Aspekte islamischer Sexualmoral
Aspekte islamischer Sexualmoral

Sexualität im Islam

Aspekte islamischer Sexualmoral

Mimoun Azizi

Zusammenfassung:
Die Sexualität wird in der islamischen Welt weiterhin tabuisiert und ist dennoch stets präsent. Die Sexualität im Islam prägt die Islamische Ethik und Rechtslehre sowie das Familien- und gesellschaftliche Leben sehr stark. Der Islam ist eine der drei monotheistischen Religionen, die allerdings im Vergleich zum Christentum und Judentum das gesamte Leben des Individuums erfasst. Der Islam regelt, beziehungsweise definiert im Sinne eines religiös-rituellen Prinzips, den Umgang miteinander im Alltag, in der Ehe, in der Familie und in der Gesellschaft, wie auch im gesamten islamischen Staate an sich. Die wichtigsten Rechtsquellen des Islams sind in erster Linie der Koran und die Sunna. Beide enthalten Empfehlungen hinsichtlich des Sexualverhaltens in muslimischen Gesellschaften. Diese Hinweise/Regeln werden von sogenannten Ulama beziehungsweise Rechtsgelehrten in Form von Gutachten für die Muslime erörtert. Die sogenannten Fatwas (Gutachten) hinsichtlich der Sexualität enden in einem Verhaltenskodex. Dieser regelt den Umgang mit Geschlechtsverkehr unter Paaren innerhalb und außerhalb der Ehe. Aber auch im Hinblick auf Homosexualität und künstliche Befruchtung.

Schlüsselwörter:
Islam, Sexualität, sexueller Mißbrauch, künstliche Befruchtung, Koran, Hadith, Rechtsgelehrte, Fatwa

Summary
Sexuality continues to be taboo in the Islamic world and is still present. The sexuality in Islam shapes the Islamic ethics and law as well as the family and social life very strongly. Islam is one of the three monotheistic religions, but in comparison to Christianity and Judaism it covers the entire life of the individual. Islam regulates, or defines in the sense of a religious-ritual principle, dealing with each other in everyday life, in marriage, in the family and in society, as well as in the entire Islamic state itself. The main legal sources of Islam are first and foremost the Koran and the Sunnah. Both contain recommendations regarding sexual behavior in Muslim societies. These references / rules are discussed by so-called ulama or jurists in the form of appraisals for the Muslims. The so-called "fatwas" (opinions) regarding sexuality end in a code of conduct. This regulates the handling of sexual intercourse among couples inside and outside of marriage. But also in terms of homosexuality and artificial insemination.

Keywords:
Islam, sexuality, sexual abuse, artificial insemination, Koran, hadith, jurists, fatwa

1. Einführung
Sowohl der Koran als auch die Sunna, wie auch die Rechtsgelehrten bejahen die Sexualität als Gabe Gottes zur Fortpflanzung, sie diene aber auch als Vergnügen für den Menschen. Ein Verzicht auf Sexualität im Leben würde aus dieser Sicht der göttlichen Schöpfungsordnung widersprechen und wäre somit zutiefst unislamisch. Auch wenn der Islam in der Sexualität neben dem Prinzip der Fortpflanzung auch das Vergnügen bejaht, so besteht das Bestreben, den menschlichen Sexual- beziehungsweise Geschlechtstrieb kontrollieren zu wollen. Um diese Sexualtriebe zu kontrollieren, bedarf es Regeln, die eine sogenannte Unzucht außerhalb der Ehe verhindern. Nach Auslegung des Islam und je nach politischer Motivation, können diese Regeln liberal, aber auch konservativ bis hin zu religiös-extremistisch ausgelegt werden. Die sogenannte Unzucht kann sich auf Zweisamkeit beziehen, auf den Austausch von Zärtlichkeiten, in einigen Ländern bereits auf den Blickkontakt oder auf das Händeschütteln mit dem anderen Geschlecht. In einigen Ländern ist sogar das Telefonieren oder das Autofahren verboten, weil es als Unzucht verstanden wird. In einigen islamischen Ländern herrschen daher eine strenge Trennung der Geschlechter sowie eine strenge Kleiderordnung, die dazu dienen, dass der sogenannte weibliche Reiz nicht zum Vorschein komme. Dies kann zur Konsequenz haben, dass es getrennte Schulen gibt oder dass der Schwimmunterricht für Mädchen verboten wird und somit eine erhebliche Einschränkung nach sich zieht. Die Strenge der Sexualmoral korreliert mit der Ausprägung der Frömmigkeit innerhalb der Familie. So kann ein Zuwiderhandeln in streng religiös orientierten Familien, insbesondere die Frauen betreffend, zu schweren Konsequenzen führen. Diese strenge Auslegung der Sexualmoral in vielen Ländern der islamischen Welt, beziehungsweise in Teilen einiger islamischer Länder, führt dazu, dass viele Menschen heimliche Beziehungen führen oder ausweichende Sexualpraktiken, wie Prostitution führen.

2. Islamische Sexualethik- und Moral
Doch wie streng ist die islamische Sexualethik und Sexualmoral in der heiligen Schrift? Beziehungsweise liegt es womöglich an den sogenannten Rechtsgelehrten, die sich der Interpretation der heiligen Schrift verschrieben haben, dass diese Sexualmoral strenger zur Geltung kommt, als dies in der heiligen Schrift der Fall ist? Fakt ist, dass nahezu für die gesamte islamische Welt gilt, dass das Sexualverhalten islamkonform zu sein hat. Dies betrifft allerdings beide Geschlechter. In einigen Ländern ist der Druck auf die Mädchen und Frauen wesentlich größer, als auf die Männer. In Saudi-Arabien und im Iran wird die Kleidung der Frau vorgeschrieben. In vielen anderen islamischen Ländern hingegen nicht. Jedoch achtet in den anderen Ländern nicht der Staat auf die Einhaltung dieser Regeln, sondern vielmehr die Familie. Wo der Staat nicht regelnd und sanktionierend eingreift, da übernimmt meistens die Familie die Rolle des Staates. In den meisten Islamischen Ländern wird darauf geachtet, dass sich Mädchen sittsam verhalten und leider werden Homosexuelle und Prostituierte in diesen Ländern nicht nur geächtet, sondern auch verfolgt.

3. Doch wie sieht eigentlich diese Sexualmoral im Islam aus?
Die islamische Ethik befürwortet die Sexualität. Der Islam kennt kein Zölibat. Für den Islam ist ein freiwilliger Verzicht auf Sexualität ein Verstoß gegen die göttlichen Gesetze. Menschen in den islamischen Ländern, die auf Sexualität freiwillig oder gezwungenermaßen verzichten, werden misstrauisch beobachtet, beziehungsweise bemitleidet. Im Hinblick auf das Zölibat äußert sich der Koran eindeutig: „Hierauf ließen wir hinter ihnen her unsere weiteren Gesandten folgen. Und wir ließen Jesus, den Sohn der Maria folgen und gaben ihm das Evangelium, und wir ließen im Herzen derer, die sich ihm anschlossen, milde Platz greifen, Barmherzigkeit und Mönchtum. Sie brachten es (von sich aus) auf. Wir haben es ihnen nicht vorgeschrieben. Sie haben es vielmehr von sich aus im Streben nach Gottes Wohlgefallen auf sich genommen. Doch hielten sie es nicht richtig ein. Und wir gaben denjenigen von ihnen, die glaubten, ihren Lohn. Aber viele von ihnen waren Frevler.“1 Dieser Koranvers bezieht sich auf die sexuelle Enthaltung der buddhistischen und christlichen Mönche. Daher gibt es vom Propheten Mohammed den berühmten Ausspruch: „Es gibt kein Mönchtum im Islam“. Der Islam sieht die Sexualität im Rahmen einer Ehe als eine natürliche Bestimmung des Menschen, ja sogar eine Pflicht für jeden Menschen. Folglich dürfte es keine Menschen geben, die ohne Sex leben, weil diese nicht den richtigen Partner gefunden haben. Daher wird in den meisten islamischen Ländern der Welt die Wahl des Partners als eine familiäre Angelegenheit angesehen. „Der Geschlechtsverkehr und der Geschlechtstrieb gehören zur natürlichen Veranlagung der meisten Menschen […], um die Nachkommenschaft und die Menschheit […] zu erhalten. Wer sich davon abwendet und sich zurückhält, ist womöglich krank. So sollte sich dieser Mensch behandeln lassen und nach Heilung suchen. Sie sollten folglich, wenn es nicht anders geht, eine Psychologin/einen Psychologen aufsuchen.“2

