, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender des Geschichtsvereins, bei seiner Forschung fest. Schon 1721 erschien das Betrugs-Lexicon, in dem 30 Möglichkeiten beschrieben wurden, wie Müller betrügen können. Neuere Forschungen belegen jedoch, dass täuschende Müller eher regional tätig waren, in der Minderheit blieben und hoch bestraft wurden.

Mühle in Brechten profitiert vom Bergbau

Jedoch eher von der rasanten Entwicklung im Bergbau profitierte die Brechtener Mühle. Neben den Getreidebauern mit ihren hungrigen Pferden rings um die Mühle zählten vor allen Dingen die aus ländlichen Gebieten zugewanderten Beschäftigten der Zechen Minister Stein, Hardenberg und Achenbach zu Scheipers Kunden, wenn sie Futter für ihr Vieh oder Dünger für ihre Nebenerwerbslandwirtschaft kauften.

Das Geschäft lief so gut, dass zur Jahrhundertwende die Windmühle aus Dortmund ausgedient hatte und 1907 durch eine wetterunabhängige, zunächst gasgetriebene Mühle ersetzt wurde.
In der Zeit der NS-Diktatur durften Mühlen nur einen Teil ihrer Kapazitäten nutzen. Heinrich-Clemens Scheiper: "Strenge Vorschriften erlaubten es meinem Großvater nicht, ohne ,Mehlkarte' Mehl zu mahlen. Daher war der Hunger der Brechtener oft auch so groß."

In der Nachkriegszeit blieben Mühlen zwar mechanisch einfache, aber faszinierende Kraftmaschinen; jedoch waren sie mit ihren Kapazitäten gegenüber den großindustriellen Mühlen nicht mehr konkurrenzfähig. Unter Bundeskanzler Adenauer wurde das Mühlenstillegungsgesetz verabschiedet. Es bewilligte eine staatliche Prämie unter der Auflage, 30 Jahre lang die stillgelegte Mühle nicht mehr zu betreiben.

Scheipers Mühle bestand fort, verabschiedete sich in den 70er-Jahren von der kleinen Landwirtschaft, erweiterte die baulichen Anlagen einschließlich großer Silos zur Futterlagerung und nutzte ständig sich bietende technische Möglichkeiten. An die Stelle der Windmühlenflügel trat der Starkstromanschluss für mehrere Mühlen, die bis heute hochwertiges Tierfutter mahlen. Haus- und Gartenbesitzer finden ebenso ein reichhaltiges Sortiment für ihre Arbeiten wie Anhänger der Naturkost in einem Laden, der seinen nostalgischen Charme nicht aufgegeben hat - oder auf Scheipers Internetseite: www.scheipers-muehle.de.

Hendrik Scheiper (r.) zeigt hier Wolfgang Skorvanek vom Geschichtsverein Eving, wo sich eines der Scheiper'schen Mühlwerke befindet.
Hendrik Scheiper steht bereit, in der fünften Generation die Scheiper'sche Mühle in Brechten zu übernehmen.
Autor:

Ralf K. Braun aus Dortmund-Ost

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