Recyclingprojekt mit weiterer Sammellösung
In Hombruch kann nun mit der Zigarettenkippe abgestimmt werden

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  • Foto: Sebastian Everding mit Sammel-Eimer und zwei der Aschenbecher
  • hochgeladen von Sebastian Everding

Ob im Internet, auf der Straße oder am Telefon – Umfragen sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken und nicht wenige interessieren sich auch im Anschluss für die Ergebnisse. In Dortmund-Hombruch kann man nun auch seine Meinung äußern – und zwar mit den Resten der eigenen Zigarette.

„Wollen Sie mit dem Rauchen aufhören oder weiter rauchen?“ - Dies steht auf einem Aschenbecher am Eingang des Gesundheitszentrums in der Tannenstraße geschrieben. Überzeugte Raucherinnen und Raucher werfen dabei ihre Zigarettenkippe in der linken Seite ein und Menschen, die auf Grund von gesundheitlichen und/oder finanziellen Beweggründen mit dem Ende des Tabakkonsums liebäugeln, wählen stattdessen die rechte Seite. Eine durchsichtige Frontscheibe teilt Interessierten dabei stets den aktuellen „Zwischenstand“ der Abstimmung mit.

Der in dieser Woche montierte Abstimmungs-Ascher stellt dabei eine erste Erweiterung der bereits vor einigen Wochen rund um das Gesundheitszentrum montierten Outdoor-Aschenbecher dar. „Nach den ersten Berichten in der Zeitung und den sozialen Medien kontaktierten uns viele Menschen, die gezielt ihre Zigaretten in die Aschenbecher werfen wollten und somit das System unterstützen“ so Initiator Sebastian Everding, der mit seiner Hausverwaltung die besonderen Recycling-Aschenbecher nach Dortmund geholt hat und ergänzt „Ursprünglich sollten diese nur die Besucherinnen und Besucher des Ärztehauses ansprechen und zudem ein paar in die Jahre gekommene Behälter ersetzen. Mit dem neuen Abstimmungs-Aschenbecher möchten wir jetzt aber zusätzlich Menschen auf eine spielerische Art und Weise an das wichtige Thema Zigaretten-Recycling heranführen.“

Alle Ascher gehören zu einem Recyclingsystem des Kölner Vereins Tobacycle, welcher sich das Ziel gesetzt hat, die Zigarettenkippen aus der Umwelt und den normalen Müllkreislauf zu verbannen.

Die besonderen Aschenbecher in Hombruch sind dabei ein erster Testlauf, das Recyclingsystem in weiteren Schritten in ganz Dortmund zu etablieren und die Raucherinnen und Raucher mehr für das Thema und die Folgen für die Umwelt zu sensibilisieren.

Monatlich neue Abstimmungen

Nach der Einstiegsfrage mit einem zum Standort passenden, starken gesundheitlichen Bezug, verspricht Betreiber Everding für den September, als Monat der Bundestagswahl, eine eher politische Frage.

Gerne können sich interessierte Hombrucherinnen und Hombrucher melden und Vorschläge für neue Fragen an tobacycle@hombruch.de senden.

Zigaretten sind Sondermüll

Weltweit werden jährlich rund sechs Billionen Zigarette geraucht und davon landen laut aktuellen Studien bis zu 80% in der freien Natur. Forschende des „Cigarette Butt Pollution Projects“ gehen sogar davon aus, dass mehr als ein Drittel des Mülls in den Ozeanen und an den Stränden inzwischen aus den Filtern der eh schon ungesunden Glimmstängel besteht, weit vor Plastiktüten, Strohhalmen oder Getränkeflaschen. Dies führt dazu, dass laut NBC News inzwischen in 70 Prozent aller Seevögel und in bis zu 30 Prozent aller Seeschildkröten Rückstände von Zigarettenfiltern entdeckt werden. Der WWF spricht insgesamt von einem bis zu 680.000 Tonnen schweren Sondermüll-Berg jedes Jahr, wovon alleine 41.000 Tonnen auf Deutschland entfallen.