4. Der Prophet Mohammed als Vorbild einer gesunden islamischen Sexualmoral
Der Religionsstifter und Prophet Mohammed hob in seinen Predigten, Reden aber auch durch sein eigenes Leben die Bedeutung der Sexualität im menschlichen Dasein hervor. Er selbst heiratete im Jahre 595 n. Chr. seine erste Ehefrau Chadidscha, die 15 Jahre älter als er war und bereits zweimal verheiratet gewesen war. Somit war seine erste Ehefrau sexuell erfahren und gleichzeitig signalisiert er mit dieser Heirat, dass zum einen das Alter des Partners nicht von Relevanz ist und zum anderen, dass eine Frau weder Jungfrau sein muss bzw. in Abstinenz gelebt haben muss, um zu heiraten. Da das Verhalten des Propheten in der Sunna eine fundamentale Rolle spielt, ist seine Heirat mit einer bereits zweimal geschiedenen und älteren Frau beispielhaft und wegweisend. Seine Frau war nicht nur zweimal geschieden, sondern auch eine recht tüchtige Geschäftsfrau und für ihn eine große Stütze. Somit signalisierte der Prophet Mohammed den Muslimen, dass eine Frau sich scheiden lassen darf, mehrmals heiraten darf und Geschäftsfrau sein darf, genauso wie der Mann auch. Dieser Frau blieb der Prophet bis zu ihrem Tode im Jahr 619 treu und sie war seine einzige Ehefrau bis zu ihrem Tode. Danach allerdings hatte der Prophet selbst zahlreiche Frauen. Der Islam erlaubt bzw. erlaubte aus historischen Gründen das Heiraten von vier Frauen. Aus muslimischer Sicht diente die Erlaubnis vier Frauen zu heiraten einzig der Versorgung von Kriegswitwen. Der für die Muslime vorbildhafte Prophet zeigte damit, dass ein intensives Sexualleben im Islam nicht nur erlaubt ist, sondern sogar empfohlen wird.

5. Sexualität und Reinheit
Der Islam unterscheidet zwischen der großen und der kleinen Unreinheit. Die kleine Unreinheit bezieht sich auf die Entleerung von Blase und Darm, die große Unreinheit hingegen bezieht sich bei Frauen auf die Menstruation und bei Männern auf den Geschlechtsverkehr. In beiden Fällen, sowohl bei der kleinen Unreinheit als auch bei der großen Unreinheit, ist eine rituelle Reinigung, bei der es sich um eine Ganzkörperwaschung handelt, vorgeschrieben. Während der Zeit der Menstruation ist der Geschlechtsverkehr nicht erlaubt. Auch während der Fastenzeit im Ramadan sind sexuelle Handlungen zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht erlaubt. Im Islam sind weder die Sexualität noch sexuelle Träume an sich sündhaft, weil die Sexualität an sich durch den Islam bejaht wird und weil sexuelle Träume jenseits der menschlichen Beeinflussbarkeit liegen und somit auch nicht durch den Menschen selber verhindert werden können.

6. Sexuelle Aufklärung bei muslimischen Mitbürgern
In den muslimischen Ländern gibt es keine sexuelle Aufklärung in den Schulen, erst recht nicht in den Koranschulen. Meistens werden die Töchter vor ihrer Heirat kurz von der Mutter oder einer älteren Verwandten aufgeklärt. Bei Söhnen erfolgt die Aufklärung durch männliche Verwandte, aber selten durch den Vater selbst, weil das Schamgefühl sehr ausgeprägt ist. Man geht ohnehin davon aus, daß die neuen Ehepartner es schon hinbekommen werden. Schließlich habe man die Eltern der Braut und des Bräutigam auch nicht aufgeklärt und dennoch ist alles in bester Ordnung. An diesem Prinzip hat sich in den islamischen Ländern bis heute nichts verändert.Wie den Massenmedien zu entnehmen ist, gestaltet sich die sexuelle Aufklärung von Kindern mit muslimischem Hintergrund in Deutschland schwierig bis unmöglich, weil entweder die Kinder aufgrund ihrer Erziehung den Unterricht nicht aufsuchen oder die Eltern sich selbst einschalten. Untersuchungen zeigen, dass türkischstämmige Kinder sehr selten mit ihren Eltern über Sexualität sprechen (weniger als 10 %). Dies hängt womöglich damit zusammen, dass die Eltern selber diesbezüglich nicht aufgeklärt worden sind. Grundsätzlich ist eine sexuelle Aufklärung von Kindern im Islam nicht verboten. Dieser niedrige Wert bei türkischstämmigen Muslimen in Deutschland ist eher traditionsbedingt als religiös. Allerdings spielt das Schamgefühl in diesen Familien eine große Rolle. Die Eltern befürchten einen Autoritätsverlust und die Jugendlichen andererseits trauen sich nicht, ihre Eltern diesbezüglich zu fragen.

7. Islam und Homosexualität
Auf den ersten Blick scheint die Antwort eindeutig zu sein. Man glaubt, dass es auf die Frage, wie der Islam als Religion zur Homosexualität steht, diesbezüglich nur eine einzige Antwort gebe. Würde man einen strenggläubigen traditionellen Islamgelehrten fragen, dann könnte die Antwort lauten, dass der Islam jegliche Art von Homosexualität ablehne. Damit ist der Sex zwischen Männern wie auch zwischen Frauen gemeint. Dieser würde eine solche Art von Sexualität als Sünde und als einen massiven Verstoß gegen die göttlichen Gesetze ansehen. Diese Ansicht vertreten übrigens nicht nur streng traditionelle Islamgelehrte, sondern durchaus auch moderate Organisationen, die der Meinung sind: „[…] Ehebruch ist eine schwere Sünde, aber Homosexualität, d. h. ihre Ausübung, eine noch viel schwerere. Gott hat das Volk Lots, das als erstes Homosexualität praktizierte, verdammt und bestraft […].“3
Die Geschichte Lot entstammt dem Koran.

8. Doch was sagt der Koran zur Homosexualität wirklich?
Für die Koranausleger ist die Sachlage einfach und eindeutig. Das Volk Lots habe als erstes Homosexualität praktiziert und sei daher verdammt. Andere verstanden unter der Sexualität zwischen den gleichen Geschlechtern beim Volke Lot eine sog. Knabenliebe. Allerdings ergibt sich bei genauer Betrachtung dieser Texte und der Kommentatoren, dass der Koran nicht explizit von Sex und schon gar nicht von Homosexualität und Knabenliebe spreche. Sowohl Homosexualität und Knabenliebe als auch Analverkehr sind Begriffe, die im Koran nicht zu finden sind. Es gibt eine arabische Redewendung, die lautet „zu jemandem im Gelüst kommen“, das ist nicht gleich mit sexueller Bedeutung zu übersetzen. Das kann Sinneslust bedeuten, Wunsch, Begehren, aber bedeutet nicht unbedingt spezifische sexuelle Handlungen. Im Koran heißt heißt es, das Volk Lots tut, „was keiner in der Welt je zuvor getan hat“ bzw. „wie es noch keiner von den Menschen in aller Welt vor euch begangen hat.“4 Dies muss sich nicht unbedingt auf die Sexualität beziehen, sondern auf das unethische Verhalten dieses Volkes bezogen auf andere Aspekte. Daraus schlussfolgern zu wollen, dass hiermit Homosexualität gemeint sein könnte, ist vage und wissenschaftlich nicht haltbar. Der Koran spricht jeden Menschen persönlich an und regt ihn zum Nachdenken an. Es bedarf keiner Rechtsgelehrten, die den Menschen die Heilige Schrift nahebringen sollen. Die Interpretation dieser Rechtsgelehrten hat dazu geführt, dass Homosexualität als Sünde betrachtet wird und Homosexuelle in den islamischen Ländern verfolgt werden. Bei genauer Betrachtung des Korans jedoch, ist in keiner Sure etwas über Homosexualität als Sünde zu finden. Es kann aber nicht geleugnet werden, dass Homosexualität in den meisten muslimischen Ländern heutzutage fatale Folgen für die Betroffenen hat. Im Koran heißt es weiter: „Wenn welche von euren Frauen eine Schandbarkeit begehen, so nehmt vier von euch zu Zeugen gegen sie und wenn sie es bezeugen, so schließt sie ein in die Häuser, bis der Tod ihnen naht oder Gott ihnen einen Ausweg verschafft. Und diejenigen, die es von euch begehen, straft beide. Wenn sie aber bereuen und sich bessern, so lasst ab von ihnen, denn Gott ist vergebend und barmherzig.“5 Diese Sure wurde von den klassischen Korangelehrten auf Unzucht und Ehebruch bezogen. Das heißt also auf Homosexualität, also demnach auf Geschlechtsverkehr zwischen Männern und Frauen. Darin sehen die alten, traditionsgebundenen Rechtsgelehrten eine Aufforderung zur Bestrafung der Homosexualität. Moderne Interpreten jedoch sehen diese Sure als nicht gegen Homosexualität gerichtete Strafvorschrift.

