Wohnungsbaugesell­schaft Lanstrop mit rund 1.400 Wohnungen in Lanstrop und Scharnhorst-Ost erneut verkauft
Mieterverein: Verkaufskarussell dreht sich weiter

Das Ortsschild spricht Bände... Der Stadtteil Lanstrop, speziell die Großsiedlung dort, wird sein/ihr Schmuddel-Image auch durch den erneuten Häuserverkauf wohl nicht so schnell ablegen (Symbolbild).
  • Das Ortsschild spricht Bände... Der Stadtteil Lanstrop, speziell die Großsiedlung dort, wird sein/ihr Schmuddel-Image auch durch den erneuten Häuserverkauf wohl nicht so schnell ablegen (Symbolbild).
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Anlässlich des heute Abend (22.9.) im WDR-Fernsehen ausgestrahlten Beitrags "Der Wohn-Wahnsinn in NRW", in der u.a. auch das 2005 durch die LEG NRW begonnene Verkaufskarussell hinsichtlich der Großsiedlung Lanstrop thematisiert wird, hat der Mieterverein Dortmund einen erneuten Dreh am Verkaufskarussell gemeldet. Demnach sei die Wohnungsbaugesell­schaft Lanstrop GmbH mit rund 1.400 Wohnungen in Lanstrop und Scharnhorst-Ost erneut verkauft worden. Zum x-ten Male in den letzten 15 Jahren.

Noch zwischen Beginn der Dreharbeiten und Ausstrahlung hat laut Mieterverein erneut ein Eigentümerwechsel stattgefunden. Die Eigentümerfirma, die Wohnungsbaugesellschaft Lanstrop GmbH (WBG), wurde demnach im Juli 2021 an die Peach Property Group (Deutschland) AG verkauft. Erst Anfang des Jahres hatte sich mit der WVB Centuria eine neue Hausverwaltung bei den Mieter*innen vorgestellt.

Neue Hausverwaltung ab 2022

Für die Mieter*innen seien mit dem jetzigen Wechsel der Eigentümer der WBG Lanstrop keine Veränderungen verbunden, teilten Markus Roeser, wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins, und dessen Geschäftsführer Tobias Scholz mit. Ansprechpartner bleibe erst einmal die Hausverwaltung WVB Centuria. Ab 2022 plane die Peach Gruppe selbst die Hausverwaltung zu übernehmen, wie der Mieterverein Dortmund auf Nachfrage erfuhr. Auch ein Mieterbüro solle in räumlicher Nähe eröffnet werden.

Der Mieterverein Dortmund stellt zudem klar, dass bestehende Mietverträge selbstverständlich ihre Gültigkeit behalten.

Die bisherigen Eigentümer der WBG hatten mit Fassaden- und Dacharbeiten in einzelnen Häusern begonnen bzw. diese in Teilen fortgesetzt. In den letzten Jahren klagten Mieter und die örtlichen Mieterbeiräte dennoch immer wieder über Mängel in den Wohnungen und im Wohnungsumfeld, Medien hatten 2021 mehrfach über unberechtigte Mahnungen berichtet.

Vorkaufsrechtssatzung der Stadt greift nicht

Bei dem Verkauf handelt es sich laut Mieterverein um einen sogenannten Share Deal. Die neuen Eigentümer haben nicht „klassisch“ die Wohnungen selbst, sondern mehrheitlich das Unternehmen gekauft. Rechtlich findet damit auch kein Vermieterwechsel statt. Die städtische Vorkaufsrechtssatzung für die Groß-Siedlung Lanstrop greift damit ebenfalls nicht. Per Share Deals, erläutert Markus Roeser, ließen sich bei Immobilienverkäufen bei den Transaktionen die Grunderwerbssteuer umgehen.

„Die 2005 durch das Land privatisierten Bestände der heutigen Wohnungsbaugesellschaft Lanstrop sind im negativen Sinn ein Musterbeispiel, wie Wohnungen und deren Bewohnerinnen und Bewohner seitdem Anlageobjekte am internationalen Kapitalmarkt sind. Das Geschäftsmodell ist bisher durch geringe Investitionen, minimalen Service und einen Weiterverkauf nach jeweils wenigen Jahren gekennzeichnet. Die neuen Gesellschafter müssen beweisen, dass Sie mehr können“, sagte Tobias Scholz, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund.