Gerade die aus Zelluloseazetat bestehenden Filter zerfallen oft erst nach Jahrzehnten (im Salzwasser dauert dies sogar bis zu hundert Jahre) und geben während dieser Zeit nach und nach ihre giftige Inhaltsstoffe ab. Zu den enthaltenen kritischen Schadstoffen gehören unter anderem Arsen, Blei, Kadmium, aromatische Kohlenwasserstoffe, Nikotin sowie Teer. Die Hinterlassenschaften der Rauchenden sind in der Umwelt somit beileibe kein rein ästhetisches Problem, sondern mit bis zu 7.000 darin enthaltenden Giften an Toxizität kaum zu überbieten. Gerade Nikotin landet als aus den Filtern ausgewaschenes Nervengift nicht nur in den Flüssen und Meeren sondern auch über die auf dem Land weggeschnippte Zigarette im Grundwasser. Dabei sind Zigarettenkippen auch für Kinder eine Gefahr: Allein der Giftnotruf Berlin befasst sich jährlich über 250-mal mit der Frage der Vergiftung von Kindern durch das Verschlucken von ganzen Zigaretten oder Kippen. Nikotin ist dabei nach Medikamenten die häufigste Ursache einer Vergiftung im Kleinkindalter.

Der Verein Tobacycle

Das oberste Ziel Vereins ais Köln ist es, Zigarettenkippen als Problemabfall möglichst komplett aus der Umwelt zu verbannen. Dies realisieren die Vereinsmitglieder rund um den Gründer Mario Merella über den Aufbau eines eigenen Sammelsystems und der erst dadurch möglichen separaten Sammlung der Zigarettenreste, d.h. komplett getrennt von anderem Müll. So können im Online-Shop des Vereins (www.tobacycle.com) diverse In- und Outdoor-Aschenbecher erworben werden und entsprechende Behälter, die auch die Sammlung größerer Mengen ermöglichen sowie personalisierbare Ascher für unterwegs oder im Auto.

Die Zielgruppe des Vereins ist dabei breit gefächert und geht von einzelnen Raucher*innen, die für sich selber sammeln und das Ergebnis dann an eine Sammelstelle bringen bis zu Gaststätten, Unternehmen und Bildungseinrichtungen oder gar Städten und Gemeinden, die ihre öffentlichen Aschenbecher für das System nutzen. Aktuell finden sich die Partner und Annahmestellen des Vereins schwerpunktmäßig vor allem im Rheinland sowie in der Region um Stuttgart – Die Idee und das Konzept expandiert jedoch aktuell immer weitere und sensibilisiert immer mehr Menschen für diese vielen noch unbekannte Herausforderung in Sachen Umweltschutz.

Das zweite Leben der Kippenreste

Die Art und Weise, wie die Zigarettenreste gesammelt werden ist dabei entscheidend für die anschließende Verwertung: Während aus sauberen und vor allem trockenen Kippen, die jetzt in Hombruch gesammelt werden, durch das Recyclingverfahren über die stoffliche Verwertung über das Zwischenprodukt eines spritzfähigen Granulates wieder neue Sammelbehälter werden, ist dies mit Zigarettenkippen die nass geworden sind oder mit Fremdstoffen vermischt sind nicht mehr möglich. Diese landen aber als Ausgangsstoff für die Gewinnung vom Strom und Wärme in einer Abfallvergärungsanlage. Das Umweltproblem Zigarettenkippe wird somit aus der Natur geholt und in etwas Nutzbares verwandelt.

Die derzeitigen Standorte des Pilotprojektes

  • Abstimmungs-Ascher "VOTYC"-> Haupteingang Gesundheitszentrum Hombruch
    Tannenstr.1 in 44225 Dortmund
  • Sammel-Ascher "CITYC" -> Hofeingang Gesundheitszentrum Hombruch
    Tannenstr.1 in 44225 Dortmund
  • Sammel-Ascher "CITYC" -> Durchfahrt / Frauenarztpraxis Dr. Scholle
    Tannenstr.3 in 44225 Dortmund

Weitere Informationen zum Verein gibt es auf der Homepage sowie bei Facebook.

Autor:

Sebastian Everding aus Dortmund-Süd

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