Eine Rezension
Postkapitalismus - Grundrisse einer kommenden Ökonomie von Paul Mason

"Der Kapitalismus ist ein komplexes, anpassungsfähiges System, das an die Grenzen seiner Anpassungsfähigkeit gestossen ist.", erklärt Paul Mason.
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  • "Der Kapitalismus ist ein komplexes, anpassungsfähiges System, das an die Grenzen seiner Anpassungsfähigkeit gestossen ist.", erklärt Paul Mason.
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Das bereits im Jahre 2016 im Suhrkamp-Verlag erschienene Buch Postkapitalismus - Grundrisse einer kommenden Ökonomie von Paul Mason ist sicherlich mit seinen 430 Seiten ein interessantes und lesenswertes Buch, das durchaus politischen Optimismus verbreiten kann.

Es zwingt einen tatsächlich zum Nachdenken, wie der Philosoph Slavoj Zizek bemerkte. Der Guardian druckte, dass Mason sogar ein würdiger Nachfolger von Marx sei. Die von Naomi Klein vermuteten "heftigen Debatten", die dieses Buch auslösen würde, kann man gut drei Jahre nach dem Erscheinen nur in einem kleinen Kreis der üblichen Verdächtigen wahrnehmen. Was aber vermutlich eher an der Schwäche des linksorientierten Teils der Ökonomie liegt und weniger an Masons Buch. Die wirtschaftspolitische Linke vermag es derzeit nicht, den Menschen ein neues, zukunftsweisendes Angebot zu machen. Genau hier setzt der langjährige Wirtschaftsjournalist Mason an.

Mason nimmt den Leser mit auf eine informative und nie langweilige kleine Zeitreise durch fast 200 Jahre Kapitalismus und hält dabei jeweils an den historischen Stellen, deren Informationen aus seiner Sicht wichtig für die Entwicklung und das Verständnis dieses Postkapitalismus sind. So erinnert Mason auch an längst vergessene Wirtschaftsfachleute wie Kondratjew und seinen Kurven.

Paul Mason vertriet die These, dass der Kapitalismus im Sterben liegt, da er nach rund 200 Jahren der industriellen Innovationen, der Produktivitätszuwächse und steigender finanzieller Komplexität seine Fähigkeit eingebüßt hat, sich seinen Krisen anzupassen. Das liegt laut Mason in der Digitalisierung und den besonderen Eigenschaften informationsverarbeitender Maschinen. Aber auch an der Schwäche der Arbeiterklasse, die es nicht mehr vermag dem Kapitalismus nennenswert etwas abzutrotzen und diesen somit nicht mehr zu Innovationen zwingt!

Masons Optimismus bezüglich des technologischen Fortschrittes, von dem dann alle Menschen profitieren können, erscheint hingegen als zu schön um wahr zu sein. Warum sollte die extremst-reiche Oberschicht, die vom heutigen System so unverschämt profitiert, so freundlich sein, den Verlust ihrer Macht- und Wirtschaftsposition einfach so hinzunehmen? Es wäre wohl das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, dass sich die herrschende Klasse kampflos die goldene Butter vom nicht selbst erarbeiteten Brot nehmen lassen würde.

Postkapitalismus
Grundrisse einer kommenden Ökonomie
von Paul Mason
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518425398
Gebunden, 430 Seiten, 26,95 EUR

"Der Kapitalismus ist ein komplexes, anpassungsfähiges System, das an die Grenzen seiner Anpassungsfähigkeit gestossen ist.", erklärt Paul Mason.
Autor:

Carsten Klink aus Dortmund-Ost

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