9. Homosexualität im Hadith
Zwar ist im Islam der Koran die wichtigste Quelle, weil der Koran als direkte Offenbarung gilt. Die zweite wichtige Quelle im Islam ist die Sunna, d. h. der Brauch des Propheten. Die Sunna setzt sich aus tausenden von Überlieferungsberichten zusammen. Einen solchen Bericht bezeichnet man als Hadith. In den Hadithen findet man Aussprüche und Verhaltensweisen des Propheten. Viele, bzw. die Mehrheit, der Muslime richtet sich nach dem Verhalten und den Lebensweisen des Propheten. Daher heißt die Mehrheit der Muslime auch Sunniten. Zweifelsfrei legen viele Hadithe dem Propheten Worte in den Mund, aus denen hervorgeht, dass er jene Menschen, die sich wie das Volk Lots verhalten haben, verdamme. Doch was ist das Verhalten des Volkes Lots? Ist es tatsächlich Homosexualität oder fehlende Frömmigkeit? Offensichtlich wird hier Homosexualität mit fehlender Frömmigkeit gleichgesetzt. Im Arabischen existiert der Begriff „lutiya“ bzw. „liwat“. Es entspringt dem Wort Lots. Übersetzt heißt es Sodomia. Damit meint man im Arabischen den Analverkehr, während man im Lateinischen damit Sex mit Tieren meint. Somit könnten die Hadithe, die hinzugezogen werden, um die Homosexualität zu verdammen, sich am ehesten auf Beschlafen eines Tieres beziehen. Sex zwischen Frauen wird als Reiberei bzw. Tribadie bezeichnet. Der Sex zwischen Frauen scheint in der islamischen Theologie keine große Rolle zu spielen. Auch interessieren sich hierfür keine Gelehrten.

10. Sexualität im realexistierenden Islam
Bei genauer Betrachtung der islamischen Geschichte wird man feststellen, dass Homosexualität gang und gäbe war. Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass es im Koran selbst Stellen gibt, die homoerotisch sind. In den Paradiesbeschreibungen, insbesondere in den koranischen Paradiesbeschreibungen, gibt es hier nicht nur die großäugigen Jungfrauen, die sog. Huris, deren Geschlecht im Koran nicht klar definiert ist. So könnten sie bei der Betrachtung mancher Suren sowohl männlich als auch weiblich sein.6 So ist in der Heiligen Schrift zu lesen: „Burschen, die sie (damit sind die Paradiesbewohner gemeint) bedienen, sind so vollkommen an Gestalt, als ob sie wohlverwahrte Perlen wären, machen unter ihnen die Runde.“6 Und beschreibt das Leben im Paradies wie folgt:„Auf golddurchwirkten Ruhebetten liegen sie behaglich einander, während ewig junge Knaben die Runde unter ihnen machen mit Humpen und Kannen voll Wein und einem Becher voll von Quellwasser.“7

11. Fazit:
Daraus kann geschlussfolgert werden, dass Homosexualität, sowohl die männliche als auch die weibliche, bezieht man sich auf den Koran und nicht auf Interpretationen durch strenggläubige und erzkonservative Rechtsgelehrte, nicht verboten und auch nicht als Sünde angesehen werden.

12. Liebe und Partnerschaf im Islam:
Auch im Hinblick auf Liebe und Partnerschaft gibt es im Koran diesbezüglich keine eindeutigen Verbote. In der Sunna finden sich Hadith, die Liebe und Partnerschaft als göttlich und menschlich ansehen und befürworten. So soll der Prophet Folgendes gesagt haben: „Meine Liebe gehört denen, die einander um meinetwillen lieben, die um meinetwillen zusammen sind, die einander um meinetwillen freigiebig beschenken und die einander um meinetwillen besuchen.“8 Der berühmte Ibn Hazm äußerte sich diesbezüglich wie folgt: „Die Frömmigkeit verdammt die Liebe nicht und das Gesetz verbietet sie nicht, stehen doch die Herzen in Gottes, des Mächtigen und Erhabenen, Hand.“9 Ähnliches ist im Koran zu lesen. Dort heißt es: „Zu seinen Zeichen gehört, dass er für euch Partner aus euch selber geschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet, und er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit bewirkt. Darin sind fürwahr Zeichen für Leute, die nachdenken. Und zu seinen Zeichen gehören die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Darin sind fürwahr Zeichen für die Wissenden.“10 Daraus kann und muss sogar geschlussfolgert werden, dass Liebe, Partnerschaft und Sex verschiedene Formen haben können und dass diese sich nicht überall und für alle Zeit nach einer bestimmten Form richten, die historischer Natur ist oder gar traditioneller Natur ist. Das bedeutet aber auch, dass für Homosexualität in dieser Religion Platz ist, einmal abgesehen davon, dass die Ehe im Islam keiner Segnung bedarf. Die Ehe basiert auf einem Zivilvertrag zwischen zwei Parteien, es ist kein Geistlicher erforderlich.

13. Fazit:
Jedoch muss man den Islam an sich und den real existierenden Islam auseinander halten. Im heutigen streng konservativ ausgerichteten Islamverständnis, insbesondere in fundamentalistischen Kreisen, wird es weiterhin bedauerlicherweise keinen Platz für Homosexualität geben. Es kann also insgesamt geschlussfolgert werden, dass der Islam die Sexualität bejaht, und zwar nicht nur, damit der Mensch sich fortpflanze, sondern auch, damit die Menschen sich vergnügen. Somit spielt aus islamischer Sicht, und dabei beziehe ich mich auf die reine Lehre und weniger auf den real existierenden Islam, weder das Alter zwischen Partnern eine Rolle, noch ob einer der Partner schon zuvor mehrere Partner gehabt hat, geschieden ist oder gar keine sexuelle Erfahrung hat. Auch ist dem Koran eine Ablehnung hinsichtlich Homosexualität nicht zu entnehmen.

