Cafe LeseLust 60 plus
Parfumduft, Kriegsenkelkinder und der Ukrainekrieg standen im Mittelpunkt des Literatur-Cafes

Andreas Lürmann, rechts im Bild, las erstmals im Cafe LeseLust 60 plus vor.
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  • Andreas Lürmann, rechts im Bild, las erstmals im Cafe LeseLust 60 plus vor.
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20 Literaturfreunde folgten am 06. Mai der Einladung des Teams vom Cafe LeseLust 60 in den Wintergarten der Stadt- und Landesbibliothek Brackel, Oberdorfstraße 23.

Auch wenn es dieses Mal zu Beginn keine selbst verfasste Kurzgeschichte zum Thema "Mai" und zu einer fiktiven Person gab, so wurden einige Buchtipps weitergegeben bevor Roswitha Behlert- ehrenamtliche Mitarbeiterin im Cafe LeseLust- mit einem selbstverfassten Gedicht den Vorlesereigen eröffnete.

Zunächst las Andreas Lürmann- regelmäßiger Besucher der Bibliothek Brackel und Literaturfreund seit Jugendtagen- aus seinem Lieblingsbuch von Patrick Süsskind „Das Parfum“ vor.
Quasi als riechende Einstimmung brachte Lürmann den Anwesenden eine Kostprobe seines bevorzugten Parfumduftes mit. Somit wurde neben dem Seh- und Hörsinn auch der Geruchssinn – passend dem Buchtitel – angeregt.

Den Geschmacksinn – in Form von Brausebonbons- regte die zweite Vorleserin, Frau Schulte, an und verteilte dabei eine Literaturliste zum Thema Kriegsenkel. Schulte, selbst ein Kriegsenkelkind führte mit dem Buch von Anne-Ev Ustorf „Wir Kinder der Kriegskinder“in das Thema ein und brachte bei vielen Zuhörer*innen eigene Erinnerungen hervor.
Wie wichtig es für die Kriegsenkel der Jahrgänge von 1955-1975 ist, über die Traumafolgen der NS Zeit und des 2. Weltkrieges der eigenen Eltern zu sprechen, was dies mit ihnen als Kriegsenkelkinder im familiären Kontext bis heute verursacht, wusste Schulte anhand vieler Beispiele im Buch von Anne-Ev Ustorf und der eigenen Lebensgeschichte zu belegen.
Hilfe brachte ihr und vielen anderen Betroffenen u.a. die Gründung einer Selbsthilfegruppe in Dortmund, die sich regelmäßig 1x monatlich an einem Samstag trifft. Nähere Informationen erhielten die Anwesenden durch einen informativen Flyer und den Hinweis auf die Homepage www. Kriegsenkel-dortmund.de
Es lag nahe, dass bei allen Literaturfreund*innen auch der aktuelle Bezug zum Ukrainekrieg hierbei eine große Rolle spielte. Neben den Hilfen bei einem späteren Wiederaufbau der Ukraine wird auch fachliche Hilfen für die Aufarbeitung entstandener Kriegstraumata der Ukrainer*innen eine wichtige Rolle spielen. Diese zu Heilen – insbesondere bei den jungen Flüchtlingen- wird länger dauern als die Neuerrichtung von Häusern, Straßen und sonstiger Infrastruktur. Das dies auch für viele Flüchtlinge aus anderen (Bürger-) Kriegsgebieten gilt, blieb dabei nicht unerwähnt.
Insofern sind Initiativen von Selbsthilfegruppen wichtiger denn je, soll sich eine sogenannte „transgenerationale Weitergabe“ von Traumafolgen an die zukünftige Generation von Kriegsenkel durch die Kriegserlebnisse der Eltern nicht wiederholen.

Die Lesungen und der anschließende thematische Austausch endeten mit einem weiteren, selbstverfassten Gedicht von Roswitha Behlert.

Andreas Lürmann, rechts im Bild, las erstmals im Cafe LeseLust 60 plus vor.
Gleiches galt für Frau Schulte, Gründerin und Vorsitzende der Selbsthilfegruppe Kriegsenkel Dortmund.
Autor:

Thomas Brandt aus Dortmund-Ost

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