Museumsbahnen im Elsass

Fotohalt im Bahnhof Aspach-le-haut.
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Im Elsass gibt es zwei dampfbetriebene Touristikbahnen. Elsass-Lothringen gehörte von 1871 bis 1918 zum Deutschen Reich. Die Geschichte der Eisenbahnen im Elsass spiegelt daher auch die wechselvolle und kriegerische Vergangenheit zwischen Frankreich und Deutschland wider. Noch heute fahren die Eisenbahnen im Elsass im Gegensatz zum übrigen Frankreich auf mehrgleisigen Strecken auf der rechten Seite.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 musste Frankreich das Gebiet von Elsass-Lothringen an das Deutsche Reich abtreten. Das Elsass war von Kultur und Sprache gewiss deutsch – vom Nationalgefühl jedoch seit 200 Jahren französisch. Die Marseillaise war in Straßburg geschrieben und hier zum ersten Mal gesungen worden. Die Eisenbahnen der privaten »Compagnie des chemins de fer de l’Est« (Gesellschaft der französischen Ostbahnen) wurden von Frankreich förmlich aufgekauft und an das Deutsche Reich weiterverkauft. Der Kaufpreis von 260 Millionen Mark wurde auf die französischen Reparations-zahlungen in Höhe von fünf Milliarden Goldfranken angerechnet. Die direkte Verwaltung der elsass-lothringischen Eisenbahnen ging auf das Deutsche Reich über. Die Kaiserliche Generaldirektion der Reichseisenbahnen in Elsass-Lothringen hatte ihren Sitz in Straßburg und unterstand zunächst unmittelbar dem Reichskanzler. Im Jahre 1878 wurde sie jedoch dem in Berlin neu errichteten »Reichsamt für die Verwaltung der Eisenbahnen in Elsass-Lothringen« unterstellt. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abtretung Elsass-Lothringens an Frankreich aufgrund des Friedensvertrags von Versailles 1919 blieben die Strecken dort unter der Bezeichnung »Réseau ferroviaire d’Alsace-Lorraine« (AL) als staatliche französische Eisenbahnen selbstständig.

Die Dollertalbahn

Die Museumsbahn »<a target="_blank" rel="nofollow" href="https://www.train-doller.org/">Train Thur Doller Alsace</a>« führt von Cernay nach Sentheim am Fuße der Vogesen. Die 13,7 Kilometer lange Linie wurde 1869 unter französischer Verwaltung gebaut. Unter deutscher Verwaltung wurde die Linie in zwei Phasen verlängert, 1884 bis Masevaux (deutsch: Masmünster) und 1901 bis Sewen. Die Bahnlinie war dann insgesamt 27,5 Kilometer lang. Sewen war der Ausgangspunkt für Wandertouren zum 1247 Meter hohen Ballon d’Alsace (deutsch: Elsässer Belchen).
Im Ersten Weltkrieg verlief die Frontlinie entlang des Bahnhofs Burnhaupt. Mit Kriegseintritt am 4. August 1914 erhielt die französische Armee den Befehl, im Elsass einzumarschieren, um die wichtigsten Orte und Städte zurück zu erobern. Mulhouse (deutsch: Mülhausen) wurde am 8. August eingenommen, am nächsten Tag geräumt, am 17. wieder eingenommen, und am 25. August ganz aufgegeben. Die Vogesenfront zwischen den Bergmassiven Donon im Norden und dem Grand Ballon im Süden ist der einzige Abschnitt an der Westfront des Ersten Weltkriegs, in dem Gebirgskämpfe stattfanden. Im Zuge der harten Kämpfe wurden die Stationen Aspach und Burnhaupt sowie die Brücke über die Doller zerstört; Sentheim wurde ebenfalls bombardiert. Bis Kriegsende blieben die Täler Saint-Amarin und Masevaux in französischer Hand.
1967 endete der Personenverkehr auf der Strecke, und 1973 legte die SNCF die Linie endgültig still. Aber Eisenbahnfreunde retteten die Bahn vor dem Rückbau. Am 20. Juli 1976 fuhr der erste Dampfzug auf der neuen Museumsbahn. Die Fahrt mit dem Museumszug beginnt am Rande von Cernay in St. André. Der Verein arbeitet an der Wiedereröffnung des Abschnitts nach Cernay am »Tram Train« nach Thann. Die Genehmigung der Behörden liegt seit 2011 vor; es fehlen nur noch die Gleise.
Die Fahrt mit der Museumsbahn ist urig. Die hölzernen Wagen haben Holzbänke, alle sechs Meter erzeugen Stöße das typische Geräusch einer Bimmelbahn aus dem 19. Jahrhundert: »Ratata, tumm – ratata, tumm.« Vor den Bahnübergängen stoppt der Zug, und der Zugchef hält mit einer roten Fahne die Autos an; der Schaffner kurbelt währenddessen die Schranken per Hand herunter. Vor dem Bahnhof Burnhaupt Le Haut wird die Doller auf einer Eisenbrücke überquert. In Burnhaupt befindet sich das Depot des Vereins. Hier warten noch einige Fahrzeuge auf die Aufarbeitung. Neben drei Dampfloks bringt auch ein alter Schienenbus die Fahrgäste ans Ziel. Während die Lok Wasser fassen muss, kann man das Depot besichtigen. Die Bahnhöfe dienen wegen ihrer fast originalgetreuen Erhaltung auch oft als Filmkulissen.
In Sentheim endet die Fahrt, hier kann man das Bekohlen der Lok fotografieren. Im Bahnhof Sentheim verkauft der Verein Erfrischungen und Souvenirs. Man kann aber auch eine Wandertour unternehmen oder aufs Fahrrad umsteigen.

Der Ried-Express

Der »Chemin de Fer Touristique du Rhin« (deutsch: Touristische Rheineisenbahn) ist ein gemeinnütziger Verein, der 1982 gegründet wurde und die Museums-Eisenbahnlinie »<a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.touristenbahn-elsass.de/">Ried-Express</a>« betreibt, die auch unter dem Namen »Touristenbahn-Elsass« vermarktet wird. Seinen Sitz hat der Verein im Bahnhof Volgelsheim in Neuf-Brisach an der ehemaligen Bahnlinie von Colmar nach Freiburg. Er wurde 1880 im Wilhelmischen Baustil aus Vogesensandstein als Turmbahnhof erbaut. Die 1945 gesprengte Eisenbahnbrücke bei Breisach wurde nicht mehr aufgebaut.
Der Verein besitzt die beiden letzten elsässischen/preußischen Dampflokomotiven, die bei den Reichseisenbahnen in Elsass-Lothringen im Dienst standen. Diese sind vom Typ Elsass-Lothringische T3 (französische Bezeichnung 030TB). Von Volgelsheim befährt der Zug ein Anschlussgleis, das der Industrie- und Handelskammer Colmar gehört und am Rhein entlang bis Marckolsheim führt. Die Museumsbahn befährt allerdings nur das Teilstück bis zur Schiffsanlegestelle »Sans Soucis«. Dabei durchquert der Zug die namensgebende elsässische Ried-Landschaft westlich des Rheinstroms.In Fahrtrichtung links sind die Vogesen zu sehen – in Fahrtrichtung rechts erblickt man den Rheinseitenkanal und den Kaiserstuhl.

Weitere Ausflugstipps gibt es in meinem Buch.

Autor:

Norbert Opfermann aus Düsseldorf

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