Ruder-Olympioniken stellen sich den Fragen von Schülern

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Wenn ich nur will…

… kann ich neben dem Leistungssport auch einen guten Schulabschluss schaffen und anschließend studieren!

Um diese Kernaussage rankte sich eine sehr kurzweilige und interessante Veranstaltung am Immanuel-Kant-Gymnasium, die für interessierte Oberstufenschüler des IKG und des Gymnasiums an der Schweizer Allee (GadSA) sowie Kollegen beider Schulen angeboten wurde.

Zwei erfolgreiche Olympiateilnehmer des Ruder-Leistungszentrums Dortmund, Carina Bär (Silbermedaille im Doppelvierer) und Kristof Wilke (Goldmedaille im Achter), berichteten von ihren Erlebnissen und Erfahrungen vor, während und nach Olympia und erklärten, wie sich Hochleistungssport und Schule/Studium miteinander vereinbaren lassen.

Die souveräne Moderation der beiden Oberstufenschüler Nadja Wilmanns (IKG) und Jonas Fehling (GadSA) und die lockere, unkomplizierte Art der Ruderer trugen zu einer entspannten Atmosphäre bei, so dass spannende 90 Minuten wie im Flug vergingen.

Zu Beginn der Veranstaltung stellten sich die Olympioniken kurz dem Publikum vor:

Kristof Wilke, geb. 17.04.85
Geburtsort: Radolfzell, seit 7 Jahren wohnhaft in Dortmund
Beruf: Student (Biologie, Sport)
Größe:1,90m
Hobbies: Rad fahren, Fußball, andere Sportarten, Musik
Lieblingsband: 30 Seconds to Mars
Lebensmotto: Sky is the limit!

Carina Bär, geb.23.01.90
Geburtsort: Heilbronn
Wohnort: Bad Rappenau/Dortmund
Beruf: Studentin (Medizin)
Größe:1,85m
Hobbies: Rad fahren, Ausflüge, Eis essen, schlafen
Ziele: “Wenn Du alles gibst, kannst Du dir nichts vorwerfen” (Dirk Nowitzki)
Lebensmotto: Mut tut gut!

Zur Einstimmung wurden die olympischen Rennen der beiden Gäste noch einmal mit den Originalkommentaren des ZDF-Reporters Norbert Galeske gezeigt, für den die Männer im Deutschland Achter wie ein menschlicher Achtzylinder funktionierten und nach dessen Beobachtung ungefähr in Höhe der 1000m Marke im Gesicht des Schlagmanns Kristof Wilke ein Lächeln zu sehen war.
Dazu lieferte Kristof mit einem Augenzwinkern und nun tatsächlich mit einem Lächeln im Gesicht die folgende Erklärung: „Der Steuermann hatte gerade einen guten Witz erzählt und…“

Aus diesem TV-Rückblick ergaben sich natürlich Fragen an die Akteure, die sie bereitwillig beantworten.

Beide waren sich einig, dass durch den sehr hohen Stellenwert des Ruderns in GB -insbesondere Henley- die Tribünen bei allen Rennen voll besetzt waren und sich die einmalige, unvergessliche Stimmung auf die Athleten übertrug.

So schilderte Kristof, dass er wegen der Lautstärke des Publikums seinen Steuermann Martin Sauer auf den letzten 500m kaum verstehen konnte.

Trotz seiner langjährigen Erfahrung im Achter, zu dem auch der Untergang bei Olympia 2008 zählt, war Olympia 2012 für Kristof (sitzt seit 2010 am Schlag) etwas Besonderes.

Nachdem sich Carina die Frage „Hoppla, wo bin ich gerade?“ beantwortet hatte, spulte sie ihren olympischen Wettkampf nach „Schema F“ ab.

Trainingsaufwand eines Leistungsruderers

Als Carina und Kristof ihren Alltag schilderten, war allen Zuhörern schnell klar, dass der Trainingsaufwand eines Hochleistungssportlers gerade vor einem sportlichen Großereignis extrem hoch ist.

Carina kommt auf ca. 14 Trainingseinheiten pro Woche, die lediglich alle 2 Tage durch einen halben Ruhetag unterbrochen werden, Kristof trainiert etwa 31 Wochenstunden.

Während ungefähr 70% des Trainings aus Wasserarbeit besteht, werden die restlichen 30% mit Konditions~ und Ausdauertraing aufgefüllt.
Zwischenzeitliche Aerobikeinheiten dienen im Wesentlichen der Schulung der Koordination und Kraft, für das Achterteam ist das montägliche Fußball spielen der beliebte Ausgleichssport.

Um den Bizepszustand der Athleten zu testen, konnten sich freiwillige Jungen und Mädchen zum Kräftemessen im Armdrücken melden. Es stellte sich bei diesem „Wettkampf“ heraus, dass Olympia wohl doch nicht so anstrengend gewesen sein konnte, denn die Kontrahenten waren am Ende chancenlos.

Können Leistungssport und Schule/Studium nebeneinander bestehen?