14. Schlussfolgerung:
Der Umgang mit Sexualität im islamischen Raum war über Jahrhunderte deutlich ungezwungener als im christlichen Abendland. Zwar gab es konservative Vorstellungen schon immer in der muslimischen Welt, dennoch existierten mehrere Diskurse gleichzeitig nebeneinander. Es ist unbestritten, dass es Kalifen gab, die Beziehungen zu Männern hatten, viele muslimische Gelehrte verfassten homoerotische Schriften, andere sogar Sexualhandbücher. Ferner war die Prostitution besteuert, aber an sich stellte sie kein Problem dar. Diese Praxis wurde über Jahrhunderte gelebt und existierte neben einem religiösen Diskurs wie neben zahlreichen Moscheen und Sufiorden. Mit dem Beginn des Kolonialismus wurde in weiten Teilen der islamischen Welt die europäische Sexualmoral übernommen. Es gibt viele muslimische Gelehrte, die heute eine bedeutende Rolle im Hinblick auf Korankommentare spielen, die aber gleichzeitig zahlreiche Werke über Sex und Erotik verfassten. Bedauerlicherweise wissen dies die wenigsten Muslime heutzutage. Die meisten Normen, die heute von den Muslimen als urislamisch angesehen werden, gab es bereits in der vorislamischen Zeit oder wurden vom christlichen Abendland übernommen. Im Vergleich zum christlichen Glauben ist der Islam im Hinblick auf Sexualität deutlich offener und entspannter. Im Islam gab es im Hinblick auf die Sexualität viele Formen von Beziehungen, die bedauerlicherweise später verboten worden sind. Es gab lesbische Beziehungen, Polygamie für Frauen, offene Beziehungen. Im Vergleich zum Christentum war der Islam, wie bereits erwähnt, viel offener. Die christlich-orthodoxe Tradition war deutlich strenger und prüder als der Islam. Der Grund, warum sich diese sexuelle Offenheit im Islam in der heutigen islamischen Welt verändert, ist zum einen auf den Kolonialismus zurückzuführen, während dieser Zeit übernahmen viele islamische Länder die Traditionen und Gepflogenheiten der Kolonialherren, zum anderen war der Islam nicht nur Religion, sondern eine Ideologie, die notwendig war als Antithese zum Kolonialismus. Daraus resultierte bzw. entstand die Ideologie des Islamismus, die in den letzten 200 Jahren eine sehr strenge Sexualmoral in den islamischen Ländern etabliert hat. Die viktorianische Vorstellung von Sexualität, die mit der Zivilisation korreliert, wurde von diesen neu entstandenen islamischen Nationalstaaten mit einer islamistischen Ideologie übernommen und bis heute am Leben erhalten. Die Liebe und damit einhergehend die Sexualität spielt im Islam eine wesentliche und auch eine sehr positive Rolle. So heißt es bei dem berühmten Mystiker Dschalaluddin Rumi: „Wo die Liebe ist, gibt es kein Ich“. So schreibt er in seinem Gedicht Traumbild des Herzens: „Laut schnalz ich mit den Fingern, weil ich ihn sehe, bald beiß ich mir in den Finger vor Liebesweh. Ich greife, den Mond zu erhaschen, in einen See. Da ruft von oben der Mond mir: Am Himmel ich steh.“ Die Sufis verstehen die Liebe als die Vereinigung mit dem Göttlichen.

15. Sexueller Missbrauch im Islam
Einleitung:
Zweifelsohne beherrschten die Begriffe Zwangsheirat und Kinderehen bezüglich muslimischer Mädchen und Frauen den Diskurs der letzten Jahre nicht nur in Deutschland, aber insbesondere in Deutschland und dem restlichen Westeuropa. Der Diskurs war undifferenziert, verallgemeinernd und basierte vor allen Dingen auf Unwissenheit oder unseriösen Quellen. Es ist unbestritten, dass es in vielen islamischen Ländern Zwangsverheiratung gibt, so wie es auch unbestritten ist, dass es nach wie vor in einigen islamischen Ländern Kinderehen gibt. Sowohl die Zwangsverheiratung als auch die Kinderehen sind aber die Ausnahmen. In der heutigen Zeit suchen in den meisten islamischen Ländern, dazu gehören die gesamten nordafrikanischen Staaten, Jordanien, Libanon, Syrien, Irak, Palästina, die Türkei und die zentralasiatischen muslimischen Staaten, nicht die Eltern die Braut für ihren Sohn oder den Bräutigam für ihre Tochter. Vielmehr ist es so, dass mit zunehmender Modernisierung dieser Gesellschaft auch arrangierte Hochzeiten sehr selten sind. In einigen Ländern jedoch, wie zum Beispiel in Saudi-Arabien, sind arrangierte Hochzeiten die Regel.

Introduction:
Undoubtedly, the terms forced marriage and child marriage regarding Muslim girls and women dominated the discourse of recent years not only in Germany, but especially in Germany and the rest of Western Europe. The discourse was undifferentiated, generalizing and above all based on ignorance or dubious sources. It is undisputed that in many Islamic countries there is forced marriage, as it is undisputed that there are still child marriages in some Islamic countries. Both forced marriage and child marriages are the exceptions. At present, in most Islamic countries, including the entire North African states, Jordan, Lebanon, Syria, Iraq, Palestine, Turkey and the Central Asian Muslim states, parents do not seek the bride for her son or the bridegroom for her daughter , Rather, with the modernization of this society, arranged weddings are very rare. However, in some countries, such as Saudi Arabia, arranged weddings are the norm.

16. Die Realität:
Obwohl der Islam und der Koran die Gewalt gegen Frauen, darunter auch sexuelle Gewalt, sowie gegen Kinder und Schutzbefohlene verbietet, kommt es durchaus vor, dass Frauen gegen ihren Willen zu Geschlechtsverkehr gezwungen werden. Dies geschieht sowohl außerhalb als auch innerhalb der Ehe, insbesondere in den Ländern, wo die Familienstrukturen nach wie vor sehr stark ausgeprägt sind, wie z. B. in Saudi-Arabien. Aber durchaus auch noch in einigen anderen islamischen Staaten haben die verheirateten Frauen selten die Möglichkeit, aus einer Ehe, die von Gewalt und sexueller Gewalt geprägt ist, zu entkommen. Viele dieser Frauen fügen sich ihrem Schicksal und erleiden dabei schwerste psychische Erkrankungen, wie posttraumatische Belastungsstörungen und andere psychosomatische Erkrankungen. Andere können diese Gewalt nicht aushalten und finden keine Mechanismen der Kanalisation, sodass sie sich versuchen zu suizidieren, nicht selten erfolgreich, um dieser Gewalt zu entkommen, wohlwissend, dass ein Suizid im Islam verboten ist. Es existiert in der Tat eine kulturell legitimierte Gewalt, die nicht religiös legitimiert ist. Jedoch ist es grundlegend falsch, wenn behauptet wird, dass die Frau per se in den islamischen Ländern vogelfrei sei und keine Rechte besäße, sodass der Ehemann über sie jederzeit verfügen könne.

17. Sexueller Missbrauch in den Koranschulen:
Wenn wir allerdings aus einer sachlichen Perspektive uns des Themas sexueller Missbrauch im Islam widmen, dann müssen wir uns die gesellschaftlichen Verhältnisse in diesen Ländern genauer anschauen. In vielen islamischen Ländern besteht Schulpflicht. Allerdings ist es so, dass nicht jede Familie in der Lage ist, ihre Kinder in die Schule zu schicken, weil sie sie entweder als Arbeitskräfte brauchen oder weil schlichtweg die Schule zu weit weg ist oder aber auch, weil viele Familien glauben, dass die Kinder in den Koranschulen mehr lernen, als in den städtischen Schulen. Während in den städtischen Schulen Kontrollen stattfinden und die Lehrer es schwer haben, sich unbeaufsichtigt einem Kind zu unsittlich zu nähen, ist dies in den Koranschulen leider nicht der Fall. Nicht selten erfolgt in diesen Ländern Kindesmissbrauch durch Imame. Der Kindesmissbrauch an sich gilt im Islam als eine Sünde und als ein massiver Verstoß gegen die göttlichen Gesetze. Wenn er aufgedeckt wird, dann droht dem Gewalttäter die Todesstrafe. Auf der anderen Seite wissen wir, dass die Betroffenen sich nicht outen können und outen wollen. Zum einen, weil ihnen die Gewalttäter mit dem Tode drohen, zum anderen, weil die Eltern ihren eigenen Kindern keinen Glauben schenken. Man darf nicht vergessen, dass, wenn ein Mädchen betroffen ist und dies öffentlich wird, sie es dann in Zukunft schwer haben wird, einen Mann zu heiraten, beziehungsweise eine Familie gründen zu wollen. Das weiß das betroffene Mädchen oder der betroffene Junge und das wissen auch die Eltern und auch der Gewalttäter. Daher kommt es nicht selten, auch dann wenn es aufgedeckt wird, zur Vertuschung und zur Verharmlosung. In den meisten Fällen ziehen die Eltern ihre Kinder aus diesen Koranschulen zurück. Kommt es jedoch nicht zu einer Aufdeckung solcher Gewalttaten, leidet das Kind solange es diese Koranschule besucht unter dieser Tortur und auch danach in Form schwerster psychischer Erkrankungen. Dies heißt im Umkehrschluss jedoch nicht, dass jeder Imam ein Gewalttäter ist. Dennoch zeigen meine eigenen Untersuchungen, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Ich konnte dies sowohl bei deutschen Staatsbürgern muslimischen Glaubens, die in den Herkunftsländern zur Welt kamen und dort auch einige Jahre zur Schule gegangen sind, sprich Koranschulen besucht haben, als auch bei Flüchtlingen feststellen. Viele von diesen Menschen, die zum einen durch den Krieg und zum anderen durch die Flucht traumatisiert worden sind, berichteten auch über Übergriffe in den Koranschulen. Betroffen waren sowohl Männer als auch Frauen in jüngeren Jahren. Viele davon sind psychisch so schwer betroffen, dass sie nicht mehr beziehungsfähig sind. Andere wiederum berichten über schwere Albträume, Flashbacks, Ängste sowie ausgeprägte Einschlaf- und Durchschlafstörungen, sodass sie lieber sterben würden, als zu leben. Die Tatsache aber, dass der Suizid per se als Sünde gilt, hindert viele daran, sich zu suizidieren.

