„Rettet die Luegallee“ – Kontroverse um einspurige Straßenführung und Alleenkahlschlag für Hochbahnsteige auf der Luegallee

Luegallee Bestand mit mittigem Grünstreifen und durchgängiger Allee aus geschnittenen Platanen
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  • hochgeladen von Holger Schiele

Vergangene Woche konnten sich Bürgerinnen und Bürger in einem auf dem Belsenplatz aufgestellten Informationswagen über die geplante barrierefreie Gestaltung der dortigen Straßenbahnhaltestellen und Verengung der Luegallee auf eine Fahrspur informieren. Hierbei entfaltete sich eine lebhafte Diskussion. Der aktuelle Entwurf sieht vor, die Stadtbahnhaltestellen auf dem Belsenplatz aufzugeben und einen Hochbahnsteig in der Luegallee zu errichten. Die Bushaltestelle soll in die Quirinstraße verlegt werden. Als Alternative wurde die Idee einer Verlagerung des Bahnsteigs vor das neuen Geschäftszentrum Belsenpark in Richtung Hansaallee ins Spiel gebracht.
Der geplanten Hochbahnsteighaltestelle auf der Luegallee in Höhe Cheruskerstraße/Buchhandlung Gossens stehen indes ca. 35 satzungsgemäß geschützte Bäume im Wege, wovon das Grünflächenamt jedoch hofft, mehrere Bäume durch Umpflanzungen retten zu können. Durch den neuen Hochbahnsteig sollen Personen mit eingeschränkter Mobilität, wie Rollstuhl- oder Rollatorfahrer besseren ÖPNV-Zutritt erlangen. Dafür muss der Individualverkehr auf eine Fahrbahn verzichten, was lt. Verkehrsschätzung ausreichend sein soll, da nur 1200 Fahrzeuge die Luegallee passieren. Die Richtlinie für Zweispurigkeit gehe aber von 1500 Fahrzeugen aus. Darüber hinaus wurde darauf verwiesen, dass der Umbau ohnehin alternativlos sei, da barrierefreier ÖPNV bis 2022 gesetzlich vorgeschrieben sei. Im Übrigen würden die Kosten überwiegend von der Rheinbahn getragen.
Die Kosten des Umbaus – die für ganz Düsseldorf auf über 200 Mio. € geschätzt werden – wurden jedoch kontrovers diskutiert. (Zum Vergleich: Die vormals schuldenfreie Stadt Düsseldorf wird voraussichtlich zum Jahresende bereits 80 Mio. € Schulden aufweisen, trotz Sondererträgen von 197 Mio. € aus dem Verkauf des Kanalnetzes.) Für die Haltestelle am Belsenplatz entstehen Kosten von etwa 5 Mio. €, wovon ca. 3 Mio. € für die neuen Hochbahnsteige und die weiteren Kosten für den Straßenbau, die Oberflächengestaltung und den Leitungsbau anfallen. Eine große Anzahl von Leitungen müsste neu verlegt werden. Auf bestimmte Rheinbahnkosten gibt es einen VRR-Zuschuss von ca. 40-60 Prozent, welcher ebenfalls aus Steuergeldern gespeist wird. Die Straßenbaukosten bleiben bei der Stadt. Da die Rheinbahn hochdefizitär ist, landen auch deren Kosten schließlich beim Steuerzahler der Stadt Düsseldorf. Auch wenn somit nur eine indirekte Belastung des Stadthaushalts entsteht, beklagten einige Bürger dennoch, dass für Hochbahnsteige Mittel vorhanden seien, für andere wichtige öffentliche Maßnahmen wie den Ausbau der Kinderbetreuung oder der Schulen aber nicht zur Verfügung stehen.
Die gesetzliche Alternativlosigkeit der Baumaßnahmen wurde bei den Diskussionen in Frage gestellt, zumal auch in anderen europäischen Großstädten entsprechende flächendeckende Großprojekte nicht sichtbar sind. Hinzu kommt, dass das Gesetz Ausnahmen zulässt, wenn baulich keine Hochbahnsteige realisiert werden können. Das ist bei der aktuellen Haltestelle anzunehmen, weil zum Bau am heutigen Standort das Gebäude der angrenzenden Bäckerei abgerissen werden müsste.
