AOK-Gesundheitsatlas Asthma vorgestellt
Kein erhöhtes Corona-Infektionsrisiko für Asthmapatienten - Große regionale Unterschiede in Westfalen-Lippe

Mithilfe neuer Berechnungsverfahren hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Uni Trier erstmals die Häufigkeit von Asthma bronchiale für die 18 Kreise und neun kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe dargestellt.
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  • Mithilfe neuer Berechnungsverfahren hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Uni Trier erstmals die Häufigkeit von Asthma bronchiale für die 18 Kreise und neun kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe dargestellt.
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Zwischen den Regionen in Westfalen-Lippe gibt es deutliche Unterschiede beim Anteil der Asthmatiker in der Bevölkerung. Das geht aus dem ‚AOK-Gesundheitsatlas Asthma bronchiale‘ hervor, der nun vorgestellt wurde.

Während im Kreis Minden-Lübbecke 3,6 Prozent der Einwohner ein vom Arzt diagnostiziertes Asthma bronchiale hatten, lag der Anteil in Gelsenkirchen bei 5,6 Prozent. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern liegt Westfalen-Lippe mit einem Asthmatikeranteil von 4,7 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 4,2 Prozent. Insgesamt leben in WestfalenLippe 388.000 Asthmapatienten, die eine medikamentöse Therapie erhalten.

Spezielle Behandlungsangebote

„Die Ergebnisse zeigen, dass wir nicht nachlassen dürfen, noch mehr Menschen von den speziellen Behandlungsangeboten für Asthmapatienten in Westfalen-Lippe zu überzeugen. Wir werden unseren eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen, weitere Maßnahmen mit unseren Partnern vor Ort passgenau auf die Bedürfnisse der Menschen auszurichten“, sagte Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NORDWEST. Aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens sei derzeit davon auszugehen ist, dass für Asthmapatienten kein erhöhtes Risiko bestehe, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, betonte der AOKChef.

Mithilfe neuer Berechnungsverfahren hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Universität Trier erstmals die Häufigkeit von Asthma bronchiale für die 18 Kreise und neun kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe dargestellt. Bei der Krankheitshäufigkeit zeigt der AOK-Gesundheitsatlas deutliche Unterschiede nach Alter und Geschlecht. Am häufigsten wird die Diagnose Asthma bronchiale bei Männern ab 80 Jahren und Frauen im Alter von 70 bis 79 Jahren gestellt. Auffällig ist, dass bei Jungen bis 14 Jahren ebenfalls häufig ein Asthma diagnostiziert wird. Hingegen erkranken Frauen mit zunehmendem Alter ab 25 Jahren über alle Altersgruppen hinweg häufiger an Asthma als Männer.

Übergewicht und Adipositas 

Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) gelten als bedeutender Risikofaktor für die Entstehung eines Asthmas. Im AOK-Gesundheitsatlas wurde für die Bevölkerung in Westfalen-Lippe auch die regionale Adipositashäufigkeit bestimmt. Diese wurde in fünf gleich große Kategorien eingeteilt. Das Ergebnis: Die meisten Kreise und kreisfreien Städte sind den Kategorien mit einer überdurchschnittlichen Adipositashäufigkeit zuzuordnen. Die niedrigste besteht lediglich in Münster. Der höchsten Kategorie sind Bottrop, der Ennepe-Ruhr-Kreis, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, der Märkische Kreis und Soest zuzuordnen.

Kein erhöhtes Corona-Infektionsrisiko

Der AOK-Gesundheitsatlas geht auch der Frage nach, welche Auswirkungen das Coronavirus auf Asthmapatienten hat. „Auch wenn derzeit noch keine ausreichend gesicherten Erkenntnisse darüber vorliegen, ist davon auszugehen, dass für Asthmapatienten kein erhöhtes Risiko besteht, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren“, so Ackermann. Jedoch gebe es Hinweise, dass spezifische Vorerkrankungen das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf erhöhen können. „Erste Studienergebnisse weisen darauf hin, dass bei einem gut kontrollierten Asthma nicht von einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf ausgegangen werden kann“, so der AOK-Chef.

Ursachen sind komplex

Die Ursachen für die Entstehung von Asthma bronchiale sind komplex und nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht vollständig geklärt. Dennoch steht fest: Genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Zu den wesentlichen Risikofaktoren gehören das Vorliegen einer allergischen Erkrankung wie Heuschnupfen, Neurodermitis oder eine Tierhaar- oder Hausstaubmilbenallergie. Aber auch chemische Reizstoffe und Tabakkonsum gehören dazu. An einer genetischen Disposition kann man nichts ändern. Anders ist das bei Übergewicht, Adipositas und Tabakrauch. Hier können vor allem Lebensstiländerungen wie der Verzicht auf das Rauchen, ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung und der Abbau von Übergewicht helfen, das Risiko an Asthma zu erkranken, deutlich zu reduzieren.

