Zum Internationalen Frauentag am 8. Marz 2020
Johanna ("Mutter") Ey - eine starke Frau

Bert Gerresheim: Mutter Ey (2017), Neubrückstraße
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  • Bert Gerresheim: Mutter Ey (2017), Neubrückstraße
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"Großes Ey, wir loben dich. Ey, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt das Rheinland sich, und kauft gern und billig deine Werke."

Kein Geringerer als Max Ernst dichtete 1929 dieses Loblied auf Johanna Ey. Sie war ein "Landei" vom Niederrhein, stammte aus einfachsten Verhältnissen und brachte es trotzdem in den 1920er Jahren zur meistgemalten Frau Deutschlands.

Erinnerung an Max Ernsts "Schöne Gärtnerin" (1923). Das von Max Ernst so geliebte Gemälde "La Belle Jardinìere" kaufte Johanna Ey. Es gilt seit der NS-Zeit als verschollen.
  • Erinnerung an Max Ernsts "Schöne Gärtnerin" (1923). Das von Max Ernst so geliebte Gemälde "La Belle Jardinìere" kaufte Johanna Ey. Es gilt seit der NS-Zeit als verschollen.
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Als Johanna Stocken wird sie 1864 in Wickrath geboren. Sie kommt in den 1880er Jahren nach Düsseldorf. Dort heiratet sie Robert Ey, einen Brauereimeister, der dem Alkohol sehr zugetan ist. Nur vier ihrer zwölf Kinder überleben. Schließlich lässt sie sich scheiden und beginnt ein neues Leben. Das ist 1906, als Frauen noch nicht einmal das Wahlrecht haben, ein unerhörter Schritt. Um sich und ihre Kinder durchzubringen, eröffnet sie eine kleine Bäckerei auf der Ratinger Straße 45 in der Altstadt, ganz in der Nähe der Kunstakademie. Schnell kommt sie in Kontakt mit den Künstlern. Sie schmiert ihnen Brote, interessiert sich für ihre Arbeit und lässt sich auch mit Naturalien (= Bildern) bezahlen, wenn das Geld nicht reicht, denn sie weiß, was Armut bedeutet. Bald wird ihr Lädchen zur Kaffeestube und zum Künstlertreffpunkt, während sich Im Hinterzimmer die ersten Bilder ansammeln.

Von der Backstube zur Kunstgalerie

Der nächste mutige Schritt: 1916 eröffnet Johanna Ey auf dem Hindenburgwall 11 (heute Heinrich-Heine-Allee) einen kleinen Kunsthandel. Nach dem ersten Weltkrieg wird ihre Galerie zum Treffpunkt der damaligen Avantgarde. Stolz steht auf dem Schild über den Schaufenstern "Neue Kunst. Frau Ey."  Lebhaft und chaotisch geht es hier zu. Es kommt zu Protesten und Tumulten, als  die Mitglieder des "Jungen Rheinland" ausstellen. Dieser 1919 gegründeten Vereinigung gehören Künstler, Dichter und Musiker an, die provozieren und mit spießbürgerlichen Vorstellungen aufräumen wollen. Otto Dix, Otto Pankok und Dada-Max Ernst gehören dazu.

Figuren aus dem Umkreis von Johanna Ey: Rechts der Maler Adalbert Trillhase, der zum "Jungen Rheinland" gehörte.
  • Figuren aus dem Umkreis von Johanna Ey: Rechts der Maler Adalbert Trillhase, der zum "Jungen Rheinland" gehörte.
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Um die Mitte der 1920-er Jahre verändert sich das Klima. Die Revoluzzer von einst verlassen die Stadt oder nehmen gar Posten an der zuvor verachteten Kunstakademie an. Und Johanna Ey gehört jetzt zum Düsseldorfer Kulturbetrieb. Doch durch die Wirtschaftskrise verschlechtert sich ihre Lage. Und mit der Nazi-Diktatur, als die Bilder der Progressiven als "entartet" beschlagnahmt werden, verliert sie endgültig ihre Existenzgrundlage. Die Galerie wird geschlossen. Sie überlebt den Krieg in Norddeutschland, versucht sich anschließend ohne großen Erfolg wieder als Galeristin in Düsseldorf, wo sie 1947 mit 83 Jahren stirbt.