Nach dieser kleinen Einlage schilderten die Athleten, dass es sehr wohl machbar ist, parallel zum Leistungssport einen guten Schulabschluss und ein Studium zu stemmen, was allerdings eine eiserne Disziplin und eine vernünftige Abstimmung mit dem Trainer bezüglich der Trainingsarbeit voraussetzt.

So hat es Carina geschafft, im August 2011 trotz des intensiven Trainings ihr Physikum, die größte Hürde im Laufe eines Medizinstudiums, abzulegen.

Kristof, für den Olympia 2016 als Motivationspunkt zu weit entfernt ist, will sich im Moment mehr dem Studium widmen und mit dem Rudern etwas kürzer treten, gleichwohl will er sich aber mit der Achter-Crew auf die nächste Weltmeisterschaft vorbereiten.

Welche Bedeutung haben Motivation und Disziplin?

Wie für alle Leistungssportler schwankt auch für Carina das Motivationspendel mal zur Spaßseite, mal zur Pflichtseite.
Wenn die Pflichtseite die Überhand gewinnt, helfen das Team und der Teamgeist der Trainingsgruppe sowie das angestrebte Ziel, um sich aus dem Motivationstal zu befreien.

Es war sehr deutlich herauszuholen, dass die (Selbst-)Disziplin eine zentrale Rolle im Leistungssport spielt und dass auch Zwischenziele gesetzt werden müssen, Aspekte, die auch im Alltag eines Schülers eine nicht unwesentliche Rolle spielen (sollten).

Dass selbst Rückschläge einen Motivationsschub auslösen können, veranschaulichte Carina mit einem Beispiel aus ihrer Schulzeit. Als sie vor dem Abitur einen Unterkurs in Mathe hatte, setzte sie sich intensiv mit diesem Fach auseinander und erreichte im Abiturbereich 14 Punkte.

Ähnliches kann man vom Deutschlandachter

(http://www.deutschlandachter.de/index.php)

sagen, der aus dem Debakel der Olympiade in Seoul Kraft und Motivation für einen Neuanfang schöpfte und seitdem in 37 aufeinander folgenden Rennen unbesiegt ist und diese unglaubliche Serie bekanntermaßen mit der Goldmedaille in London krönte.

„Wenn ich abends weiß, dass ich mein Tagespensum geschafft habe, bin ich mit mir zufrieden.“

Diesen Worten aus dem Mund von Carina Bär ist nichts hinzuzufügen!

„Wie seid ihr eigentlich zum Rudern gekommen?"

war ein der zahlreichen Fragen im Rahmen der offenen Fragerunde.

Mit 15 Jahren begann Carina relativ spät mit dem Rudern, nachdem sie ihr Sportlehrer, der gleichzeitig Ruder-Landestrainer in Baden-Württemberg war, mit zum Bootshaus genommen hatte.
Ähnlich erging es Kristof, der über seine Schule am Bodensee für das Rudern motiviert wurde. Sein Vater, der an dieser Schule als Sportlehrer die Ruder-AG leitete, war in diesem Fall sicherlich ein großer Motivator, der über viele Jahre eine finanzielle Unterstützung gewährleistete.

Kommt Leistungssport ohne Sponsoren aus?

Im Zusammenhang mit der Frage nach der Bedeutung der Finanzierung des Leistungssports und somit des ~sportlers wurde auf die Abhängigkeit von Sponsoren hingewiesen.

Während der Deutschland Achter als das Flaggschiff des deutschen Ruderverbandes mit WILO einen eigenen Sponsor hat, werden die meisten Athleten von anderen Sponsoren unterstützt.

Insbesondere die Deutsche Sporthilfe spielt eine wichtige Rolle, indem sie eine erfolgsabhängige monatliche Prämie an den Athleten überweist.

Die Olympische Goldmedaille wird mit 15.000€ und eine Silbermedaille mit 10.000€ honoriert, allerdings unter der Voraussetzung, dass man in den folgenden 12 Monaten dem leistungsorientierten Rudern erhalten bleibt.

Am Ende dieser einmaligen Veranstaltung bedankten sich die Schulleitungen bei den Olympioniken und dem glänzenden Moderatoren-Duo.

Die Ruderer bedankten sich ihrerseits für die hervorragende Organisation, die maßgeblich in den Händen von Frau Holtmeyer lag, die –so die Worte von Carina Bär- sicherlich noch mehr zum Thema Leistungssport hätte sagen können, da sie in ihrer aktiven Zeit als Ruderin mehr Goldmedaillen gewonnen hat als die beiden Gäste zusammen.

Als ich mit den beiden auf dem Weg zum Parkplatz war, hoben sie die tolle Atmosphäre hervor und stellten noch einmal die sehr gute Leistung der Moderatoren Nadja und Jonas hervor, die in ihren Augen einen unaufgeregten, lockeren und gut vorbereiteten Eindruck hinterlassen hatten.

Was will man mehr?

Autor:

Volker Oestreicher aus Dortmund-Ost

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