18. Kultursensible Anlaufstellen und Therapiemöglichkeiten:
Für diese Menschen ist es doppelt schwer, weil sie zum einen kaum darüber reden können, denn es gibt viel zu wenige kultursensible Anlaufstellen, das heißt Anlaufstellen, die sich mit den kulturellen und religiösen Hintergründen dieser Menschen auskennen, zum anderen aber auch ist das Schamgefühl so ausgeprägt, dass dieses Thema sehr häufig von den Patienten und Patientinnen, die betroffen sind, ausgeblendet wird. Man erfährt auf Umwegen über diese Ereignisse. Die direkte Frage wird von den Patienten beziehungsweise Patientinnen in den seltensten Fällen beantwortet. Es bedarf einer langen Zeit des Vertrauensaufbaus und des Verständnisses dieser Kultur, um Andeutungen der Patienten richtig interpretieren zu können, um dann auch die richtigen Fragen stellen zu können beziehungsweise zu dürfen. Es ist nicht immer förderlich für den Betroffenen oder die Betroffene, bestimmte Themen anzusprechen. Dies kann zu einer psychischen Destabilisierung der Betroffenen führen bis hin zu Suizidgedanken und Suizidversuchen beziehungsweise erfolgreichen Suizidversuchen. Daher überlässt man es den Patienten, ob sie darüber sprechen wollen oder nicht. Die letzten 15 Jahre klinischer Arbeit haben jedoch gezeigt, dass nicht nur Menschen, die in den muslimischen Ländern geboren wurden und dort zur Schule gegangen sind, davon betroffen sein könnten, sondern auch jene, die hier als Kinder in die Koranschulen gegangen sind. Auch hier ist das Muster sehr ähnlich. Schamgefühle der Familie verhindern, dass diese Kinder sich rechtzeitig an jemanden wenden können, um dieser Tortur zu entkommen. Die meisten der Betroffenen leiden bereits an schwersten Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen und nicht wenige haben bereits mehrere Suizidversuche hinter sich. Der Drogenkonsum ist in dieser Gruppe der Betroffenen deutlich höher, als in der Gruppe der nicht Betroffenen. Es ist jedoch wichtig, dass differenziert wird. Wie bereits erwähnt, ist nicht jeder pädophil und ein Kinderschänder. Aber die Vorfälle der letzten 15 Jahre in Deutschland, die kaum an die Öffentlichkeit gelangten, haben gezeigt, dass ein Handeln erforderlich ist. Dieses Handeln könnte so aussehen, dass in jeder Koranschule neben einem Imam ein Sozialarbeiter oder eine Sozialarbeiterin während des Unterrichtes anwesend sein muss. So kann die Kontrolle der Imame erfolgen. Des Weiteren wäre die Etablierung einer kultursensiblen Versorgung, das heißt einer Anlaufstelle, sowohl für häusliche/sexuelle Gewalt gegenüber Frauen, ob verheiratet oder nicht verheiratet, demnach also in der Ehe oder einer Beziehung oder aber für Kindesmissbrauch in den Koranschulen und auch in einigen Familien, erstrebenswert. Es muss die Möglichkeit gegeben werden, dass die Betroffenen sicher leben können und sich dessen bewusst sind, dass sie auch sicher leben können, damit sie über die Vorkommnisse sprechen können und diese im Rahmen einer Therapie verarbeiten können. Denn wenn Betroffene sich outen und die Familie dies als eine Schande ansieht oder als eine Verletzung der Familienehre, dann befindet sich der Betroffene in höchster Lebensgefahr. Das ist auch einer der Gründe, warum sich nur wenige an die Öffentlichkeit wagen. Von sexueller Gewalt sind insbesondere Frauen, die durch sogenannte familiäre Arrangements gegen ihren Willen verheiratet worden sind.

19. Sexueller Missbrauch in der Ehe:
Sexueller Missbrauch in der Ehe kommt meistens bei Frauen vor, die zwangsverheiratet wurden. Allerdings muss man wissen, dass die Anzahl der zwangsverheirateten Frauen entgegen der Annahme in der Öffentlichkeit nicht bei 50 oder 70 % liegt, sondern bei 9 bis
10 %. Das ist weiterhin ein sehr hoher Wert. Dies könnte daran liegen, dass eine Unterscheidung zwischen freiwillig arrangierten Ehen und Zwangsheirat nicht immer trennscharf zu bestimmen ist. Es ist schwer, Zwang und Freiwilligkeit der Eheschließungen wirklich zu erfassen. In über 40 % der Fälle haben beispielsweise Frauen mit türkischem Migrationshintergrund ihren Partner alleine ausgewählt. In circa 48 % wurde der Ehepartner von Verwandten vorgeschlagen. Von den Frauen, deren Partner durch Verwandte vorgeschlagen worden waren, gaben 86 % an, dass sie mit der Auswahl des Ehepartners einverstanden gewesen seien. 18 % dagegen hatten zu dem Zeitpunkt der Eheschließung das Gefühl, zu der Ehe gezwungen worden zu sein. Alleine hieraus resultiert, dass arrangierte Ehen nicht überwiegend als Zwangsehen eingestuft werden können. Allerdings ist bei arrangierten Ehen die freiwillige Zustimmung doch fraglich, wenn bei fast der Hälfte der Fälle die zu verheiratende Frau vor der Ehe nicht die Gelegenheit hatte, den Partner kennenzulernen. In einer deutsch-französischen Studie aus dem Jahre 2005/2006 mit insgesamt 5880 Frauen deutscher Herkunft, 380 Frauen türkischer Herkunft und 380 Frauen aus Ländern der ehemaligen UdSSR, wurde die Gewalt und die sexuelle Gewalt gegen Frauen und in Paarbeziehungen untersucht. Die Werte hinsichtlich sexueller Gewalt und sexuellem Missbrauch in der Ehe waren bei den Frauen mit türkischem Migrationshintergrund mit 37 % am höchsten und signifikant höher, als bei den anderen Befragungsgruppen. Die Tatsache allerdings, dass 29 % der Frauen deutscher Herkunft, mindestens einmal sexuell missbraucht worden sind, spricht für eine hohe Relevanz der Problematik, auch in deutschen Paarbeziehungen. Gewalt und sexuelle Gewalt durch den Beziehungspartner war in dieser Studie bei den Frauen mit türkischer Herkunft am höchsten. In der Summe zeigte die Studie, dass Migrantinnen türkischer Herkunft doppelt so häufig von sexueller Gewalt durch den aktuellen Partner betroffen waren, wie Frauen mit deutscher Herkunft. Gewalt in Kombination mit sexueller Gewalt war mit 5,3 % bei Frauen mit türkischer Herkunft am höchsten und auch sehr signifikant. Daraus könnte man schlussfolgern, dass Männer türkischer oder muslimischer Herkunft mehr Kontrolle, Dominanz und psychische Gewalt gegenüber ihren Partnerinnen ausüben und ausüben dürfen. Die Studie ergab, dass bei Türkinnen mit Migrationshintergrund die Kontrolle durch den Partner höher liegt, als bei Frauen aus dem Ostblock beziehungsweise Frauen deutscher Herkunft. Damit waren jedoch keine kontrollierenden Verhaltensweisen des aktuellen Beziehungspartners gemeint. Die Ergebnisse der Studie zeigten jedoch, dass männliches Dominanzverhalten in Paarbeziehungen durchaus Frauen mit türkischem Migrationshintergrund in besonderer Weise betrifft. Das ist jedoch eher kulturell bedingt und nicht religiös.