Eine starke Frau

Der Ring von Frau "EY"

Johanna Ey wurde bekannt als "Mutter Ey". Diese Bezeichnung gab ihr der Journalist Max Osborn 1930, aber sie war nicht glücklich über diesen Beinamen, denn er reduzierte sie auf das Image der sorgenden Mutter. Natürlich kümmerte sie sich anfangs großherzig um mittellose Künstler, wuchs jedoch zunehmend in die Rolle der Galeristin und intuitiven Kunstkennerin, wurde zur Förderin der Avantgarde und gab ihr ein Forum. Natürlich war sie keine Heilige. Dass sie in ihrem Umfeld andere Frauen nicht gerne sah, ist bekannt. Aber ihr Mut und ihr Wille, sich ohne nennenswerte Schulbildung aus schwierigsten Lebensverhältnissen heraus- und hochzuarbeiten, ist außergewöhnlich. Rückschläge und Schulden gehörten zu ihrem Leben. Wahrscheinlich war ihr das Wort "Emanzipation" nicht geläufig - sie hat sie einfach gelebt. Heute wird sie mit einer Straße und mehreren Denkmälern in Düsseldorf geehrt.

Darstellungen von Johanna Ey

Otto Dix' Porträt der fülligen Frau mit den wachen Augen hinter runden Brillengläsern, die sich majestätisch vor einem Vorhang präsentiert, prägt das Bild von Johanna Ey (Kunstsammlung NRW, Düsseldorf).

In luftiger Höhe befindet sich das Gemälde von Thomas Giese und Friedhelm Neuschäfer: Mutter Ey (1982), Mutter-Ey-Straße, Nähe Kommödchen. Es handelt sich um eine Kopie des gleichnamigen Porträts von Matthias Barz (1936), der zum Kreis um Johanna Ey gehörte.
  • In luftiger Höhe befindet sich das Gemälde von Thomas Giese und Friedhelm Neuschäfer: Mutter Ey (1982), Mutter-Ey-Straße, Nähe Kommödchen. Es handelt sich um eine Kopie des gleichnamigen Porträts von Matthias Barz (1936), der zum Kreis um Johanna Ey gehörte.
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In der Altstadt grüßt an der nach ihr benannten Straße ihr Porträt aus luftiger Höhe. Es ist die großformatige Kopie des Gemäldes, das Matthias Barz 1936 gemalt hatte. 

Trude Esser: Mutter Ey (1978), Speescher Park
  • Trude Esser: Mutter Ey (1978), Speescher Park
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Die Darstellung von Trude Esser im Speeschen Park (1978) zeigt die korpulente Gestalt der Johanna Ey, die zwar keinem Schönheitsideal entspricht, sich aber als selbstbewusste Frau präsentiert.

Gerda Kratz: Mutter Ey (1985), Malkastenpark
  • Gerda Kratz: Mutter Ey (1985), Malkastenpark
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Die Bronze von Gerda Kratz (1985) im Malkastenpark hat einen eiförmigen Umriss. Johanna Ey wird hier als "Mutter Ey" gezeigt, die die Arme schützend um die Künstlerfreunde an ihrem mächtigen Leib legt.

Die Bronze vor dem Café Ey.

Am Rande des Andreasquartiers in der Altstadt schließlich entstand der kleine "Mutter Ey-Platz". Hier steht seit 2017 ihre überlebensgroßen Statue. Bildhauer Bert Gerresheim orientierte sich bei dem Denkmal an dem Gemälde von Otto Dix. Majestätisch präsentiert sich Johanna Ey mit Diadem. Verschiedene Attribute wie ein Ei, Porträts befreundeter Künstler und ein Ringelnatzbuch stellen den Bezug zum Leben der Dargestellten her. Das benachbarte Café-Restaurant lässt auf der ersten Etage junge Künstler ausstellen und wird damit seinem Slogan gerecht: EY LEBT!

Quelle
Anna Klapheck, Mutter Ey - Eine Düsseldorfer Künstlerlegende, Düsseldorf 1977.

Autor:

Margot Klütsch aus Düsseldorf

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