Vor dem Lockdown: Unterwegs in Berlin (7)
Bernauer Straße: ein besonderer Erinnerungsort

Die Versöhnungskaplle (2000) aus Stampflehm, ummantelt von Fichtenholzlamellen.
25Bilder
  • Die Versöhnungskaplle (2000) aus Stampflehm, ummantelt von Fichtenholzlamellen.
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Als ich im Oktober in Berlin war, besuchte ich auch die Bernauer Straße. Das heitere Wetter sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Straße durch etliche Fluchtversuche an der Mauer traurige Berühmtheit erlangte. Die Ereignisse liegen zwar lange zurück und scheinen ziemlich weit entfernt. Aber der Besuch der Gedenkstätte Berliner Mauer ging unter die Haut und die Folklore mancher Mauer-Fragmente war schnell vergessen.

Die Mauer mitten durch die Straße

Die Mauer durchschnitt die Bernauer Straße zwischen Mitte (0st) und Wedding (West).
  • Die Mauer durchschnitt die Bernauer Straße zwischen Mitte (0st) und Wedding (West).
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Ab 1961 ließ das DDR-Regime die Mauer mitten durch die Bernauer Straße ziehen. Häuserfronten wurden zur Grenze und zum unüberwindlichen Hindernis zwischen den beiden Straßenseiten und ihren Bewohnern. Die Bilder von dramatischen Fluchtversuchen haften im kollektiven Gedächtnis. Einige von ihnen sind an Hausfronten zu sehen.

Vor diesem Haus auf der Ackerstraße spielten sich 1961 dramatische Szenen ab. Die Rundstäbe vorn markieren den Verlauf der Mauer.
  • Vor diesem Haus auf der Ackerstraße spielten sich 1961 dramatische Szenen ab. Die Rundstäbe vorn markieren den Verlauf der Mauer.
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Der Erinnerungsort

Der zentrale Erinnerungsort an die deutsche Teilung erstreckt sich auf 1,4 km Länge über den ehemaligen Grenzstreifen an der Bernauer Straße. Auf dem Areal der Gedenkstätte befinden sich ein Stück Mauer sowie Reste und Spuren vom ausgeklügelten Aufbau der Grenzanlagen und Grenzsperren.  Bronzeplatten im weitläufigen Wiesengelände markieren Signalzäune, Hinterlandmauer und Fluchttunnel. Sie erinnern an Fluchtversuche, bei denen die Flüchtenden starben.

Bodenplatten im Todesstreifen weisen u. a. auf Fluchttunnel, Signalzaun und Hinterlandmauer.
  • Bodenplatten im Todesstreifen weisen u. a. auf Fluchttunnel, Signalzaun und Hinterlandmauer.
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Rundstäbe aus Cortenstahl in Mauerhöhe entlang der Bernauer Straße markieren den Verlauf der inzwischen abgerissenen Mauer. Je nach Perspektive wirkt die ehemalige Grenze verschlossen oder geöffnet. Die innerdeutsche Mauer ist verschwunden, aber der Todesstreifen wurde sichtbar gemacht.

Rundstäbe in Mauerhöhe markieren den Verlauf der inzwischen abgerissenen Mauer an der Bernauer Straße.
  • Rundstäbe in Mauerhöhe markieren den Verlauf der inzwischen abgerissenen Mauer an der Bernauer Straße.
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Die Opfer bekommen ein Gesicht

Das Fenster des Gedenkens (2010) zeigt Namen, Daten und Fotos der 130 Todesopfer an der Berliner Mauer zwischen 1961 und 1989.

Das Fenster der Erinnerung (2010) mit Fotos der 130 Mauer-Toten.
  • Das Fenster der Erinnerung (2010) mit Fotos der 130 Mauer-Toten.
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Türme

Der originale Wachturm an der Bernauer Straße ist nicht mehr erhalten. Er wurde bei der Einrichtung der Gedenkstätte an der ursprünglichen Stelle rekonstruiert.

