Aphoristiker - Meister des "Hirnrümpfens"

Lassen sich nicht in Gedankenkäfige sperren: Die beiden Düsseldorfer Aphoristiker Jürgen Wilbert (65) und Hermann Rosenkranz (78) schreiben mit Leidenschaft knackig-kurze Sprüche zum Nachdenken. (Foto: Jennifer Remme)
  • Lassen sich nicht in Gedankenkäfige sperren: Die beiden Düsseldorfer Aphoristiker Jürgen Wilbert (65) und Hermann Rosenkranz (78) schreiben mit Leidenschaft knackig-kurze Sprüche zum Nachdenken. (Foto: Jennifer Remme)
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Wortfindungsstörungen sind für Jürgen Wilbert und Hermann Rosenkranz ein Fremdwort. Ihre Leidenschaft ist: Für das Worte zu finden, was anderen die Sprache verschlägt. Sie sind Aphoristiker mit Leib und Seele. Ihr Herz schlägt für Sprüche, die laut Wilbert „zwar kurz sind, aber nicht klein zu kriegen“.
Nein, wer Aphorismen schreibt, hat keine Krankheit. Auch ist er mehr als ein bloßer Sprücheklopfer. Hinter den kurzen und knappen Gedankenspielen namens Aphorismen (aus dem Griechischen: definieren, umreißen, auf den Punkt bringen) steckt wie Jürgen Wilbert formuliert ein „Hirnrümpfen – ein Naserümpfen des Gehirns“.
Schon als Schüler waren der spätere Fachbereichsleiter Kultur bei der VHS Hattingen Wilbert und der spätere Strafverteidiger Rosenkranz von der literarischen Kunstform fasziniert. Heute schreiben sie selbst mit Leidenschaft Aphorismen und haben sie bereits in eigenen Büchern veröffentlicht (aktuelle Werke: Jürgen Wilbert "Knapp denkbar. Denkanzettelungen"; Hermann Rosenkranz "Keine Zeile ohne meinen Anwalt", beides Brockmeyer Verlag).
Der Düsseldorfer Jürgen Wilbert ist 2004 sogar Initiator des ersten bundesweiten Aphoristikertreffens, das dieses Jahr vom 4. bis 6. November zum vierten Mal in Hattingen stattfindet und mittlerweile international bekannt ist. 2005 folgt die Gründung des Fördervereins Deutsches Aphorismus-Archiv, das wegen der beruflichen Tätigkeit seines Vorsitzenden Wilbert ebenfalls seinen Sitz in Hattingen hat. 70 Mitglieder aus ganz Deutschland widmen sich mittlerweile dem außergewöhnlichen Hobby.
Ob beim Spaziergang oder im Auto – die Ideen zu ihren Aphorismen kommen Wilbert und Rosenkranz überall. „Dann muss man sie schnell aufschreiben, sonst sind sie weg“, weiß der erfahrene Gedankenspieler.
Reimen dürfen sich die Sprüche nicht. Auch dürfen sie sich nicht im Wortspiel erschöpfen, sonst sind sie nicht mehr als bloße Witze. Eher geht es darum, es kurz und knapp zu sagen und gleichzeitig einen nachwirkenden Sinn zu transportieren. „Aphorismen sind Stolpersteine für landläufige Meinungen“, sagt Wilbert. Nicht umsonst gelten die Sprüche, über die man nachdenken sollte, als „unbequeme Gattung“.
Trotzdem oder gerade wegen ihrer Kürze eignen sie sich laut Wilbert wie kein anderes Medium dafür, aktuelles Zeitgeschehen wundervoll bissig zu kommentieren. Ist man einmal mit dem Aphorismus-Virus infiziert, so scheint es, ist er im Blut. Wilbert und Rosenkranz jedenfalls landen im Gespräch einen Treffer nach dem Nächsten.
Gerne würden sie eine Düsseldorfer Aphoristiker-Gruppe gründen. Wer Interesse hat, kann sich unter 0172-248 32 16 melden. Mehr Infos gibt es auch im Internet unter http://www.aphoristiker.de

Beispiele für Aphorismen:

von Jürgen Wilbert aus seinem Buch "Knapp denkbar. Denkanzettelungen":
"Wer schwarz-weiß denkt, dem graut vor Zwischentönen",
"Aphoristiker wollen Weisheiten verbreiten, die nicht in die Binsen gehen",
"Die Menschen kommen und gehen - nur nicht zur Vernunft",
"Auch der Leichtsinn unterliegt dem Gesetz der Schwerkraft",
"Wer zu oft die Faust in der Tasche macht, bleibt letztlich der Gebeutelte",
"Kein Wunder, dass es in unserer Gesellschaft nicht vorwärts geht, die Politiker liefern nur noch Anhaltspunkte."

von Hermann Rosenkranz aus seinem Buch "Keine Zeile ohne meinen Anwalt":
"Auch das Gehirn hat mit seinen Blähungen zu kämpfen. Und der Aphorismus - das wäre der befreiende Furz",
"Was vom Juristen ausgeht, geschieht jenseits von edel und stark",
"Auch beim Balsam für die Seele sind allergische Reaktionen nicht ausgeschlossen. Das erklärt dann auch so manch verpickeltes Innenleben",
"Ein Aphoristiker, der seinen Zynismus drangibt, kann gleich Erbauliches schreiben",
"Ich habe nicht die Absicht, Berge zu versetzen. Was soll mir dann der Glauben?"
"Glaube an das Gute im Menschen. Es ist vereinzelt schon gesichtet worden."

Autor:

Nele Cent-Roppel aus Monheim am Rhein

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