Lippeverband hat die ökologische Verbesserung im Knoten Scharnhorst abgeschlossen
Naturnahe Bachläufe statt "Köttelbecken" in Betonsohle

Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender Lippeverband (LV), Bodo Klimpel, LV-Ratsvorsitzender, Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand LV, streuen gemeinsam Saatgut an der Uferböschung des Kirchderner Grabens in Höhe der Straße Am Bellwinkelhof in Alt-Scharnhorst aus.
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  • Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender Lippeverband (LV), Bodo Klimpel, LV-Ratsvorsitzender, Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand LV, streuen gemeinsam Saatgut an der Uferböschung des Kirchderner Grabens in Höhe der Straße Am Bellwinkelhof in Alt-Scharnhorst aus.
  • Foto: Anne-Kathrin Lappe/EGLV
  • hochgeladen von Ralf K. Braun

Die größte und letzte „Köttelbecke“ im Dortmunder Norden ist endgültig Geschichte: Der Lippeverband hat die ökologische Verbesserung am Kirchderner Graben und seinen Nebengewässern Borlandgraben, Böckelbach und Erlenbach, am Rüschebrinkgraben sowie am Oberlauf der Körne und am Dahlwiesenbach - als Anschlussmaßnahme an das 2014 abgeschlossene Seseke-Programm - fertiggestellt.

In der Vergangenheit dienten die Gewässer als offene Schmutzwasserläufe. 2010 begannen dann die Bauarbeiten zur Verlegung der unterirdischen Abwasserkanäle am Knoten Scharnhorst. 2015 konnte schließlich die Abwasserfreiheit des Kirchderner Grabens gefeiert werden. Die Renaturierung der Gewässer begann 2016 und wurde nun abgeschlossen.

Zuvor gemiedene Räume dienen nun der Naherholung

„Mit der Abwasserfreiheit des Kirchderner Grabens und seiner Nebengewässer haben wir die Lebens- und Aufenthaltsqualität der Anwohnerinnen und Anwohner enorm gesteigert“, betont der Vorstandsvorsitzende des Lippeverbandes, Prof. Dr. Uli Paetzel. Denn naturnahe Flussläufe würden die Bevölkerung dazu einladen, sich an den Gewässern aufzuhalten und zu entspannen. Im und am Wasser ist zudem Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten entstanden. „Aus ehemaligen Meideräumen wurden Gebiete der Naherholung“, sagt Paetzel.

Auch für den Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau stehen die positiven Auswirkungen der Umgestaltung des Entwässerungssystems Knoten Scharnhorst im Fokus. „Durch die Renaturierung werden die Stadtteile Kirchderne und Scharnhorst merklich aufgewertet“, so Sierau.

So profitieren die Anwohner*innen besonders von den Arbeiten des Lippeverbandes: Der Kirchderner Graben fließt bei ihnen buchstäblich an der Haustür vorbei. Statt an „Köttelbecken“ wohnen sie nun in unmittelbarer Nähe zu blauen Bächen mit grünen Ufern.

Diese kann die Bevölkerung auf dem 1,6 Kilometer langen Fuß- und Radweg am unteren Kirchderner Graben und einem neuen etwa 600 Meter langen Teilstück am Oberlauf des Gewässers besonders genießen. Diese Radwege wurden im Rahmen des Projektes „nordwärts“ mit 16.000 Euro gefördert.

Die Natur ist zurück am Gewässer

Im Rahmen der ökologischen Verbesserung hat der Lippeverband die Gewässer aber nicht nur aus dem Betonkorsett befreit, das jahrzehntelang für den schnellen und zuverlässigen Abtransport des Abwassers erforderlich war. Die einst begradigten Flüsse und Bäche entwickeln sich nun zu abwechslungsreicheren und mäandrierenden Gewässertrassen. „Die Veränderung an den Gewässern ist unübersehbar: Die Betonsohlschalen sind gewichen, dafür ist die Natur ans Gewässer zurückgekehrt“, sagt der Vorsitzende des Lippeverbandsrats, Bodo Klimpel.

Neben der Verlegung der Abwasserkanäle am Entwässerungssystem Knoten Scharnhorst waren durch die Entflechtung der Gewässer auch weitere Arbeiten nötig: So wurden die Abwasserpumpwerk Kirchderner Graben und das Gewässerpumpwerk Böckelbach neu gebaut sowie das Abwasserpumpwerk Böckelbach umgebaut. Das Gewässerpumpwerk Kirchderner Graben baut der sondergesetzliche Wasserwirtschaftsverband voraussichtlich noch bis 2024 um.

Projektausmaße beeindrucken

Die Ausmaße der Arbeiten am Kirchderner Graben und seinen Nebenläufen sind beeindruckend. „Insgesamt wurden 300.000 Kubikmeter Boden ausgehoben, 10.400 Meter unterirdische Kanalstrecken verlegt, vier Gewässer unterquert und Stauraum für 7.500 Kubikmeter Niederschlagswasser geschaffen“, beschreibt Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand des Lippeverbandes. In die Abwasserfreiheit und die ökologische Verbesserung der Gewässer im Dortmunder Norden hat der Lippeverband insgesamt etwa 120 Millionen Euro investiert – davon rund 22 Millionen in die Renaturierung.

INFOS:

 Als öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsverbände betreiben Emschergenossenschaft und Lippeverband in Dortmund zwei Kläranlagen, 24 Pumpwerke und 78 Sonderbauwerke wie Hochwasser- oder Regenrückhaltebecken sowie rund 121,1 Kilometer Kanäle (29,9 davon an der Emscher).

 Außerdem unterhalten die Verbände in Dortmund rund 93,5 Kilometer Wasserläufe, wovon rund 27 Kilometer (ökologisch verbessert) zur Emscher zählen. Der Lippeverband ist dabei zuständig fürs Körne-Bachsystem im Dortmunder Nordosten.

 Homepage: www.eglv.de

Autor:

Ralf K. Braun aus Dortmund-Ost

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