Lütgendortmunder reden offen über den Tod ihrer Zwillingsfrühchen

„Wir sind dankbar für die Zeit, die wir mit unseren beiden Kindern erleben durften“, sagen die Naturfreunde Anja und Marcus Kuno und wollen damit Betroffenen Mut machen. (Mechsner)
  • „Wir sind dankbar für die Zeit, die wir mit unseren beiden Kindern erleben durften“, sagen die Naturfreunde Anja und Marcus Kuno und wollen damit Betroffenen Mut machen. (Mechsner)
  • hochgeladen von Irene Mechsner

Finja Sofie ist zwei Tage und ihre Schwester Finya Marie fünf Tage alt, als sie im November 2011 sterben. Ein Schock für die Eltern Anja und Marcus Kuno aus Lütgendortmund. Trotz allem blicken sie positiv nach vorne, erzählen ihre Geschichte und wollen auf diese Weise auf das Thema aufmerksam machen.

Anja und Marcus Kuno wirken gefasst und fröhlich. Schon oft haben sie ihre bewegende Geschichte erzählt. Von der unkomplizierten Schwangerschaft, der plötzlichen Blutung im sechsten Monat und ihrem Kampf um ihre Zwillinge, die als Frühchen im Klinikum Dortmund auf die Welt kamen. Zwei Wochen lang bewegte sich Anja Kuno nach den Blutungen nicht mehr, immer in der Hoffnung, dass sich die Kinder weiter so gut entwickeln. Sogar geheiratet wurde am Krankenbett. „Es war eine schöne Hochzeit, weil wir da noch alle vier lebendig waren“, erinnert sich Anja Kuno lächelnd.

„Die Bürokratie im Anschluss war wirklich schlimm“
Doch dann überstürzen sich die Ereignisse. Die Kinder müssen per Kaiserschnitt geholt werden. „Wir glaubten noch fest daran, dass die Zwillinge es schaffen können“, sagt Polizist Marcus Kuno rückblickend. Doch schon nach zwei Tagen stirbt Finja Sofie. Ihre Schwester lebt noch drei Tage länger. „Finya Marie ist nach fünf Stunden in meinen Armen gestorben“, erzählt Anja Kuno und fängt leise an zu weinen. Ihr Mann drückt ihre Hand. Man merkt, dass dieser Schicksalsschlag die beiden noch mehr zusammengeschweißt hat. „Die Bürokratie im Anschluss war wirklich schlimm“, berichtet Marcus Kuno weiter. „Erst musste ich die Kinder anmelden, dann ihren Tod und im Anschluss direkt zum Bestatter gehen.“ Hier müsse sich etwas ändern, fordert das Paar. Mehr Hilfestellung und mehr Verständnis seien wichtig, auch für die schwere Zeit danach. „Wir wussten erst gar nicht, was wir tun sollten. Keiner hat richtig mit uns gesprochen und viele sind uns aus dem Weg gegangen. Es ist halt ein Tabuthema“, sagt Anja Kuno. Die ersten Wochen danach habe sie deshalb auch einfach nur im Bett gelegen.

Hilfe per Internet
„Dann hat mir Marcus einen Rechner angeschlossen und ich habe die Internetseite www.frauenworte.de gefunden. Endlich konnte ich mich mit anderen Menschen, die ein ähnliches Schicksal erlebt haben, austauschen.“ Zusammen unterstützt das Ehepaar jetzt die bundesweite „Klinikaktion für Schmetterlingskinder“, ein Projekt des Internetportals www.frauenworte.de. Bei dieser Aktion werden Entbindungskliniken Boxen mit selbstgefertigten Kleidungstücken in winzigsten Größen für die verstorbenen Frühchen sowie umfassendes Informationsmaterial für die Eltern zur Verfügung gestellt. „Spenden, selber stricken oder jetzt noch bis zu 26. August im Internet für die Aktion voten. Dann gewinnen sie vielleicht den Publikumspreis beim Land-der-Ideen-Initative“, wirbt Anja Kuno für das Hilfsprojekt.

Es geht bergauf
Bei den beiden geht es wieder bergauf. Seit März arbeitet die Reiseverkehrskauffrau wieder. Zusammen blicken sie positiv in die Zukunft. „Wir haben zwei Blätter von unserem Wunschbaum mit in die Urnen gelegt, als Zeichen, dass wir unsere Kinder immer in unserem Herzen tragen“, sagt Anja Kuno. Und wollen die beiden noch Kinder? „Ja, am besten noch zwei und einen Hund“, sagt Marcus Kuno spontan. „Dann haben wir vier Kinder“, ergänzt Anja Kuno mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Autor:

Irene Mechsner aus Dortmund-West

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