Buchbesprechung
Wie durchschaut man politische Manipulationen

Rote Einband mit weisser Schrift,
  • Rote Einband mit weisser Schrift,
  • Foto: Westendverlag Frankfurt pleasantnet.de
  • hochgeladen von Siegfried Räbiger

Das neue Buch von Albrecht Müller ist auch für alle Nicht-Politiker lesenswert. Gehört in jede weiterführende Schule.

«Glaube wenig» – «Hinterfrage alles» – «Denke selbst». So lautet der Titel von Albrecht Müller, das gerade im deutschen Westend Verlag erschienen ist. Und der Untertitel lautet: «Wie man Manipulationen durchschaut».

Im ersten Drittel des Buches geht es ganz konkret um die Methoden, wie heute politische Parteien, Wirtschafts-Interessengruppen oder auch staatliche Mächte in politischen Auseinandersetzungen – nicht zuletzt eben auch vor Wahlen – die Meinungen der Stimmberechtigten zu beeinflussen versuchen.

Das kennt man ja alles schon? Nicht wirklich. Albrecht Müller, selber auf SPD-Seite jahrzehntelang im politischen Kampf um Stimmen auf Bundesebene involviert und engagiert, heute der wichtigste Kopf der Online-Plattform NachDenkSeiten, identifiziert und beschreibt 17 verschiedene Manipulationsmethoden. Mit vielen Beispielen. Da gehen auch dem langjährigen Polit-Beobachter manche Lichter auf.

Müller identifiziert und separiert 17 Methoden von der Sprachregelung über
Geschichten verkürzt erzählen und Verschweigen bis Konflikte nutzen und inszenieren, um Meinung zu machen.

Die Beispiele sind alle belegt und zeigen die Methode auf, die wird unentwegt angewendet werden.
So ist der Niedergang der SPD des Öfteren mit der Behauptung begleitet worden, die SPD verkaufe sich schlecht ( = B). Damit transportiert aber wurde die Botschaft, ihre Politik sei eigentlich gut gewesen ( = A). Auf allen Ebenen der SPD spukt derweil dieses Gespenst herum: Wir sind eigentlich gut, aber wir verkaufen uns schlecht.»

«Auch die Agenda 2010 wurde und wird uns immer wieder auf diese Weise nahegebracht: Bundeskanzler Schröder habe sich, seine Kanzlerschaft und seine Partei geopfert, um das Land voranzubringen ( = B). Damit wird die Botschaft transportiert, die Agenda 2010 sei notwendig gewesen und nützlich.»

Albrecht Müller zitiert in seinem Buch ein Dutzend Artikel aus deutschsprachigen Medien, inklusive öffentlich-rechtliche, wo mehrere Polit-Köpfe als Paket behandelt werden. Zum Beispiel die Hamburger Morgenpost: «‹Starke Kerle›, die keine Widerworte dulden und in ihren Ländern aufräumen wollen: Viktor Orban, Matteo Salvini, Donald Trump, Rodrigo Duterte, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan.» Und Müller zeigt auf, wie solche Namenpakete, mit denen einzelne Politiker falsch bewertet werden, gerne auch von anderen Medien abgeschrieben und übernommen werden.

Das Buch ist nicht nur im Vorfeld von Wahlen interessant und informativ.  Speziell in der zweiten Hälfte des Buches – geht es um die Schilderung wichtiger gegenwärtiger Polit-Themen, die zu diskutieren sind. Als Leserin oder Leser kann jeder nur profitieren.

«Glaube wenig» – «Hinterfrage alles» – «Denke selbst», so der Titel des Buches, schafft es, dass einem in vielen Punkten die Augen aufgehen. Offene Augen aber sind die Bedingung für eine aktive Beteiligung an der öffentlichen Meinungsbildung. Ohne offene Augen überlassen wir, Demokratie hin, Demokratie her, unsere Zukunft jenen, die sie zu ihrem persönlichen Vorteil und nicht zugunsten der Allgemeinheit manipulieren können.

Leseprobe

Im Westendverlag am 01.10.2019 erschienen 
Seitenzahl:144 
ISBN:978-3-86489-218-9
Auch als eBook erhältlich

Ein gutes Buch seinen Kopf selbst zu nutzen und Diskussionen zu üben

Autor:

Siegfried Räbiger aus Oberhausen

Webseite von Siegfried Räbiger
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