20. Das Gleichheitsprinzip im Islam:
Die pakistanische Politikwissenschaftlerin Asma Barlas äußerte sich zum Gleichheitskonzept des Islam wie folgt: „Gott ist der einzige und aus diesem Grunde ist Gott der einzige Herrscher und Souverän. Niemand sonst – Propheten oder Könige oder Väter oder Ehemänner – können Souveränität über andere reklamieren.“11 Aus dieser Konzeptualisierung Gottes, so Barlas, könne der Koran nur als antipatriarchalisch gelesen werden. Barlas ist der festen Überzeugung, dass der Koran zwischen Sex und Gender trenne. Dazu äußerte sie sich wie folgt: „Nicht ein einziger Vers verbindet Männer und Frauen in einer spezifischen Arbeitsteilung oder definiert ihre Rollen als Funktion ihrer Biologie…“12. Zwar negiere der Koran die biologische Differenz zwischen den Geschlechtern nicht, aber sie seien doch ontologisch, ethisch und moralisch gleich, zwei Hälften eines einzigen Selbst. Daher habe der Mann nicht das Recht, die Frau so zu behandeln, wie er wolle und schon gar nicht gegen sie Gewalt, beziehungsweise sexuelle Gewalt anzuwenden. Ich verweise auch auf die koranische Schöpfungslehre, die anders als im Christentum, davon ausgeht, dass Frau und Mann nicht nachgeordnet aus einer Rippe erschaffen worden sind. Vielmehr habe Gott die Menschen als Paar erschaffen und die beiden Teile dieses Paares sind aus der Sicht der koranischen Lehre vollkommen gleichwertig. Hassan äußerte sich hierzu wie folgt: „Frau und Mann, von Gott gleich geschaffen […] wurden in muslimischen Gesellschaften ungleich.“13 Mir-Hosseini stellte auf diesen Aussagen basierend folgende Frage: „Wenn Gerechtigkeit und Fairness dem Islam inhärent sind, wie Rechtsgelehrte und alle Muslime glauben, sollte sich das nicht in Gesetzen widerspiegeln, die die Beziehungen zwischen Männern und Frauen regeln […]?“14 Kein Moslem wird infrage stellen, dass Gott gerecht ist. Aus dem Koran lässt sich keine männliche Dominanz ableiten. Es ist davon auszugehen, dass der Koran göttlich, allerdings seine Interpretation eher menschlich ist. Da früher das Patriarchat herrschte, ist die Interpretation dementsprechend patriarchalisch. Die Welt zu Zeiten des Propheten war patriarchalisch geprägt. Dies spiegelt sich in den heiligen Texten durchaus wider. Heute habe sich die Situation geändert. Die Frauen sind nicht den Männern unterlegen. Somit verlieren koranische Verse, die das Patriarchat betonen, wo es heißt: „Männer sollen vor Frauen bevorzugt werden, weil Gott die einen vor den anderen mit Vorzügen begabt und auch weil jene diese auch erhielten,“15 ihre Gültigkeit. Diese Aussage bezieht sich allerdings auf die Zeit des Propheten und auf die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse in Arabien, weil damals allein Männer Ernährer und Versorger ihrer Frauen waren. Es gibt nicht wenige bedeutende Interpreten, wie Tabari und Al Rasi, die das Schlagen für rechtmäßig hielten, wenn die Ehefrau sich ihrem Gatten widersetzte, sie betonten jedoch, dass keine ernsthafte Verletzung zugefügt werden dürfe. Doch was ist mit Gehorsam gemeint? Gehorsam gegenüber dem Ehemann oder Gehorsam gegenüber Gott? Andere, wie Muhammed Asad, interpretierten die koranischen Quellen anders: „Ungehorsam beinhaltet jede Art von absichtlichem schlechten Benehmen einer Ehefrau gegenüber ihrem Mann und eines Ehemannes gegenüber seiner Frau, einschließlich dessen, was heute als seelische Grausamkeit bezeichnet wird, in Bezug auf den Ehemann, bedeutet er auch eine im physischen Sinne schlechte Behandlung seiner Frau.“ Im Koran ist Folgendes zu lesen: „Hat eine Frau von ihrem Ehemann Rohheit (Lieblosigkeit und Ehepflichtvernachlässigung) zu befürchten, so ist es keine Sünde, dies Missverständnis zu schlichten. Versöhnung ist besser als Scheidung.“16 Neben dem Koran gilt die Sunna, das Beispiel des Propheten Mohammed, als wichtigste Leitlinie muslimischen Handelns. Die Sunna setzt sich aus tausenden von Hadithen zusammen. Gerade unter diesen Hadithen gibt es zahlreiche Fälschungen. Mernissi äußerte sich zu diesem Thema wie folgt: „Da die Macht schon ab dem 7. Jahrhundert nur durch die Religion gerechtfertigt wurde, haben die politischen und wirtschaftlichen Interessen zur Erzeugung falscher Hadithe angestiftet.“17 Muhammed selbst soll gesagt haben: „Bester unter euch Männern ist jener, der seine Frau am besten behandelt.“ „Die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einer des anderen Unterstützer, sie sollen sich für das Gute einsetzen und das Böse verhindern.“18 Folglich ist es dem Mann verboten, seiner Frau im Alltag Befehle zu erteilen, sie zu demütigen oder gar gegen sie Gewalt anzuwenden, sei sie körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt. Die Realität ist jedoch, dass in den meisten muslimischen Ländern die Frau benachteiligt wird. Nicht wenige wenden gegen Frauen Gewalt an. Dazu gehört auch sexuelle Gewalt und Sex gegen den Willen der Ehefrau, der Geliebten, der Freundin. Davon betroffen sind auch viele Frauen, die in Deutschland leben und einen muslimischen Migrationshintergrund haben. Während im Koran jegliche Art von Gewalt gegen Frauen verboten wird und diese Quellen durch die Hadithe verstärkt werden, haben sich gewisse Verhaltensweisen gegenüber der Frau in vielen Traditionen dieser Länder fest verankert, sodass es sich zunächst als schwierig erweist, sie rasch beseitigen zu können.

21. Fazit:
Es ist unbestritten, dass es in vielen muslimischen Ländern zu häuslicher Gewalt und vor allen Dingen zu sexuellen Übergriffen gegenüber Ehefrauen kommt. Auch ist es unbestritten, dass nicht wenige ehemalige und jetzige Schüler und Schülerinnen, die die Koranschulen aufsuchen, sich sexuelle Übergriffe oder gar Missbrauch haben gefallen lassen. Diese Menschen leiden unter diesen Vorkommnissen ihr Leben lang. Dennoch können sie dieses Leiden weder der ursprünglichen eigenen Familie, den Eltern, den Brüdern, den Schwestern, noch der neuen Familie, dem Ehemann und seiner Familie, kundtun. Denn das würde dazu führen, dass zum einen die Ehe gefährdet wird und zum anderen auch die Beziehung zu den Eltern, wie auch die Beziehung zwischen der alten und der neuen Familie. Hinzu kommt, dass auch dann, wenn sich diese Frauen aufgrund des schweren Leidensdrucks an die Öffentlichkeit oder an die Familie wenden, diese leider keine ausreichende Unterstützung erfahren. Es heißt, dass die Gefahr sogar steigt, dass sie noch mehr Gewalt erleiden könnten, zum einen durch die ursprüngliche Familie, die ihre Ehre verletzt sieht und zum anderen auch natürlich im Hinblick auf den Partner, der ebenfalls seine Ehre verletzt sieht. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum sich betroffene Frauen nicht outen. Was die Kinder betrifft, so gibt es auch diesbezüglich, sowohl bei den muslimischen Verbänden in Deutschland als auch in der gesamten islamischen Welt, kaum Anlaufstellen. Es ist ein Tabuthema, das kaum angesprochen wird und wenn bestimmte Personen dieses Thema an die Öffentlichkeit bringen, müssen sie damit rechnen, dass sie Repressalien erleiden bis hin zu körperlicher Gewalt und Morddrohungen.