Präventionsprogramme helfen

Dabei hilft die AOK NORDWEST ihren Versicherten mit speziellen Angeboten im Rahmen ihres Kursprogramms ‚Gesund leben‘. Die Angebote sind exklusiv und kostenfrei für AOK-Versicherte und werden vor Ort oder als Liveonline-Angebote im Internet von qualifizierten Fachkräften durchgeführt. „Wir können Asthma nur wirksam bekämpfen, wenn es uns gelingt, die Menschen vor dem Auftreten der Erkrankung zu schützen und die Risikofaktoren zu verhindern“, so Ackermann.

Passgenaue Versorgungsangebote

Darüber hinaus engagiert sich die AOK NORDWEST seit Jahren für eine bessere und strukturierte medizinische Versorgung von Asthmapatienten in Westfalen-Lippe. So ist beispielsweise das Disease-Management-Programm (DMP) ‚AOK-Curaplan‘ für Asthma-Patienten seit über zehn Jahren ein fester Bestandteil der Versorgung. Aktuell haben sich über 29.000 AOK-Versicherte in Westfalen-Lippe für dieses Programm entschieden.

Im DMP werden die Patienten auf der Grundlage wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse behandelt. Dabei koordiniert der behandelnde Arzt die gesamte Behandlung und legt gemeinsam mit dem Patienten Therapieziele fest – abgestimmt auf die persönliche Lebenssituation des Patienten und seines Gesundheitszustandes. „Unsere Versicherten werden aktiv an der Therapie beteiligt. In Schulungen lernen sie, besser mit ihrer Erkrankung umzugehen und deren Verlauf positiv zu beeinflussen. Dann wissen sie, wie sie sich im Notfall verhalten müssen oder Asthmaanfälle sogar vermeiden können“, so Ackermann. Darüber hinaus erhalten sie gezielte Präventionsmaßnahmen und regelmäßige medizinische Informationen zu ihrer Krankheit, zum Beispiel in Form von Patientenhandbüchern oder Newslettern. „All das trägt mit dazu bei, Asthma in den Griff zu bekommen und die Lebensqualität deutlich zu verbessern“, so Ackermann. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenfrei.

Teilnahmequote erhöhen

Allerdings könnte sich die Teilnahmequote an den DMP-Programme Asthma in Westfalen-Lippe noch deutlich steigern. Insgesamt beträgt die Quote 21,0 Prozent. Innerhalb von Westfalen-Lippe gibt es erhebliche Unterschiede. In den Kreisen Warendorf sind 34,7 Prozent und im Kreis Hamm 29,3 Prozent der Asthmatiker in ein DMP eingeschrieben, hingegen in den Kreisen Olpe und Minden-Lübbecke nur jeweils 17,5 Prozent. Das Disease-Management-Programm zeigt aus Sicht von Ackermann, wie gut medizinische Versorgung in Westfalen-Lippe funktioniert. „Gute und passgenaue Versorgung entsteht nur dort, wo Ortskenntnis, hoher Marktanteil und regionales Engagement vorhanden sind. Deshalb müssen auch die Gestaltungsspielräume der Beteiligten vor Ort weiter gestärkt werden“, so Ackermann.

Sinkende Mortalität

So hätten die besonderen Behandlungsangebote und eine wirksame Arzneimitteltherapie maßgeblich mit dazu beigetragen, dass in den vergangenen 20 Jahren die asthmabedingte Mortalität in Nordrhein-Westfalen von 1.029 Sterbefälle in 1998 auf 194 Sterbefälle in 2018 sank und auch die Anzahl der Krankenhausbehandlungen von 12.517 im Jahre 2000 auf 7.678 im Jahre 2018 reduziert werden konnte.

Mehr Ratgeberbeiträge auch auf unserer Themenseite: Gesundheit in Dortmund

Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) gelten als bedeutender Risikofaktor für die Entstehung eines Asthmas. Die Adipositas Selbsthilfe Interessengemeinschaft bietet auf ihrer Internetpräsenz www.adipositas-selbsthilfe.com eine große Datenbank an Kliniken, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Betroffene.

Mithilfe neuer Berechnungsverfahren hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Uni Trier erstmals die Häufigkeit von Asthma bronchiale für die 18 Kreise und neun kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe dargestellt.
AOK-Chef Tom Ackermann: "In Schulungen lernen Patienten, besser mit ihrer Erkrankung umzugehen und deren Verlauf positiv zu beeinflussen. Dann wissen sie, wie sie sich im Notfall verhalten müssen oder Asthmaanfälle sogar vermeiden können.“
Autor:

Holger Schmälzger aus Dortmund-Süd

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