Rechenfehler: Bundesbehörde zieht Studie zurück
Infraschall von Windkraftanlagen schwächer als erwartet

Windkraft polarisiert: Während Befürworter*innen hier einen wichtigen Baustein für die Energiewende sehen und einen Ausbau sowohl auf dem Meer (Offshore), als auch in Naturschutzgebieten und neben Wohngebieten vorantreiben möchten, sehen Gegner*innen eine Vielzahl an Argumenten, um neue Anlagen zu verhindern. Der oft angeführte Infraschall ist bei Windrädern laut aktuellen Erkenntnissen jedoch schwächer als bislang angenommen.

Was ist Infraschall?

Als Infraschall bezeichnet man den niederfrequenten Schall unter 20 Hertz. Dieser wird vom menschlichen Gehör nicht als Ton, sondern als Vibration wahrgenommen.

Die Frequenz des Infraschalls wird in Hertz gemessen und bezeichnet dabei die Anzahl an Wellen pro Sekunde. Der Schalldruck wird in Dezibel (dB) angegeben und bezeichnet den Druck, mit dem die Wellen wahrgenommen werden.

Neben natürlichen Quellen wie beispielsweise Windgeräusche oder Meeresbrandung kann er auch von künstlichen Quellen wie Verkehr, Wärmepumpen, Biogasanlagen, Kälte- und Klimaanlagen stammen.

Laut aktuell verfügbaren Studien gibt es keine Hinweise für eine nachteilige Wirkung auf die Gesundheit. Dies sagt zumindest das Bayerische Landesamt für Umwelt. Von Seiten der Gegner*innen werden jedoch beispielsweise verstärkte Schlafstörungen in der Nähe von Windkraftanlagen angeführt.

Rechenfehler seit 2005

Stein des Anstoßes ist dabei die viel zitierte Studie „Der unhörbare Lärm von Windkraftanlagen“ aus dem Jahr 2005. Hier hat sich die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) nicht um ein paar Nachkommastellen, sondern um mehr als den Faktor 1000 verrechnet. Vollkommen unverständlich ist jedoch, dass so ein kapitaler Fehler mehr als ein Jahrzehnt unbemerkt bleiben konnte.

Erst im letzten Jahr wurde die Bundesbehörde durch das Zentrum für Ökologie und Umweltforschung der Uni Bayreuth auf Unstimmigkeiten hingewiesen, reagierte aber lange Zeit abwehrend und drohte sogar mit juristischen Konsequenzen.

Auslöser der kritischen Betrachtung der Infraschall Emissionen von Windkraftanlagen war die Feststellung, dass Messungen des Infraschall-Pegels während der Autofahrt ein um den Faktor 1000 höheres Ergebnis als im Nahbereich einer Windenergieanlage ergaben.

Behörde gesteht Fehler ein

Seitens der Bundesbehörde wurde auf Nachfrage nun ein Fehler in einer Algorithmus-Programmierung als Grund angegeben und die offensichtlich falsche Studie inzwischen aus dem Netz genommen. Eine Überarbeitung ist angekündigt.

Dafür, dass die nun zurückgezogene Studie über Jahre von Interessengruppen gegen die Windenergie genutzt wurde, weißt die Behörde alle Verantwortung von sich und beruft sich auf ein unsachgerechtes Einbringen der Studien-Sachverhalte in andere Kontexte.

Und die übrigen Einwände?

Hat die Windkraft nun eine makellos weiße Weste? Sicher nicht, wenn gleich man hier die einzelnen Einwände sehr differenziert betrachten muss:

Tod von Vögeln und Fledermäusen
Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 10.000 bis 100.000 Vögel durch Windräder. Hier müssen dringend Lösungsstrategien gefunden werden. Auf der anderen Seite muss man gegenüberstellen, dass alleine durch Glasscheiben an Gebäuden jedes Jahr rund 100 Millionen Vögel sterben.

Schattenwurf und Geräusche
Windräder werfen bei Sonneneinstrahlung einen Schatten, bei gleichzeitigem Wind drehen sich die Rotoren und es entstehen Schlagschatten. Dieser Umstand muss unbedingt bei der Planung von Windkraftanlagen berücksichtigt werden.

Lärm kann gesundheitliche Folgen haben, dies gilt sowohl für Windkraftanlagen, als auch für Verkehrslärm. Bei Windkraftanlagen gilt der Grenzwert von 55dB, was dem gleich Wert für Straßenverkehrslärm innerhalb von Städten entspricht.

Bevor eine Windkraftanlage gebaut wird, müssen die Geräuschemissionen berechnet werden. Fakt ist jedoch auch, dass in einer ländlichen Umgebung eine geringere Umgebungslautstärke als in der Stadt herrscht , so dass die Geräuschentwicklung einer Windkraftanlage unter Umständen störender wirken kann.

Beeinträchtigung des Landschaftsbildes
Selbstverständlich verändern Windkraftanlagen das Landschaftsbild, so wie auch jedes andere menschliche Wirken vom Bau einer Brücke oder Autobahn bis hin zur Landwirtschaft. Und über etwas höchst Subjektives wie den Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Wichtig wäre es hier, auch an Blickschneisen zu denken und eine farbliche Anpassung an die Umgebung zu gewährleisten.

Autor:

Sebastian Everding aus Dortmund-Süd

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