Naturschützer sauer, aber "Wunschbäume" im Naturschutzgebiet Kurler Busch in Lanstrop werden toleriert
Stadt räumt den "Herzchenwald" nicht

Zur Anlaufstelle, ja zur regelrechten Trost-Stelle für Pandemie-geplagte Familien ist der "Herzchen-Wald" im Naturschutzgebiet Kurler Busch geworden. Er liegt ein wenig östlich des Lanstroper Hof-Cafés Mowwe, dem bekannten "roten Haus" Im Ostfeld, geradeaus in den Wald hinein und dann gleich am zweiten Trampelpfad links
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  • Zur Anlaufstelle, ja zur regelrechten Trost-Stelle für Pandemie-geplagte Familien ist der "Herzchen-Wald" im Naturschutzgebiet Kurler Busch geworden. Er liegt ein wenig östlich des Lanstroper Hof-Cafés Mowwe, dem bekannten "roten Haus" Im Ostfeld, geradeaus in den Wald hinein und dann gleich am zweiten Trampelpfad links
  • Foto: Pia Käfer
  • hochgeladen von Ralf K. Braun

Schon im Dezember hatte sich Christoph H., ein erboster Spaziergänger, selbst beruflich im Naturschutz tätig, in einem Anruf beim Nord-Anzeiger echauffiert: So etwas wie der vergammelnde "Herzchenwald" im Kurler Busch gehe gar nicht in einem Naturschutzgebiet, gefährde die Tierwelt.

Und auch nicht, dass "Influencer" dieses auch noch in unserer Nachrichten-Community Lokalkompass verbreiten, ergänzte der Naturschützer. Doch selbst die Stadt Dortmund und ihr Umweltamt ergreifen eindeutig Partei für die vielen Menschen, vor allem Familien, die diese Anlaufstelle nutzen, um dort ihren Sorgen und Nöten in diesen Corona-Zeiten an inzwischen einer ganzen Reihe von "Wunschbäumen" Ausdruck zu verleihen.

Denn besagter Anrufer wendete sich mit seinen Beschwerden auch direkt an das Umweltamt. "Dem Hinweis wurde nachgegangen. Die für das Naturschutzgebiet zuständige Mitarbeiterin hat sich einen eigenen Eindruck vor Ort verschafft", berichtet Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage des Nord-Anzeigers.

Und: Obwohl es sich um eine in einem Naturschutzgebiet nicht zulässige Nutzung handelt - etwa weil der Wald abseits der Wege begangen wird -, hat sich die Verwaltung dazu entschieden, den „Herzchenwald“ auf einer geschätzt zwölf mal zwölf Meter großen Fläche vorerst nicht zu räumen.

Laut Schön hat auch die Verwaltung Verständnis: "Sehr viele Menschen teilen hier ihre Sorgen, Ängste und Nöte, aber auch positive Gedanken, in dem sie z.B. Nachrichten in die Zweige der Bäume hängen. In den Zeiten der Corona-Pandemie, die für alle Menschen eine besondere Herausforderung darstellt, wollte die Verwaltung den Bürgerinnen und Bürgern nicht die Möglichkeit nehmen, sich auf diese Art mitzuteilen und über die Nachrichten ein gewisses Maß an gesellschaftlichem Miteinander zuzulassen. Gerade um die Weihnachtszeit mit verstärkten Kontaktbeschränkungen wurde das direkt Räumen als unverhältnismäßig bewertet. Sicherlich hätte dies auch in der Bevölkerung zu Irritationen geführt", teilt der Stadtsprecher mit.

Mittelfristig wieder mehr Schutz nötig

Indes sei mittelfristig jedoch geplant, diesen Bereich im Naturschutzgebiet seiner eigentlichen Bestimmung zu überlassen: als Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen. "Die Besucher*innen der Naturschutzgebiete dürfen daher die Wege nicht verlassen", betont Stadtsprecher Schön, denn das Betreten abseits der Wege führe zu erheblichen Störungen beispielsweise für Wildtiere, die eine bestimmte Distanz zu Menschen benötigen. Und Ruhe brauche das Wild - neben der Setzzeit - auch besonders jetzt im Winter, wenn es wenig Nahrung findet, den Stoffwechsel herunterfährt und dann besonders empfindlich auf Störungen reagiert. Zudem veranlassten umherlaufende und wildernde Hunde das Wild zu kraft- und energieraubenden Fluchten. "Diesen Energieverlust können die Tiere bei wiederholten Störungen nicht ausgleichen und werden krank."

Und Schön ergänzt, dass das Betreten abseits der Wege auch deshalb kritisch zu betrachten sei, weil dadurch Krankheiten an kleine Tümpel eingetragen werden können. "Seit einigen Jahren grassieren Krankheitserreger, welche dazu führen, dass Amphibien wie der Feuersalamander daran zugrunde gehen. Dies kann dazu führen, dass ganze Populationen aussterben." Erreger könnten etwa an Schuhen, durch Fahrräder oder am Körper badender Hunde weitergetragen werden. Daher sei es wichtig, dass sich die Menschen an das geltende Wegegebot in den Dortmunder Naturschutzgebieten halten.

Indes freue sich die Stadt sehr darüber, dass die Bürger*innen die Natur vor ihrer Haustür (wieder-) entdecken. "Dennoch müssen wir aber zum Schutz der Natur auch immer wieder auf die guten Gründe, die es für die Einhaltung der Regelungen gibt, hinweisen", schließt Christian Schön.

Zur Anlaufstelle, ja zur regelrechten Trost-Stelle für Pandemie-geplagte Familien ist der "Herzchen-Wald" im Naturschutzgebiet Kurler Busch geworden. Er liegt ein wenig östlich des Lanstroper Hof-Cafés Mowwe, dem bekannten "roten Haus" Im Ostfeld, geradeaus in den Wald hinein und dann gleich am zweiten Trampelpfad links
Dieser Kinderwunsch auf diesem dort im Kurler Busch aufgehängten Herzchen spricht für sich. Es erfüllt unzweifelhaft eine Ventilfunktion.
Autor:

Ralf K. Braun aus Dortmund-Ost

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