Ebenfalls in Frage gestellt wurde, ob durch den Bau des ca. 100m langen Hochbahnsteiges im schon heute für Fußgänger sehr engen Straßenraum der Luegallee die zusätzlichen Fußgängerströme von rund 14.000 Fahrgästen des heutigen Belsenplatzes verkraftbar wären. Gefährliche Situationen an den engen Querungsstellen des Hochbahnsteiges wie sie auch an den Hochbahnsteigen auf dem Nikolaus-Knopp-Platz in Heerdt trotz deutlich geringerer Belastung auftreten, wurden befürchtet.
Was den Autoverkehr auf der Luegallee betrifft, so wurde beklagt, dass sich schon jetzt der Verkehr wegen baustellenbedingter einspuriger Streckenführung im weiteren Verlauf der Luegallee zu Stoßzeiten staue. Der vorliegende Entwurf würde diesen Zustand verstetigen. Diese und weitere Konsequenzen wie der massive Verlust von Kurzzeitstellplätzen lässt negative Auswirkungen auf den örtlichen Einzelhandel befürchten.
Das notwendige Fällen der Bäume auf der Luegallee verändert das Stadtbild. Der Alleecharakter der Luegallee als Visitenkarte Oberkassels würde weitgehend verschwinden. Vom zukünftigen „Charme einer Kölner Landstraße“ war die Rede, spätestens wenn noch einmal so viele Bäume für einen Hochbahnsteig Barbarossaplatz gefällt werden müssen. Oberkassel verlöre dadurch weiter an Attraktivität, der besondere Charakter des Stadtteils verschwindet.
Wie viele Menschen mit Mobilitätsbehinderung von der Maßnahme profitieren würden, konnten die Aussteller nicht mitteilen. Es gibt keine Kosten-Nutzen-Analyse. Zu vermuten ist allerdings, dass mit 5 Mio. € die Kosten etwaiger Fremdhilfe zum Einstieg für Jahrzehnte, wenn nicht gar für Jahrhunderte bestritten werden könnten und dabei sogar noch für Arbeitsplätze sorgen würden. Hebebühnen in den Straßenbahnen, wie etwa in Amsterdam, könnten eine Alternative mit weniger Nebenwirkungen sein.
Vor dem Hintergrund dieser Kontroversen hat sich inzwischen eine Bürgerinitiative zur Rettung der Luegallee gegründet (buergerinitiative_luegallee@gmx.de).
Welche Alternativen gibt es, mehr Raum für Fußgänger zu gewinnen, den Kahlschlag auf der Luegallee zu verhindern und eventuell sogar Kosten zu sparen? Eine Alternative könnte es sein, den Hochbahnsteig in Richtung Hansaallee vor das Geschäftszentrum Belsenpark zu verschieben. Dort ist genug Fläche vorhanden und die missglückte kurvenreiche Anbindung der Theo-Champion-Straße könnte gelöst werden.
Insgesamt stellt sich die Frage, ob zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt durch Baumaßnahmen Fakten geschaffen werden sollten, die sich im Nachhinein wohlmöglich als unnötig herausstellen. So wird schon seit längerem der Ausbau der U81 diskutiert, in Folge dessen die Streckenführung der U75 geändert werden könnte. Würde diese zukünftig zunächst über die Hansaallee geführt und erst in Höhe der Prinzenallee in Richtung Heerdt abbiegen, würde das heute aus verkehrsplanerischer Sicht alternativlos erscheinende Zusammenlegen aller Linien in der denkmalgeschützten Luegallee schnell ad absurdum geführt.

Luegallee Bestand mit mittigem Grünstreifen und durchgängiger Allee aus geschnittenen Platanen
Luegallee Planung mit Hochbahnsteig

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