Haus Kurl, eine lange Geschichte in 5 Teilen...

Abbildung Haus Kurl um 1650
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  • Abbildung Haus Kurl um 1650
  • Foto: Repro P. Kocbeck
  • hochgeladen von Peter Kocbeck

- Teil 1

Mit dieser kleinen Serie möchte ich ein wenig dazu beitragen, um etwas Licht und auch Sachlichkeit in die augenblickliche Problemdarstellung des Geländes dieses ehem. Rittergutes zu bringen. 30 Jahre lang ging ich als zugereister Kurler an Haus Kurl vorbei, bis ich 2006 aus Neugierde über dieses verwunschene Areal mit seinen verlassenen Gebäuden zu recherchieren begann. Unter anderem mit Hilfe vieler Kurler, der letzten Bewohnerin des Hauses Kurl und der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Dortmund konnte ich meine Neugier stillen. Das Ergebnis verpackte ich in eine Dokumentation, aus der ich an dieser Stelle einiges berichten möchte.

- Fakt ist, dass das im Jahr 2008 durch Brandstiftung zerstörte Landhaus in den letzten Jahren gnädig hinter einer total verwilderten und ungepflegten Grünanlage versteckt war. Dieser jämmerliche Zustand wurde erst wieder in den Focus der Öffentlichkeit gerückt, nachdem der neue Besitzer des Areals rigoros Bäume und Büsche zurückschnitt. Wenn auch nun alles nach unrechtmäßigem „Kahlschlag“ aussieht, könnte der Zustand auch als Chance gesehen werden, dieses historische Gelände endlich einer neuen Nutzung zuzuführen!

Haus Kurl, ein ehemaliger Rittersitz...

Auf diesem geschichtsträchtigen Boden unter der heutigen Adresse „Kurler Straße 154“, war das Haus Kurl vor langer Zeit der Mittelpunkt einer kleinen Siedlung an der Körne. Von hier aus, an diesem besonders günstigen Siedlungsplatz zwischen Ruhr und Lippe, hatte sich aus einem Einzelhof im Laufe der Zeit das Dorf Kurl gebildet. Der Hof existierte wahrscheinlich seit dem 6. Jahrhundert, wurde von den sächsischen Bewohnern der Umgebung „Kurlere“ genannt und war ein wichtiger Stützpunkt in den Kriegen zwischen den Franken und Sachsen.
Diese Hofanlage war der einzige Stützpunkt an der sich hier befindlichen alten Verbindungsstraße. In diesem Fall führte die Straße nach Lanstrop (Totenweg) und Asseln zum Hellweg (Notweg). Wege dieser Art waren immer alte, öffentliche Wege. Als das Christentum um 800 sich in diesen Bereichen durch Missionare oder Fränkische Könige immer mehr verbreitete, wurde „Haus Kurl“ wohl auch als Königshof benutzt, von wo aus sie das Christentum verkündeten. Die Bewohner des Hofes brauchten in dieser Zeit noch keinen Familiennamen; zum Vornamen genügte der Zusatz „von Kurl“. Das belegen alte Urkunden, in denen diese Schreibweise des Namens immer wieder auftauchte.
Die Bewohner des Hofes waren aber keine Eigentümer im Sinne des Wortes, sondern erhielten das Gut als Lehen von ihrem Fürsten. Im alten Kirchspiel Kurl treten die Herren von Vollmarstein seit Mitte des 13. Jahrhunderts besonders häufig als Lehnsherren auf. Während dieser Zeit wird der Hof auch von ihnen verwaltet. Nachdem das Geschlecht Vollmarstein ausstarb, fiel das Gut wieder zurück an den Grafen von der Mark. Eine alte Urkunde belegte, dass um das Jahr 1400 auf dem Kurler Hof 105 Schweine gemästet wurden. Der Hof wird im Jahre 1532 an Dietrich von der Recke verkauft.

- Die Familie von der Recke baute die einstige Wasserburg, die 1388 während der Dortmunder Fehde mit dem Erzbischof von Köln und dem Grafen von der Mark niedergebrannt war, vollständig wieder auf. Das Gut muss als Neubau einen schlossähnlichen Charakter gehabt haben, denn es wird Ende des 16. Jahrhunderts mehrmals als „Schloss Kurl“ bezeichnet.
- In der Mitte des 18. Jahrhunderts erwähnt ein Adeliger Haus Kurl sogar als „schönen Rittersitz“. Diese Bezeichnung wird durch den „Wahren Riß von dem freyadlichen Ritter Sitz Courl im amte Unna“ von 1761 bestätigt.

Der Tod von Wilhelm von der Recke zu Kurl hatte eine dramatische Auswirkung auf Haus Kurl. Er starb am 05. Juli 1703 kinderlos als Letzter seines Geschlechtes.
Haus Kurl wurde ein Nebengut der Familie von der Recke auf Heessen. Im Jahre 1768 erbten die Freiherren von Boeselager auf Höllinghofen und Nehlen die Besitzungen der Freiherren von der Recke zu Heessen und somit auch Haus Kurl. Weil die Besitzer aber in der Nachfolgezeit nicht in Kurl wohnten, wurden die Gebäude mehr und mehr vernachlässigt. Ende des 18. Jahrhunderts war der Rittersitz verfallen und im 19. Jahrhundert völlig in Trümmer gesunken. Die drei Ecktürme und die Seitenbauten, die den Schlosspark in einem mächtigen Rechteck umsäumten, waren völlig verschwunden. Auch die Zugbrücke war abgerissen, die Schlossgräben verschlammt. Stehen geblieben war ein offener Bau, der von Bäumen und Gärten umrahmt wurde und als Wohnung diente. Dort wohnten damals der Förster Döller und der Rentmeister des Freiherrn von Böselager. Das Gebäude brannte 1905 ab und somit verschwand mit ihm der letzte Rest einer ruhmreichen Vergangenheit.
- Freiherr von Boeselager zu Heessen, Herr des Gutes Kurl, baute dann neben den Grundmauern des alten Hofes ein Landhaus. Dieses wurde im Jahr 1918 mit dem Park an den Fabrikbesitzer Carl Deilmann verkauft, welcher bis dahin auf seinem Werksgelände wohnte. Hr. Deilmann starb auf Haus Kurl am 21. März 1936.
Nach den Wirren des zweiten Weltkrieges ging das Landhaus in den Besitz von Dr. Goller über. Dieser war von 1947 an bis zum 31.12.1971 Chefarztes des Kurler Krankenhauses.
Somit wurden deren Erben das letzte Glied in der spannenden Geschichte des ehemaligen Rittergutes. Haus Kurl mit Park standen lange Zeit zum Verkauf…

- Teil 2 erscheint am Mittwoch, den 26. März 2014

Hier finden Sie die anderen Teile der Geschichte:
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5

Autor:

Peter Kocbeck aus Dortmund-Ost

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