Feste feiern

Blinker rechts, Schulterblick, rechts ranfahren, Motor aus. Die Tür öffnet sich, das Kind steigt aus, geschafft, Erleichterung bricht sich Bahn! Das muss gefeiert werden, unbedingt, aber wie? Anders auf jeden Fall, als der Mensch von dem ich hörte, der, nachdem der Polizist ihm zum bestandenen Führerschein gratuliert hatte, den Kugelschreiber nahm, der ihm durch’s Autofenster gereicht wurde und darauf blies, anstatt die vergessene Unterschrift zu leisten.

Ob gebührend gefeiert wurde, ist nicht eine Frage der Promillezahl, oder der Kopfschmerzen am nächsten Tag, auch wenn zweifelsohne der allgemeine Brauch, anlässlich eines erfreulichen Ereignisses das Glas zu erheben seine Berechtigung hat: Wie gut es tut, wenn sich, nach intensiver Vorbereitung oder langwieriger Entbehrungen, die Anspannung löst und die Sinne mal den erhobenen Tassen untergeordnet werden dürfen.

Es ist eine Frage der Bedeutung, die man einem Ereignis zumisst, die es zum Fest werden lassen. Ich habe schon in aller Einsamkeit und stocknüchtern rauschende Feste gefeiert, anlässlich eines ergreifenden Sonnenuntergangs beispielsweise oder wenn ich mich in prekären Situationen überwunden habe, den Mund aufzumachen, auch wenn alles in mir danach schrie zu schweigen.

Jeder Sieg ein Fest. Auch wenn es dabei nicht immer gleichermaßen fröhlich zugeht. Der Grieche von damals beispielsweise, der von Marathon nach Athen lief, um den Sieg der Athener über die Perser zu verkünden. Freut euch, wir haben gesiegt! rief er und fiel auf der Stelle tot um.
Manchmal ist auch das Fest der Sieg, wenn ein Trauertag und ein Festtag auf einen Tag fallen zum Beispiel. Oder in schwierigen Zeiten, so wie damals: kein Haus, kein Job, ein Kind von einem anderen – Halleluja!!!

Ach ja… - wenn ich an die Schlachten denke, die alljährlich unter dem Weihnachtsbaum geschlagen werden… Und trotzdem werde ich nicht aufhören, dieses Fest zu feiern: Das Licht in der Dunkelheit, ebenso wie den Moment, wenn auch diese Schlacht wieder geschlagen ist.

Willkommen im neuen Jahr!
Ein Jahr voller Gelegenheiten feste zu feiern. Es gibt immer einen Grund und Ort.
Heute ist es der bestandene Führerschein: DU fährst!;-)

Autor:

Femke Zimmermann aus Düsseldorf

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