Rhein-Ruhr-Express Ausbau
Dialog und Disput in Angermund

470 Züge queren derzeit täglich Angermund.
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Die Deutsche Bahn informierte am 22. März in der Walter-Rettinghausen-Halle am Freiheitshagen in Angermund über den aktuellen Planungsstand zum Rhein-Ruhr-Express (RRX). Die Bahn, die Stadt, der VRR, die Initiative Angermund sowie Handwerk und Handel präsentierten sich an Ständen, die in der Sporthalle ziemlich verloren wirkten.

Initiative hat Klage gegen "Schwarzbau" eingereicht
Die Experten von Stadt und Bahn beantworteten sachliche Fragen, hatten sich aber auch Kritik anzuhören, die von der "Initiative Angermund" angeführt wurde. Bei einer Pressekonferenz zuvor hatte die Vereinsvorsitzende Elke Wagner noch einmal erläutert, worum es der Bürgerinitiative in dem Klageverfahren vorm Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen das Eisenbahnbundesamt als Aufsichtsbehörde geht. Ausführlich legte sie dar, dass es sich schon bei der derzeitigen viergleisigen Trasse um einen "Schwarzbau" handele, weil es nie einen erforderlichen Planfeststellungsbeschluss gegeben habe. Tatsächlich haben weder das Eisenbahnbundesamt noch die DB bislang eine Genehmigung für den Bau der Gleise und der späteren Elektrifizierung vorlegen können. Also gebe es ohne Genehmigung auch nicht den von der Bahn beanspruchten Bestandsschutz für die vorhandenen Gleise. Die Initiative fordert daher einen verträglichen und nachhaltigen Lärmschutz jetzt, die beste Alternative hierzu sei ein Tunnel. Möglich seien aber auch Nachtfahrverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen als Sofortmaßnahme.

Den Tunnel aber hat der Stadtrat 22. März 2018 mit knapper Mehrheit der Ampel-Koalition abgelehnt. Klaus Lorenz aus dem Büro des Oberbürgermeisters und Michael Kolle, technischer Projektleiter des RRX, erklärten anschließend in der Pressekonferenz der Bahn, dass ihnen von einer Klage nichts bekannt sei. Sie würden dieser jedoch völlig gelassen entgegensehen. Man hatte den Eindruck, dass die Nadelstiche der Initiative nerven und die Argumentation nicht ganz ernst genommen wird. Selbst wenn sich ein Schwarzbau bestätige, könne man nachträglich immer noch eine Baugenehmigung erteilen, sagte Lorenz. Derzeit sehen Stadt und Bahn jedenfalls keine Planungsrisiken.

Lärmschutzwand höher als Berliner Mauer
Für den RRX müssen zwei zusätzliche Gleise auf der Westseite verlegt werden. Das ist unumgänglich, da die Trasse bereits jetzt zu 140 Prozent ausgelastet ist. Täglich fahren 470 Züge durch Angermund, nach dem RRX-Ausbau sollen es bis zu 686 werden. Schon jetzt kommt in den Hauptverkehrszeiten laut hörbar fast minütlich ein Zug vorbeirauscht. Dass Lärmschutz nötig ist, bestreitet die Bahn nicht. Michael Kolle erklärte, dass bei der jetzigen Planung auf Wunsch der Stadt 90 Prozent der Anwohner Schallschutz erhielten. Der Stadtrat hatte Optimierungen gefordert, mit denen nicht nur 79 Prozent, sondern für 90 Prozent der betroffenen Bürger der Lärmschutz verbessert wird. Dies will die Bahn mit fünf Meter hohen Wänden (gemessen ab Schienenoberkante) beidseits der Trasse auf 3,8 Kilometern und auf einer Länge von 2,5 Kilometer durch das "besonders überwachten Gleis", das bei Dezibel-Überschreitungen geschliffen wird, erreichen. Inklusive Schotterbett, das laut Kolle zwischen 50 und 80 Zentimeter liege, würden damit fast sechs Meter Höhe erreicht. "Höher als sechs Meter können wir nicht gehen", sagte Kolle. Die Wände sollen 200 Meter südlich der Überanger beginnen und östlich der Trasse bis zur Stadtgrenze Duisburg sowie auf der westlichen Seite bis 200 Meter hinter das Wohngebiet Bilckrath errichtet werden. Damit soll der Lärm um 14 Dezibel auf 59 Dezibel tags und 49 Dezibel nachts reduziert werden. 8 bis 10 Dezibel bedeuteten dabei eine Halbierung des Lärms, erläuterte Kirsten Verbeek, Sprecherin von DB NRW. Für die Gestaltung der Wände will die Bahn zusammen mit der Stadt einen Wettbewerb starten. Ob im Bahnhofsbereich transparente Elemente eingebaut werden, damit der Bahnsteig einsehbar bleibt, sei noch offen. In Einzelfällen werde auch der zusätzliche Einbau von Schallschutzfenstern in Privathäusern geprüft.

Die Bahn hat weitere Forderungen des Rates in die Planung aufgenommen. Dazu gehören der barrierefreie Zugang der Eisenbahnunterführungen an der Straße An den Kämpen und am S-Bahnhof. Gleichzeitig soll der Bahnhofstunnel auf sechs Meter verbreitert werden und einen Radweg erhalten. Die Brücke über die Angermunder Straße soll auf 45 Meter verlängert werden und einen Weg zum Wohngebiet Bilckrath erhalten. Das neue Bauwerk wird eine Bogenbrücke mit einem 10 Meter hohen Bogen sein. Kolle rechnet damit, dass die Arbeiten 2024 in Angermund beginnen können.
Viele Angermunder zeigten sich von den Plänen der Bahn und der Höhe der Wand überrascht. Zum Vergleich: Die Berliner Mauer war "nur" 3,60 Meter hoch. "Dies wäre ein städtebauliches Desaster für den Stadtteil ", kommentierte Elke Wagner. Anregungen zum aktuellen Planungsstand können die Bürger noch bis Ende Juni 2019 der DB zukommen lassen. Weitere Informationen zum RRX im Internet unter www.rheinruhrexpress.de.

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