22. Kinderlosigkeit und künstliche Befruchtung bei Muslimen:

Einleitung:
Jedes sechste Ehepaar bleibt ungewollt kinderlos. Man geht davon aus, dass circa 48,5 Millionen Paare weltweit davon betroffen sind. Es ist davon auszugehen, dass eine noch größere Anzahl von Menschen zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens damit konfrontiert sein wird. In etwa einem Drittel ist der Mann die Ursache für die Kinderlosigkeit, in einem weiteren Drittel die Frau. Bei dem letzten Drittel sind entweder beide betroffen oder die Ursache bleibt kryptogen. Wenn es innerhalb von zwei Jahren bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr nicht zu einer Schwangerschaft kommt, gilt das Paar per Definition (WHO) als unfruchtbar. In Deutschland betrifft dies nahezu jedes 10. Paar (BMFSFJ 2018). Kinderlosigkeit bedeutet Leid und die Entstehung depressiver Symptomatiken. Dabei sind insbesondere Frauen betroffen und man geht davon aus, dass die psychischen Beeinträchtigungen, die durch die Unfruchtbarkeit verursacht werden, auch in unterschiedlichen Kulturen durchaus miteinander vereinbar sind. Während in den westlichen Ländern Paare, die von Infertilität betroffen sind, eine psychosoziale Beratung erhalten können, ist dies in den muslimischen Ländern kaum gegeben. Die Beratung in den westlichen Ländern betrifft nicht nur die Lebenskrise, sondern auch das weitere Vorgehen, wie zum Beispiel eine Adoption, Samenspende oder Eizellenspende. In vielen europäischen Ländern existieren zahlreiche Kinderwunschzentren und man hat in den letzten Jahren in diesen Ländern erhebliche Erfahrung bei der assistierten Reproduktion sammeln können.

Introduction:
Every sixth couple remains unintentionally childless. It is estimated that about 48.5 million couples worldwide are affected. It is expected that an even greater number of people will face it at some point in their lives. In about one third of the man is the cause of childlessness, in another third of the woman. In the last third, either both are affected or the cause remains cryptogenic. If, within two years of regular intercourse, there is no pregnancy, the couple is by definition (WHO) considered infertile. In Germany, this affects almost every 10th pair (BMFSFJ 2018). Childlessness means suffering and the development of depressive symptoms. Women are particularly affected and it is believed that the mental health problems caused by infertility are compatible with each other even in different cultures. While in western countries, couples affected by infertility can receive psychosocial counseling, this is hardly the case in Muslim countries. The counseling in the western countries not only concerns the life crisis, but also the further procedure, such as an adoption, sperm donation or egg donation. There are many fertility centers in many European countries, and in recent years they have gained significant experience in assisted reproduction in these countries.

23. Kinderlosigkeit bei muslimischen Ehepaaren:
Kinderlosigkeit verursacht wie bereits erwähnt in allen Kulturen Leid und Schmerz, allerdings wird diese ungewollte Kinderlosigkeit in verschiedenen Kulturen unterschiedlich interpretiert. Da inzwischen mehr als fünf Millionen Muslime in Deutschland leben, ist es durchaus erforderlich, dass sich diese Beratungsstellen entsprechend anpassen und kultursensibel arbeiten. Viele arabische Paare reisen aus den islamischen Ländern, wenn sie sich das finanziell erlauben können, nach Spanien oder Tschechien oder in den Iran, um sich einer künstlichen Befruchtung zu unterziehen.
24. Islam und Reproduktionsmedizin:
Doch sind diese reproduktionsmedizinischen Verfahren im Islam überhaupt erlaubt? Grundsätzlich steht der Islam einer solchen Vorgehensweise beziehungsweise einem solchen Eingriff, der dazu verhilft, kinderlose Ehepaare zu Eltern zu machen, positiv gegenüber. Der religiöse Diskurs diesbezüglich begann in den siebziger Jahren. Dabei ging es in erster Linie um überzählige Embryonen, die der Embryonenforschung zur Verfügung gestellt werden sollen. Nur unter der Voraussetzung, dass die wissenschaftlichen Methoden der islamischen Ethik entsprechen, befürwortet die islamische Lehre die Reproduktionsmedizin „als eine Errungenschaft, wenn sie dem Wohle der Menschheit dient und Schaden und Krankheiten von ihr abwendet.“19. Der Koran fordert: „Der Glaube soll es euch leicht machen, nicht schwer.“ Und weiter heißt es im Koran: „Wir haben doch den Menschen aus einer Portion Lehm geschaffen. Hierauf machten wir ihn zu einem Tropfen in einem festen Behälter. Hierauf schufen wir den Tropfen zu einem Blutklumpen, diesen zu einem Fleischklumpen und diesen zu Knochen. Und wir bekleideten die Knochen mit Fleisch. Hierauf ließen wir ihn als neues Geschöpf entstehen.“20/21 Der Zeitpunkt der Beseelung ist im Koran nicht eindeutig definiert, daher basieren die heutigen Aussagen im Islam auf sogenannte Hadithe. Dort ist folgendes zu entnehmen: „Für alle Entwicklungsstadien bis zum Einhauchen der Seele, das heißt von Samentropfen über den Embryo bis zum Fötus, werden jeweils 40 Tage anberaumt.“ Demnach dauert es bis zur menschlichen Beseelung 120 Tage. „Wahrlich wird einer von euch hinsichtlich seiner Erschaffung im Bauch seiner Mutter 40 Tage als Same zusammengebracht, darauf ist er ebenso lange ein Blutgerinnsel, darauf ebenso lange ein Fleischklumpen, darauf sendet er zu ihm den Engel und bläst ihm die Seele ein. Und er befiehlt vier Worte aufzuschreiben: seinen Lebensunterhalt, den Todestermin, sein Tun und verdammt oder seelig.“22

25. Fazit:
Daraus resultiert, dass das IVF/ICSI-Verfahren oder auch ein PID mit Verwerfen von Embryonen vor dem 120. Tag unproblematisch zur Anwendung kommen können. Allerdings gibt es auch andere Gelehrte, die der Meinung sind, dass das menschliche Leben bereits mit der Verschmelzung von Spermium und Eizelle beginne. Diese stützen sich auf den Koran.23 In dieser heißt es, dass Gott den Menschen in bester Form erschaffen hat. Folglich sehen diese Gelehrten das Verwerfen eines Embryos auch ohne Beseelung im Rahmen einer IVF/ICSI-Behandlung oder bei einer PID-Behandlung einem Schwangerschaftsabbruch gleich. Daher ist die künstliche Befruchtung aus Sicht dieser Menschen grundsätzlich verboten. Rechtsgelehrte, die eine künstliche Befruchtung befürworten, stellen bestimmte Bedingungen. Da die Abstammungslinie innerhalb der muslimischen Familie, aber auch innerhalb der islamischen Welt insgesamt, einen hohen Stellwert genießt, muss die Abstammung von einem Vater garantiert werden, damit dessen Stamm aufrecht erhalten werde. Daher fordern viele Rechtsgelehrte, dass solche Eingriffe nur in reproduktionsmedizinischen Instituten durchgeführt werden, die garantieren können, dass es zu keinerlei Verwechslung kommen kann. Für die Sunniten ist die Reinheit der väterlichen Linie zentral, daher kommt für sie eine Samenspende nicht in Betracht. Ferner sehen sie eine Fortpflanzung unter nicht miteinander Verheirateten als strafbar und gar als Ehebruch.

26. Samenspende im Schiitismus:
Der Schiitismus hingegen sieht das anders. Er befürwortet durchaus eine Samenspende oder aber er bietet im Rahmen seiner Lehre eine Zeitehe. Diese Haltung, die übrigens auch Ayatollah Khamenei befürwortet, basiert darauf, dass Kinderlosigkeit zu massiven Eheproblemen führen könne, die der Schiitismus aber verhindern will. Auch weil die Befruchtung außerhalb der Körpers stattfinde, könne es sich nicht um einen Ehebruch handeln.

27. PID im Islam
Die PID-Behandlung wird in der islamischen Welt von vielen befürwortet. Zum einen mit der Begründung, dass die PID gottgewollt sei, ansonsten wäre sie nicht möglich (KADDOR 2011). Zudem wird dieser Eingriff bei Vorliegen ernsthafter genetischer Erkrankungen als gerechtfertigt angesehen, da die Beseelung ja erst nach 140 Tagen erfolgt ist.

