„Frühlings Erwachen“ im D’haus.

Frühlings Erwachen
Ein Abend mit feiernden Jugendlichen und Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs
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    Ein Abend mit feiernden Jugendlichen und Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs
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  • hochgeladen von Ina Marie Leukel

Düsseldorf. Premiere überzeugt durch Moderne und starke Momente. 111 Jahre alt aber so modern wie heute. Das Leben sexueller Offenheit gelungen auf der Bühne.

Eine ausverkaufte Premiere und gespannt ein freudiges Publikum, was auf den Einlass wartet. Einlass. Das Bühnenbild - eine Wand auf der „Happy Birthday Jakob!“ steht, daneben ein Gerüstelement mit Luftballons und einer mit Helium gefüllten „11“.
Nach 8 Monaten endlich die lang erwartete Premiere. Das Stück: Jugendliche machen ein Stück und reden in diesem Stück über das Buch „Frühlings Erwachen“ von Wedekind und inszenieren es - im Stück selbst. Es geht um sexuelle Aufklärung, schlechte Noten und das Leben selbst.

Die Essenz des Stückes - Authentizität.

Helium-Balloons, adieu an die Smartphones und zwischen drin Masken, ehrliche Worte und bekritzelte Wände. Der Zuschauer wird eingeladen zu überlegen - was ist wahr an dem was die Darsteller mir erzählt, was davon ist Theater? Das Stück hat Einblick in die Gefühlswelten junger Menschen geboten - die viel zu erzählen haben und gern ihre eigenen Fehler machen wollen. Und unlogisch sein wollen. Genau wie Eltern. Das Stück setzt sich sehr stark mit den Menschen auf der Bühne auseinander. Die Darsteller funktionieren auf der Bühne gemeinsam als Team, sie kennen ihre Stärken und Schwächen. Und sie teilen mit dem Zuschauer, in der Hoffnung, dass vielleicht jemand bei den Hausaufgaben hilft.

Moderne Technik. Videoleinwand. Schaumbad. Eine Party und vielleicht auch ein Einbruch. Oldschool sein?

Jakob ist 11 geworden und will seinen Geburtstag feiern, wie richtige Jugendliche. Jonas muss aber Hausaufgaben machen. Seine Versetzung ist gefährdet, er muss „Frühlings Erwachen“ verstehen. Im Publikum wird viel gelacht - die Jugendlichen zerreißen sich über den Titel. Schließlich fällt ihnen aber auf, dass Wendla, Melchior & Moritz mehr als die Darsteller auf der kleinen Bühne im Central am Düsseldorfer HBF erlebt haben - das lassen sie nicht auf sich sitzen. Nicht im Jahr 2017, der Zeit in der sogar manchmal Menschen nackt demonstrieren gehen.. Die Zuschauer sind dabei, wenn ein spannendes Versprechen gemacht wird. Drei Tage lang Spaß haben? Kein Problem für 18 junge Darsteller auf der Central-Bühne. Sie wollen „drei Tage und drei Nächte in kein Bett und nicht aus den Kleidern“ durchziehen. 

Doch Eltern - damals wie heute - sind von soviel leben, tanzen und lieben weniger begeistert als die Kinder. Doch sehr modern - die Hierarchie zwischen Eltern und Kindern ist anders als früher Jugendliche sprechen mit ihren Eltern auf Augenhöhe, immerhin wissen sie was Aufklärung in diesem Teil des Stückes Bescheid.
Die Eltern - eine Mischung aus traditionellen Eltern und Helikopter-Eltern, die aber letztlich nur das beste für Ihre Kinder wollen. Mit ganz viel Liebe versorgen Sie Ihre Kinder mit gut gemeinten „Lifehacks“ - die mal mehr und mal weniger angenommen werden. Eine der vier Mütter auf der Bühne ist sogar nur zufällig in die Situation geraten: ihre Tochter ist im Ausland und sie vermisst es sogar sich mit ihr zu streiten. Wunderbar umgesetzt sind die Parallelen zwischen Alt und Jung. Den die Eltern sind ihren Teenagern ähnlicher als sie denken.

Der Applaus war laut, ergiebig und wohlwollend. Ein glückliches Publikum. Die Aufführung des Jungen Schauspielhauses ist frisch-hipp. Viele Zuschauer konnten ihre Begeisterung gar nicht in Worte fassen. Eine euphorische Zuschauerin spricht beim Verlassen des Saales davon, dass ihr „keine Minute langweilig [war] und sie die Energie des Stückes“ sehr genossen hat. Der Abend klang mit einer öffentlichen Premierenfeier aus, bei der alle an der Produktion beteiligten Menschen geehrt wurden.

Die Regisseurin Joanna Praml ist auf der Bürgerbühne zu Hause. Sie eröffnete diese in der Spielzeit 2016/2017 mit dem Stück „Ein Sommernachtstraum – Ein Verwirrspiel mit Düsseldorfer Jugendlichen“ und wurde zum NRW-Theatertreffen 2017 eingeladen sowie erhielt eine Nomination für den Theaterpreis „Der Faust“ in der Kategorie »Beste Regie«. Die Erwartungen der Zuschauer an die Inszenierung von „Frühlings Erwachen“ waren dementsprechend hoch und wurden noch übertroffen. Der Schauspieler Fynn Steiner war sehr zufrieden, den „es war der beste Durchlauf“. Nach einer misslungenen Generalprobe umso schöner.

Das Stück ist ungewöhnlich, unkonventionell, anarchistisch und gerade deshalb ein Stück für Großeltern und Enkel.

Die Quint­es­senz ist 111 Jahre alt, die Umsetzung modern. Ein Gegensatz, der fasziniert, erstaunt und den Zuschauer in den Bann zieht. Ein wunderbares Zusammenspiel aus Content, Entertainment und Bühnenbild. Ein Stück voller Wahrheit und Tiefe, gut verpackt in Humor. Einige Zuschauer haben sich direkt nach der Vorstellung weitere Karten für das Stück gekauft - aus meiner Sicht empfehlenswert.

Weitere Termine:
Mo, 18.12. / 20:00 (ausverkauft, evtl. Restkarten an der Theaterkasse)
Fr, 22.12. / 20:00
So, 07.01. / 18:30
Mo, 15.01. / 20:00
Fr, 19.01. / 20:00
Sa, 03.02. / 20:00
So, 04.02. / 18:30
Alle Aufführungen von „Frühlings Erwachen“ finden auf der kleinen Bühne Central (Worringer Str. 140, Düsseldorf) statt.

Frühlings Erwachen
Ein Abend mit feiernden Jugendlichen und Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs
Frühlings Erwachen
Eine Geburtstagsfeier für Jakob

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