Schaltjahrkinder: Mit sechs Jahren an der Uni und mit 17 in Rente

Geburtstagskind Ronja Lopez aus Hörde. | Foto: Klinke
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Für Schaltjahrkinder ist heute ein besonderer Tag. Endlich können sie Mal wieder richtig Geburtstag feiern. So wie Ronja (im Bild) aus Hörde.

Eins mag Ronja an diesem Tag aber überhaupt nicht. Wenn Mama Judith zu ihr sagt: „Du wirst ja erst zwei Jahre alt“. „Ich bin doch jetzt acht und kein Baby mehr“, kontert sie leicht trotzig, nimmt‘s aber mit Humor.

Natürlich hat ihre Mutter Judith nur einen Spaß gemacht. Heute wird bei der Familie Lopez in Hörde groß gefeiert. Denn den 29. Februar gibt es schließlich nur alle vier Jahre.

Papa und Mama glücklich über kleinen Wonneproppen

Gebetet hat die Mutter damals bei der Entbindung im Krankenhaus. „Lass das Kind bloß nicht am 29. Februar zur Welt kommen. Den Tag gibt‘s doch nur alle vier Jahre im Kalender.“ Dann aber ist‘s doch passiert - und Papa und Mama waren glücklich über ihren kleinen Wonneproppen. An den 29. Februar haben sie gar nicht mehr gedacht - und sich auch schnell daran gewöhnt. So wie Ronja, die sogar ein bisschen stolz ist, an diesem Tag geboren zu sein. „Meine Freunde können sich den Geburtstag leichter merken“, sagt sie. Gefeiert wird sonst eigentlich am 1. März. Aber heute ganz besonders. Mit Freundinnen und Freunden. Und Ronja freut sich schon auf den Zitronenkuchen mit Zuckerguss, den Mama backt - und das vierfache „Happy birthday!“

"Vorfeiern bringt Unglück"

Natürlich kennt auch Schaltjahrkind Tanja Horsthemke aus Berghofen die Zahlenspielereien. Sie feiert heute ihren 40. Geburtstag. Ein normaler Tag für sie. „Weil andere Dinge wichtiger sind.“ Als sie noch Kind war, ja, wie war das toll. „Da stand ich oft im Mittelpunkt. Jeder konnte sich das Datum merken." Und einmal, in der Schule, hat der Lehrer am 29. Februar alle Mitschüler auf Tanja aufmerksam gemacht. „Wir haben ein Schaltjahrkind in unserer Klasse. Wisst ihr wer?“ Und alle zeigten auf Tanja. „Das war richtig toll“, erinnert sich das Geburtstagskind. In „normalen“ Jahren übrigens feiert sie am 1. März. „Vorfeiern bringt Unglück, haben mir meine Eltern einmal gesagt.“

Am Rosenmontag geboren

Nicht ganz so genau mit den Tagen nimmt es Schaltjahrkind Marion Schadwell aus Sölde. Je nach Lust und Laune, sucht sie sich den 28. Februar oder 1. März als Geburtstag aus. „Liegt vielleicht daran, dass ich an einem Rosenmontag geboren wurde“, lacht sie. Heute wird sie 52 Jahre jung, wollte eigentlich wie alle vier Jahre groß feiern, wie immer einen kleinen Saal für die Feier anmieten. Ein Todesfall allerdings drückt auf die Stimmung. „Es wird gefeiert, aber nur ein bisschen.“

"Zehn Jahre weniger reichen..."

„Schön reinfeiern“, in seinen Geburtstag will Schaltjahrkind Rainer Stand aus Aplerbeck. „Leider werd‘ ich schon 48“, sagt er. Und da hilft auch keine Schaltjahrrechnerei. „12 Jahre, nee. Dann lieber nochmal 38.“

Sechs Jahre und schon so schlau...

Klar, dass auch bei Schaltjahrkind Nina Kröger aus Aplerbeck Bekannte gerne scherzen. „Mit sechs Jahren schon an der Uni. Musst Du schlau sein.“ Heute feiert Nina, die Mathematik und Religion auf Lehramt studiert und auch in der Kinder- und Jugendarbeit der ev. Georgsgemeinde aktiv ist, ihren 24. Geburtstag. „Ruhig, mit Familie und Freunden“, sagt sie, auch wenn heute der 29. ist. Klar, es sei schon etwas Besonderes. Auch im Lebensalltag. Ärger hat sie beispielsweise mit Computern. Wird das Geburtsdatum abgefragt, wird der 29. Februar oft nicht akzeptiert. An die kleinen Stolperfallen hat sich Nina aber gewöhnt. Viel lieber kokettiert sie mit dem Datum. „Wenn ich einmal achtzig bin, dann bin ich erst 20. Davon träumen doch viele Menschen.“

Mit 17 geht's in Rente...

Am 29. Februar 2000 um 3.27 Uhr erblickte Schaltjahrkind Maurice Weiland aus Menglinghausen das Licht der Welt. Mama Angelique hätte sich zwar lieber einen ganz normalen 28. als Geburtstag gewünscht, Papa Wolfgang ohnehin: „Ich habe damals im Kreißsaal gebetet und gezittert, dass er noch am 28. geboren wird. Ohne Erfolg.“ „Der Krümel hat sich halt Zeit gelassen“, sagt Mama Angelique. Vielleicht aus gutem Grund: Weil Maurice das einzige neugeborene Kind an diesem Tag war, war er der Liebling der Station.

Klar, dass Freunde mit Maurice ihre Zahlenneckereien machen. Dann aber bleibt er ganz cool und kontert: „Dafür gehe ich schon mit 17 in Rente.“
Gerne würde er seinen Geburtstag heute groß feiern. Aber: Er hat bis zum späten Nachmittag Schule. Da gibt es keine Ausnahmeregelung, wie bei „normalen“ Geburtstagskindern auch nicht. Aber: „Ich werde auf jeden Fall nachfeiern“, sagt er.

Geschenke ganz normal...

Geschenke übrigens gibt‘s, wie all‘ unsere Schaltjahrkinder beteuern, wie jedes Jahr. Ganz normal. Oder vielleicht doch ein bisschen mehr?!

Autor:

Peter J. Weigel aus Dortmund-Süd

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