28. Fazit:
Entscheidend für die Durchführung einer künstlichen Befruchtung ist der Zeitpunkt der Beseelung, die erst nach 140 Tagen erfolgt. Davor kann eine künstliche Befruchtung aus islamischer Sicht problemlos durchgeführt werden. Auch befürwortet der Islam die PID vor der Beseelung, weil sie dem Wohle der Muslime diene. IVF/ICSI werden von den islamischen Gelehrten, aber auch von der islamischen Lehre an sich befürwortet, dabei bestehe man darauf, dass diese Eingriffe in sehr erfahrenen Zentren erfolgen, um Verwechslungen zu verhindern. Bei den Sunniten sind Samenspenden nicht zulässig. Hingegen ist es im Schiitentum erlaubt. Andernfalls wird im Schiitentum über eine Zeitehe die Unfruchtbarkeit umgangen. Allerdings bleiben im Islam die Kinder stets ihren biologischen Eltern zugeordnet und können im Islam nicht an Kindes statt adoptiert werden. Auch im Hinblick auf die künstliche Befruchtung stellt der Islam beziehungsweise die islamische Lehre keine Hürde dar. Ganz im Gegenteil. Die künstliche Befruchtung kann im Islam problemlos durchgeführt werden.

28. Conclusion:
Crucial for the execution of an artificial insemination is the time of inspiration, which takes place after 140 days. Before that, artificial insemination can be carried out without problems from an Islamic point of view. Also, Islam advocates PID from being inspired because it serves the good of Muslims. IVF / ICSI are advocated by Islamic scholars but also by Islamic doctrine, insisting that these interventions be done in very experienced centers to prevent confusion. Sperm donations are not allowed with the Sunnis. On the other hand, it is allowed in Shia. Otherwise, infertility will be bypassed in shiitism over a period of time. However, in Islam, children are always assigned to their biological parents and can not be adopted on the child's behalf in Islam. Even with regard to artificial insemination, Islam or Islamic teaching is no obstacle. On the contrary. Artificial insemination can be performed easily in Islam.

Literatur:
1. Abaza, Mona. 2004. Markets of Faith. Jakartan Da’wa and Islamic Gentrification. In: Archipel 67, pp. 173-202.
2. Abu ayān al-Andalusī, Tafsīr al ba ral-mu ī ,Cairo, 1328h., 9 vols.
3. Ahmed, Leila (1992): Women and gender in Islam. Historical roots of a modern debate. New Haven: Yale.
4. Ali, Shaheen Sardar (2000): Gender and human rights in Islam and international law. Equal before Allah, unequal before man. The Hague: Kluwer Law International.
5. Ali Ghandour: „Liebe, Sex und Allah. Das unterdrückte erotische Erbe der Muslime“
6. Alūsi, Zādeh, Ghāliyyāt al-mawā'idh, Cairo, 1911.
7. Barlas, Asma, „Believing Women“ in Islam: Unreading Patriarchal Interpretations of the Qur'an (University of Texas Press, 2002)
8. Alwi, Abd al amīd, al-Zauj al-marbū ,Baghdad, 1964.
9. Baron, A. M., 'Mariages et divorces à Casablanca', Hesperis, 40, 1953, pp. 419-40.
10.Boellstorff, Tom. 2005. Between Religion and Desire. Being Muslim and Gay in Indonesia. In: American Anthropologist 107 (4), pp. 575-585.
11. Borek, Abdullah Leonhard (Hrsg.): Islam im Alltag. Eine Handreichung für deutschsprachige Muslime. [o.O.]: Al Kitab Verlag,1999. – [Erschien „Im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Muslim-Liga e.V., Hamburg”. – S. 182 über Homosexualität, hieraus das Zitat oben Abschnitt 1.]
12. Bouhdiba, Abdelwahab, Al amr aldīnī wal mujtama' al hadīth, Tunis,1965.
13. Brenner, Suzanne. 1996. Reconstructing self and society: Javanese Muslim women and ‘the veil’”. In: American Ethnologist 23 (4), pp. 673-697.
14. Baydhawi, Anwar at tanzīl, Leipzig, 1846.
15. Dabbagh, Abdelaziz, Kitāb al-ibrīz, Cairo, 1306h.
16. Damiri, Kamaluddin, Kitāb hāyāt al-hayawān, Cairo, 1284h.
17. Denffer, Ahmad v[on]: Der Koran. Die heilige Schrift des Islam in deutscher Übertragung mit Erläuterungen nach den Kommentaren von Dschalalain, Tabari und anderen hervorragenden klassischen Koranauslegern. Islamabad und München 1996
18. Dschalaluddin Rumi,Traumbild des Herzens, Hundert Lebensweisheiten islamischer Mystik
19. Fashni, Ahmed, Kitāb al-majālis al-sanya, shar ' al-araba'īn al-nawawiyya, Cairo, 1299h.
20. Halm, Heinz, Der Islam: Geschichte und Gegenwart; S.11
21. Hefner, Robert. 2009. Introduction: The Politics and Cultures of Islamic Education in
Southeast Asia. In: Hefner, Robert (ed.). Making Modern Muslims. The Politics of
Islamic Education in Southeast Asia. Honolulu. pp. 1-54.
22. Hoesterey, James. 2008. Marketing Morality: The Rise, Fall and Rebranding of AA Gym. In: Fealy, Greg and Sally White (eds.). Expressing Islam. Religious Life and Politics in
23. Yaḥyā Ibn-Šaraf an-Nawawī, Das Buch der Vierzig Hadithe, 1. Aufl., hrsg. und aus dem Arab. übers. von Marco Schöller, Frankfurt am Main: Verlag der Weltreligionen, 2007, 53-57.
24. Krämer, Karin (2008): War Mohammed ein Feminist? Interview in Berliner Zeitung vom13.8.2008
25. Kandiyoti, Deniz, Hg. (1991): Women, Islam and the state. London: MacMillan. Der Koran (1957): München: Goldmann
26. Mernissi, Fatima (1991): Die Sultanin. Die Macht der Frauen in der Welt des Islam. Frankfurt: Luchterhand.
27. Mernissi, Fatima (1992): Der politische Harem. Mohammed und die Frauen. Freiburg: Herder.
28. Milliot, L., La Femme musulmane au Maghreb, Paris, Roussel, 1909.
29. Nils Fischer, Der Status des Embryos im Islam, Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Sankt Augustin/Berlin, 2014, S. 18.
30. Präimplantationsdiagnostik (PID) aus islamischer Sicht - Stellungnahme bei der Anhörung des Ausschusses für Gesundheit im Deutschen Bundestag am 25. Mai 2011
31. Qotb Said, Fi dhilāl al-Qurān, Beirut, 1973, 6 vols.
32. Razi Fakhreddin, Al Tafsīr al-Kabīr, Bulaq, 1270h.-1289h., 8 vols.
33. Ridha Raschid, Tafsīr al-Manār, Cairo, 1948, 12 vols.
34. Rönicke, Katrin: Sex.
35. Vgl. auch Rispler-Chaim 1993, 8; vgl. auch Ilkilic 2006, 148.
36. Tabari, Jamā' al-bayān fi tafsīral-Qurān, Cairo, 1321h., 30 vols.
37. Veronika Lahodinski, Medizinethik am Lebensanfang in den abrahamitischen Religionen, Universität Wien 2015, S. 72.
38. Wadud, Amina (1999): Qur’an and woman. Rereading the sacred text from a woman’s perspective. Oxford: Oxford University Press.
39. https://www.focus.de/…/mdr-legt-taten-offen-schweigen-weil-…

Referenzen:
1. Sure 57, Vers 27
2. Veronika Lahodinski, S. 72
3. Borek 1999; S.182
4. Sure 7,Vers 80; Sure 29, Vers 28
5. Sure 4, Vers 15-16
6. Sure 52, Vers 20; Vgl. Sure 56, Vers 22 uns Sure 52, Vers 24
7. Sure 56, Vers 15-18
8. Al-Qari, S.20, Nr. 25; At-Tabrisi S.426
9. Das Halsband der Taube, S.9
10. Sure 30, Vers 21-22
11/12. Barlas , 2006:5; 2006:6
13. Hassan, 2004a
14. Mir-Hosseini 2004
15. Sure 11 , Vers 35
16. Sure 4, Vers 129
17. Mernissi 1992: 17
18. Sure 9, Vers 71
19. Nils, Fischer S.18
20. Sure 2, Vers 185
21. Sure 23 Vers 12-14
22. Veronika Lahodinski, S. 72
23. Sure 95, Vers 4

Dr. Mimoun Azizi

Autor:

Mimoun Azizi aus Hagen

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