Friedliche Demo forderte "Freiräume für Bewegung"

Wer mehr Freiräume für Bewegung will, demonstrierte am Samstag seinen Unmut in Flingern.
  • Wer mehr Freiräume für Bewegung will, demonstrierte am Samstag seinen Unmut in Flingern.
  • Foto: Sander
  • hochgeladen von Stanley Vitte

Mehr als 500 Demonstranten versammelten sich am Samstag am Hermannplatz, um von Musik begleitet ihren Unmut gegenüber der allgemeinen Stadtplanung und -entwicklung kundzutun. Ihre Forderung: Mehr Freiräume für Bewegung.

Mit Bollerwagen und einem 7,5 Tonner zogen die Menschen am frühen Abend los, um – begleitet durch Dubstep, Drum&bass und Elektro von den Dj(anes)s Penelope, Saxe und Aelioth – auch tanzend zu demonstrieren und – entsprechend dem eigenen Credo – „etwas in Bewegung zu bringen“. Hintergrund ist der Widerstand gegen die so genannte Gentrifizierung, gegen die sich bundesweit schon seit einiger Zeit Widerstand breit macht. Auch in Düsseldorf, das eigentlich noch nie eine Hochburg des Protests war, wehren sich nun diverse Initiativen und Gruppierungen gegen die Vermarktung ihrer Stadt.

Auf der Webseite www.freiraum-bewegung.de formuliert sich das wie folgt: „Ein-Eurojobs und Niedriglöhne, Zwangsumzüge und Behördenwillkür, Obdachlosigkeit und Gentrifizierung sind auch in Düsseldorf keine Fremdworte. In einer Stadt, in der die Mieten bereits bundesweit zu den höchsten gehören – Tendenz steigend. Und in Zukunft droht noch massivere Wohnungsnot. Doch statt preiswertem Wohnraum fördert die Politik den Verkauf ihrer Grundstücke und Gebäude an Investoren, die noch mehr Luxus-Wohnungen bauen. Statt dem realen Bedarf spielt lediglich Profit eine Rolle. Die Gentrifizierung in den Stadtteilen wird forciert und die Vertreibung von finanziell schwachen Düsseldorfer zur Inwertsetzung der Stadt ist politisch gewollt. Auch über 700.000 m² Büroleerstand, während weitere zur Abschreibung vorgesehene gläserne Büropaläste genehmigt werden, sprechen eine deutliche Sprache.“

Das Besondere an der Düsseldorfer Protestbewegung ist die Teilnahme vieler Düsseldorfer Künstler, die sich von den Entwicklungen besonders betroffen und von der Stadt besonders vernachlässigt fühlen. Die Initiative „Freiräume für Bewegung“ versteht sich als ein Zusammenschluss aus der freien Kulturszene Düsseldorfs. Kunst und Kulturschaffende tun hier sich zusammen, um temporäre Freiräume in Unterführungen zu schaffen, Städtekonkurrenz und Eventisierung der Stadt werden kreativ aufs Korn genommen, Vertreibung und Privatisierung bleiben nicht unkommentiert, und MusikerInnen proben vorm Rathaus statt in verschimmelten und überteuerten Proberäumen, um nur einige Aktionen zu nennen. Die Initiative verkündet: „Verteidigen wir unsere Freiräume, erobern Neue und tanzen an gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse, die uns in solche Nischen zwängen!“

Hintergrund: Gentrifizierung
Gentrifizierung bezeichnet die soziokulturellen und immobilienwirtschaftlichen Veränderungen in ursprünglich preisgünstigen Stadtvierteln, in denen Immobilien zunehmend von wohlhabenderen Eigentümern und Mietern belegt und baulich aufgewertet werden und in denen in diesem Zuge Gruppen mit einem niedrigeren Sozialstatus ersetzt oder verdrängt werden.

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