Pressemitteilung – 05.06.2020
LINKE & PIRATEN drängen auf Aufklärung des neuen PBC-Falls

Utz Kowalewski

„PCB ist ein Stoff aus dem sogenannten schmutzigen Dutzend – PCBs sind weltweit verboten. Schlimm, dass Dortmund erneut einen Fall einer PCB-Freisetzung in die Umwelt hat.“ Utz Kowalewski, Vorsitzender und umweltpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE & PIRATEN im Dortmunder Rat, ist alarmiert. Schon wieder gibt es in Dortmund einen PCB-Fall. Schon wieder wurden die Vorsorgewerte überschritten. Schon wieder konnte bei einem Unternehmen – dieses Mal an der Hannöverschen Straße – ein Ausstoß der giftigen Chlorverbindung nachgewiesen werden.

Kowalewski hat um eine ausführliche Berichterstattung in der Sitzung des Umweltausschusses am 10. Juni gebeten. „Zudem habe ich um die genauen Werte und die gefundenen PCB-Kongenere gebeten, damit wir die Situation und eine mögliche Gefährdungslage überhaupt seriös einschätzen und mit anderen Fällen vergleichen können. Die Stadt Dortmund ist aber bereits jetzt aufgefordert eine Informationsveranstaltung für die Anwohner des betroffenen Gebietes zu organisieren – natürlich unter Einhaltung aller Corona-Sicherheitsmaßnahmen“, fordert der Politiker der LINKEN.

Der Envio-Skandal ist vielen Dortmundern noch in Erinnerung. Bei der unsachgemäßen Entsorgung und dem Recycling von Transformatoren war zwischen 2004 und 2010 so viel PBC freigesetzt worden, dass Mitarbeiter vergiftet wurden und schwere Schäden davon trugen. Die Firma wurde seinerzeit stillgelegt. Das Firmengelände selbst, aber auch die Umwelt waren verseucht. Bis heute darf in dieser Gegend kein selbst angebauter Grünkohl verzehrt werden. Das LANUV empfiehlt nun auch beim aktuellen Fall an der Hannöverschen Straße eine Verzehrwarnung für örtlich angebautes Gemüse auszusprechen.

Wie schlimm ist es dieses Mal? „Es scheint nicht so heftig zu sein wie bei Envio“, sagt Utz Kowalewski, der damals mit seinen Recherchen zu Envio den Ball erst ins Rollen brachte. „Der Fall scheint eher gelagert zu sein wie in Ennepetal, wo ein Produktionsproblem bei der Herstellung von Silikon zur einer regelmäßigen PCB-Freisetzung geführt hat“. Auch dort wurde der Diplom-Biologe gebeten aus den Dortmunder PCB-Erfahrungen zu berichten. „In Ennepetal ist ausschließlich das PBC-47 freigesetzt worden – die Verursacherfrage war leicht zu klären, weil es PCB-47 in NRW nicht als Hintergrundbelastung gibt, wie bei einigen anderen PCBs. In Ennepetal regnete es in Form großer Rußflocken ab, fand sich in Vorgärten, auf Autos oder den Fensterbrettern der Anwohner wieder.“

Das LANUV untersuchte daraufhin alle Silikonhersteller in NRW – in Dortmund mit einem klaren Befund. An drei Standorten rund um den fraglichen Betrieb wurden Proben genommen; zwei davon wiesen Werte oberhalb der Vorsorgewerte auf.

Autor:

Stefan Nölleke aus Dortmund

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