Militär & Virus
Update: Kriegsmanöver Defender 2020 trotz Corona nach langem Zögern nur "angepasst"

"Wenn 37.000 Soldaten durch Europa transportiert werden steigt die Gefahr für eine Epidemie mit Covid-19.", so Torsten Koplin (LINKE), der einen Abbruch des NATO-Kriegsmanöver Defender 2020 fordert.
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  • "Wenn 37.000 Soldaten durch Europa transportiert werden steigt die Gefahr für eine Epidemie mit Covid-19.", so Torsten Koplin (LINKE), der einen Abbruch des NATO-Kriegsmanöver Defender 2020 fordert.
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Update (17.3.20): Das Kriegsmanöver Defender 2020 wurde nach langem Zögern und Zaudern der Verantwortlichen mit Blick auf die internationale Corona-Krise nicht abgesagt, wie einige Medien berichteten, sondern lediglich "angepasst". Die Bundeswehr beendete ihre Teilnahme bis auf Unterstützungsleistungen für die Verbündeten. US-Soldaten die bereits in Europa sind, nehmen nämlich an entsprechend der Lage angepassten Trainingseinheiten weiter teil. Die Übungen seien "in Größe und Umfang angepasst" worden, teilte das US-Europa-Kommando in Stuttgart mit.

Wegen des Coronavirus hat Österreich die Grenzen zu Italien geschlossen und Veranstaltungen ab 100 Menschen verboten. In Deutschland gilt dies Verbot ab 1000 Personen. Spanien und Dänemark verweigern Flugzeuglandungen aus Hochrisikoländern. Rumänien sieht für Reisende aus Risikoländern Quarantäne vor. Polen hat nun alle Schulen wegen der Lungenkrankheit geschlossen und lässt seit Tagen Grenzbeamte täglich rund 10.000-mal die Temperatur von Reisenden messen.

Trotzdem nehmen 17.000 Soldaten auch aus diesen Ländern am gegen Russland gerichteten NATO-Kriegsmanöver Defender 2020 teil. Deutschland erlebt die größte Verlegung von US-Truppen nach Europa der letzten 25 Jahre. Laut Bundeswehrangaben werden zehn europäische Seehäfen und 14 Flughäfen tangiert und über 4.000 Kilometer quer durch Europa zurückgelegt. An 48-Konvoi-Tagen sind insgesamt bis zu 100 Bahntransporte geplant. 20.000 US-Soldaten marschieren dann durch zehn europäische Staaten gen Osten.

Nachdem Südkorea und die USA ein für März geplantes Militärmanöver wegen der Lungenkrankheit Covid-19 bereits abgesagt haben, fordert nun der Landesvorsitzende der Partei DIE LINKE in Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls, das NATO-Manöver "Defender 2020" zu beenden. "Wenn 37.000 Soldaten durch Europa transportiert werden steigt die Gefahr für eine Epidemie mit Covid-19. USA und NATO sollten im Sinne der Gesundheit der Bevölkerung diesen riesigen Aufmarsch abblasen. Ich appelliere hierbei an die Vernunft aller Beteiligten.“, so der LINKE-Landtagsabgeordnete Torsten Koplin. Dabei gibt es in Europa mehr Infizierte als in Südkorea.

Ungeachtet dessen schloss die Bundeswehr wegen bestätigter Coronafälle bereits ihre Führungsakademie sowie zwei Kasernen in Hamburg und eine Kaserne in Köln. Der deutsche Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, befindet sich in Quarantäne nachdem es bei einer Konferenz des Kommandeur der "United States Army Europe" einen Coronafall gab. US-General Christopher Cavoli und mehrere Angehörige seines Stabes befinden sich ebenfalls in Isolation.

Das Online-Militärfachmagazin "Breakingdefense" meldet, dass sich die Kosten allein in den USA für die Truppen- und Materialverlegungen auf etwa 340 Millionen Dollar belaufen. Der Tagesspiegel zitiert Bundeswehrkreise, die die zusätzlichen deutschen Kosten mit 2,5 Millionen Euro beziffern. Wer sich an Ex-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erinnert, die alle zwei Monate rund 2,5 Millionen Euro schon allein für Beraterverträge ausgegeben hatte, kann getrost davon ausgehen, dass es nicht bei den 2,5 Millionen Euro bleibt. Diese Summen sollen übrigens nun jedes Jahr verbrannt werden, da diese Kriegsmanöver nun jährlich stattfinden soll.

Die Partei DIE LINKE spricht sich auch grundsätzlich gegen das NATO-Kriegsmanöver Defender 2020 aus. "Diese Machtdemonstration gefährdet den Frieden. Das Militär ist der größte Umweltzerstörer und Klimakiller.", so Inge Höger, LINKE-NRW-Landesprecherin. Auch Greenpeace sieht das Manöver kritisch. Greenpeace protestierte mit einem Schlauchboot, welches ein Banner mit der Aufschrift "Stop War Games, save Peace!" zeigte. "Diese Kriegsübung ist eine gezielte Machtdemonstration und Provokation gegenüber Russland." sagte Christoph von Lieven, Sprecher von Greenpeace Deutschland. Auch die sachsen-anhaltinische Friedensinitiative "Offene Heide" hat bereits erste Gegenaktionen zum NATO-Kriegsmanöver veranstaltet.

"Wenn 37.000 Soldaten durch Europa transportiert werden steigt die Gefahr für eine Epidemie mit Covid-19.", so Torsten Koplin (LINKE), der einen Abbruch des NATO-Kriegsmanöver Defender 2020 fordert.
Autor:

Carsten Klink aus Dortmund-Ost

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