Bestände der WBG Lanstrop:

Lanstrop (1.160 Wohnungen): Nadlerweg 1,3, 2-6; Büttnerstraße 32-48, 43, 45; Kürschnerweg 1-11, 2-8; Gürtlerstraße 2-16; Hutererweg 1-17, 2-12; Hafnerstraße 1-17, 2-36, 47, 49; Färberstraße 2-8, 21, 25; Glockengießerweg 2, 4; Drechslerweg 1-11, 2-8; Spornerweg 1-11, 2-8.
Scharnhorst (244 Wohnungen): Droote 1-45; Kautskystr. 28.

Die Verkaufskette in den letzten 16 Jahren hat der Mieterverein wie folgt dokumentiert:

- Am 15.06.2005 verkaufte die LEG NRW (damals noch im Besitz des Landes NRW) 1400 Wohnungen in Dortmund an die Unternehmensgruppe Baum aus Hannover. Für die Wohnungen wurde eine eigene GmbH gegründet, die Baum Grundbesitz Dortmund GmbH. Rund 1160 Wohnungen in Lanstrop und rund 245 Wohnungen in Scharnhorst-Ost (Droote 1- 45) waren betroffen.

- Im Juni 2006 wurde bekannt, dass die Hanseatic Group aus Hildesheim die Wohnungen über einen Unternehmenskauf der Baum Grundbesitz Dortmund GmbH erworben hatte. Die Gesellschaft wurde in Lion Properties I Dortmund GmbH umbenannt.

- Ab dem 01.09.2006 übernahm die dänische Firma CenterPlan A/S die Mehrheit am Unternehmen. Im Dezember 2006 erfolgte die Umbenennung in Centerplan Lion Dortmund GmbH. Der dänische Investor Centerplan ging im Zuge der Finanzkrise Pleite.

- In der Folge kam es gesteuert durch die finanzierenden Banken (Bayrische Landesbank und einer isländischen Bank) zu einem Rückkauf durch die Hanseatic Group aus Hildesheim im Juni 2009. Das Unternehmen wurde in den heutigen Namen Wohnungsbaugesellschaft Lanstrop GmbH umbenannt.

- Ende Januar 2014 wurde die Wohnungsbaugesellschaft Lanstrop von Hanseatic zunächst an die Eigentümer CURATOR REAL ESTATE GmbH und MURR Holding GmbH veräußert. Wenige Tage später erfolgte dann der Verkauf an die neuen Eigentümerinnen, die AG Anna B.V. mit Sitz in Amsterdam und die Eurolinque III LLC. mit Sitz in Rutherford New Jersey in den U.S.A.: Letztere ist eine Tochter der dort ansässigen Lincoln Equities Group LLC.

- Im Frühjahr 2018 drehte sich das Immobilien-Karussell bei der WBG Lanstrop weiter. Die beiden U.S. amerikanischen Finanzinvestoren Lincoln Equities Group und Angelo Gordon verkauften die Wohnungsbaugesellschaft Lanstrop GmbH an die Proprium Capital Partners und Forte Capital Partner.

- Mit der Hausverwaltung war von 2014 an die Firma Paul Immobilien aus Berlin beauftragt, die in Dortmund-Lanstrop ein Büro unterhielt.

- Ab 2021 übernahm die WVB Centuria die Verwaltung von Paul Immobilien. Das Büro in Dortmund-Lanstrop wurde geschlossen und in Scharnhorst neu eröffnet.

- Im Juli 2021 übernahm die Peach Property Group (Deutschland) AG die Wohnungsbaugesellschaft Lanstrop in einem Share-Deal. Nach einer umfangreichen Einarbeitung soll die eigene Verwaltung ab 2022 starten.

Autor:

Ralf K. Braun aus Dortmund-Ost

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