Der Wachturm an der Bernauer Straße wurde nach dem Mauerfall abgerissen und später rekonstruiert.
  • Der Wachturm an der Bernauer Straße wurde nach dem Mauerfall abgerissen und später rekonstruiert.
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Der symbolische Beobachtungsturm ("B-Turm"), eine 11 Meter hohe abstrakte Stahlskulptur an der Strelitzer Straße, erinnert an den 1990 abgebauten Originalturm an gleicher Stelle.

Der symbolische Beobachtungsturm (B-Turm) an der Strelitzer Straße.
  • Der symbolische Beobachtungsturm (B-Turm) an der Strelitzer Straße.
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Zeichen der Versöhnung

Das Regime nahm beim Mauerbau keine Rücksicht, weder auf Friedhöfe, wie die der Elisabeth- bzw. der Sophiengemeinde, noch auf historische Bauten. Da die neugotische Versöhnungskirche von 1892 mitten im Todesstreifen lag, wurde sie 1985 gesprengt. Einige Relikte wie die Glocken sind erhalten und in einem eigenen Holzgerüst untergebracht. Der Grundriss der alten Kirche wurde durch Stahlstreifen im Boden sichtbar gemacht.

Der Grundriss der gesprengten Versöhnugskirche.
  • Der Grundriss der gesprengten Versöhnugskirche.
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Die Kapelle

Ein besonders eindrucksvolles Zeichen ist die Versöhnungskapelle (2000), die über dem Chor der gesprengten Kirche errichtet wurde. Der ungewöhnliche Stampflehmbau von Martin Rauch ist von einem begehbaren Lamellengehäuse aus Fichtenholz umgeben. Zum Gedenken an die Todesopfer an der Berliner Mauer finden in der Kapelle regelmäßig Andachten statt.

Die Versöhnungskaplle (2000) aus Stampflehm, ummantelt von Fichtenholzlamellen.
  • Die Versöhnungskaplle (2000) aus Stampflehm, ummantelt von Fichtenholzlamellen.
  • hochgeladen von Margot Klütsch
Umgang der Versöhnungskaplle (2000) aus  Fichtenholzlamellen.
  • Umgang der Versöhnungskaplle (2000) aus Fichtenholzlamellen.
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Die Skulptur

Die Bronzeskulptur "Versöhnung" von Josefina da Vasconcellos vor der Kapelle zeigt zwei Frauen, die sich umarmen. Es ist ein Geschenk vom internationalen Versöhnungszentrum der Kathedrale von Coventry an die Gedenkstätte zum 10. Jahrestag der Maueröffnung 1999.

Die Skulptur von Josefina da Vasconcellos vor der Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße
  • Die Skulptur von Josefina da Vasconcellos vor der Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Der Garten: Leben statt Tod

Initiiert von den umliegenden evangelischen Gemeinden liegt hinter der Kapelle der "Garten im Niemandsland". Hobbygärtner haben aus dem Areal im ehemaligen Todesstreifen einen blühenden Treffpunkt als Zeichen des Leben und der Hoffnung gemacht.

Der Garten im ehemaligen Todesstreifen zwischen Kapelle und Mauer ("Niemandsland") ist zu blühendem Leben erwacht.
  • Der Garten im ehemaligen Todesstreifen zwischen Kapelle und Mauer ("Niemandsland") ist zu blühendem Leben erwacht.
  • hochgeladen von Margot Klütsch

Infos
Die Außenausstellung im Gedenkstättenareal an der Bernauer Straße ist uneingeschränkt zugänglich (Montag - Sonntag, 08.00 - 22.00 Uhr).

Zur Gedenkstätte Berliner Mauer gehören das Besucherzentrum sowie das Dokumentationszentrum mit dem Aussichtsturm auf das Gelände und die Dauerausstellung "1961|1989. Die Berliner Mauer". Beide Einrichtungen sind zur Zeit wegen der Corona-Pandemie nicht geöffnet.

Mit diesem Beitrag, der auch zum Totensonntag passt, schließe ich meine Berlin-Beiträge ab. Ich bedanke mich bei allen für die große Resonanz und würde mich freuen, wenn Ihr mich auch zur Bernauer Straße begleitet.

Quellen
Wikipedia
https://www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/

Autor:

Margot Klütsch aus Düsseldorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

34 folgen diesem Profil

12 Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen