Pilotprojekt in der Nordstadt
Startschuss für Taser - Neue Waffe der Dortmunder Polizei soll vor allem abschrecken

In Aplerbeck wurde das "Taser 7" Distanz-Elektroimpulsgerät der Firma Axon vorgestellt.
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  • In Aplerbeck wurde das "Taser 7" Distanz-Elektroimpulsgerät der Firma Axon vorgestellt.
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Es war fast schon ein feierlicher Akt, als NRW-Innenminister Herbert Reul das Polizei-Trainingszentrum an der Marsbruchstraße besuchte. Er übergab symbolisch ein Distanzelektroimpulsgerät (DEIG) an die Dortmunder Polizei und das Gerät "Taser 7" wurde der Presse ausführlich vorgestellt.

Mit den neuen Elektroschock-Waffen sollen Angriffe auf Polizeibeamte reduziert werden. Das Land NRW erprobt den Einsatz von Distanzelektroimpulsgeräten des Typs "Taser 7" im Wachdienst der Polizei - Dortmund ist dabei eine von vier Testbehörden. Am Freitag wurde das Pilotprojekt vorgestellt, NRW-Innenminister Herbert Reul reiste dafür extra ins Trainingzentrum nach Aplerbeck. Mit Beginn des neuen Jahres startet die in Behördendeutsch titulierte "Erprobung von Distanzelektroimpulsgeräten (DEIG) für den Wachdienst der Polizei NRW". Seit 15. Januar nehmen vier ausgewählte Wachen in Düsseldorf, Gelsenkirchen, Rhein-Erft-Kreis und auch Dortmund an der einjährigen Testphase des Gerätes im polizeilichen Alltag teil.

Signalfarbe Gelb

"Erst wenn wir ganz sicher sein können, dass sie uns wirklich nützen, werden wir entscheiden, ob wir die neue Waffe flächendeckend für die NRW-Polizei einführen", so Minister Reul.
Das DEIG "Modell Taser 7" ist an der Signalfarbe Gelb zu erkennen. Mit ihm sollen Angriffe auf Polizeibeamte reduziert werden. Dabei setzt man vor allem auf die abschreckende Wirkung des Gerätes. Muss das Gerät doch eingesetzt werden, sendet es nach Abschuss zweier Elektroden Stromimpulse aus, die auf das Nervensystem wirken. Es kommt zu einer neuromuskulären Wirkung, die den Gegenüber kurzzeitig handlungsunfähig macht und somit ohne weitere Gewalt durch die Polizei zu überwältigen ist.

Verlässliche Daten nach Pilotphase

Seit September 2020 hat sich eine Projektgruppe mit den Vorbereitungen für das Pilotprojekt auseinandergesetzt. Jeder Beamte, der einen Taser trägt, erhält eine dreitägige Schulung. Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange begrüßte es, dass man Dortmund das Vertrauen ausspreche, so einen Pilottest durchzuführen und am Ende verlässliche Daten zu liefern, ob der Taser letztlich zur Deeskalation beiträgt in bestimmten Situationen.

Test in der Nordstadt

Ausgewählt hat Präsident Lange die Wache Nord, zwar sei in der Nordstadt die Kriminalität von 2014 bis 2019 um 40 Prozent gesunken, aber es gäbe auch entgegengesetzte Tendenzen. Denn die Delikte "Wiederstand gegen die Staatsgewalt" haben seit 2014 in Dortmund um fast 50 Prozent zugenommen. "Das können Staat und Gesellschaft nicht so stehen lassen. Alle Möglichkeiten für mehr Rückendeckung muss man dann prüfen", so Lange.

Taser ersetzt nicht die Dienstpistole

Der Taser wird die Dienstpistole nicht ersetzen. Bei aktiven Angriffen auf Polizisten mit einem Messer ist der Taser die falsche Wahl. Der Elektroschocker ist nur für statische Einsätze gedacht, bei dem ein Aggressor bereits festgesetzt ist, quasi still steht, aber nicht den Anweisungen folgt und sich höchstwahrscheinlich widersetzt. Alleine durch die Androhung des Tasers erhofft sich die Polizei eine Verhinderung einer Eskalation.

Da der Taser auch bei Personen unter Drogeneinfluss oder in psychischer Extremlage funktioniert, wäre dies ein Vorteil gegenüber Reizgas oder Mehrzweckeinsatzstock. Denn vorher genannte Personen verfügen manchmal über ein vermindertes Schmerzgefühl oder entwickeln im Wahn extreme Kräfte. Ein Taser "lähmt" im Normalfall alle Angreifer für kurze Zeit.

Chancen und Risiken

"Bei einer solchen Waffe gibt es sicherlich Chancen, aber auch Risiken. Hier muss gut abgewogen werden", räumt Minister Reul ein. Der Einsatz eines Tasers wird häufig kontrovers diskutiert. Bei Vorerkrankungen, wie Herzproblemen, kann ein Tasereinsatz im schlimmsten Fall tödliche Folgen haben. Weshalb der Einsatz auch an Kindern, Schwangeren und erkennbar gebrechlichen Personen nicht in Frage kommt. Auch sehr starkes Unter- oder Übergewicht sind Risikofaktoren bei einem Tasereinsatz. Und ob eine verdeckte Erkrankung vorliegt, kann ein Polizist beim bloßen Anblick natürlich nicht feststellen. Manchmal wissen es die Aggressoren selbst nicht.

Eigene Erkentnisse sammeln

Als erstes Bundesland hatte Rheinland-Pfalz 2018 im Streifendienst den „Taser“ eingeführt. Laut Polizeigewerkschaft DPolG habe eine wissenschaftliche Begleitstudie des Innenministerium zu sehr positiven Ergebnissen geführt.

In NRW will man selbst Erkenntnisse in der Praxis sammeln. Seit Jahren erfahren die Einsatzkräfte bei ihrer täglichen Arbeit immer weniger Respekt und sind tätlichen Angriffen und Widerständen ausgesetzt. Insbesondere durch die abschreckende Wirkung des Tasers sollen Verletzungsrisiken bei den Einsatzkräften, aber auch bei dem Angreifer minimiert werden. Im Anschluss an diese Testphase in den vier Pilotbehörden soll über die endgültige landesweite Einführung des Tasers auf Ebene des Innenministeriums NRW entschieden werden.

So wird der Taser eingesetzt

  • Die Polizei setzt auf Abschreckung. Der Taser wird sichtbar getragen, dann folgt eine Androhung der Nutzung. Auch das sicht- und hörbare Auslösen des Lichtbogens ist eine Abschreckung. Diese Phasen sollen die Einsatzsituation schon beruhigen. Erst dann folgt der Gebrauch per Schuss bei Widerhandlung.
  •  Jede Nutzung des Gerätes wird aufgezeichnet und gespeichert.
  • Der Einsatzbereich beträgt bis zu 8 Meter. In der Praxis liegt der Einsatzradius meist bei 2 bis 5 Meter.
  • 14 Geräte werden in der Nordstadt getestet. Jeder Polizist auf Streife hat somit einen Taser, bei "Schichtwechsel" übernehmen die Kollegen das Gerät.
  • Der Taser ist auch wirksam bei dicken Kleidungsstücken. Die Akkulaufzeit beträgt 150 Schuss.
  • Die Polizisten werden auch in der Nachsorge geschult. Ein Arzt wird nach Gebrauch des Tasers hinzugezogen.
Autor:

Holger Schmälzger aus Dortmund-Süd

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