Flussansichten und weitere Erinnerungen
Eine Bahnfahrt entlang an drei Flüssen

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Eine Reise mit der Bahn, früh am Morgen kurz nach 6 Uhr in die Pfalz, vorbei an der schönen Loreley, entzückt mich immer wieder. So sehr die Anwohner dieser schönen Strecke klagen, umso mehr liebe ich den Ausblick auf Burgen, Berge und Täler entlang des guten alten Vater Rhein und freue mich auf den Besuch bei der Prinzessin, meiner Tochter, die in der schönen Pfalz residiert.

In der Pfalz angekommen, geniessen wir immer wieder ein tolles Frühstück bei Barbara, die uns immer wieder herzlich willkommen heesst und frocht, ob wä Kaffee oder Tee hun ? Das erwärmt das abgestorbene Herz und es beginnt langsam wieder froh zu pochen, Der Tag verrinnt in freundlicher Atmosphäre bei diversen Events und am späten Nachmittag schmeisst sich die Mutter in den Zug, um im Saarland anzulanden bei de Verwannden.

Die Saarlänner und die Pälzer schtehen in oim ewischen Kriesch – so wie die Düsseldorfer und die Kölner. Egal – meine Bahnfahrt durch die südliche Pfalz ist entzückend, führt an Kleinmanufakturen im Tal vorbei über Saarbrücken und endet in Dillingen, wo noch eine Hütte in Betrieb ist – eine Schwester der großen Völklinger Hütte, die heute als Weltkulturerbe nur noch als Museum dient.

Dort hole moi Verwannde mich am Bahnhof ab und es geht nahe an die französische Grenze zum Abendmahl in kleine Dörfchen, umsäumt von saftig grünen Wiesen und einem unsagbar blauen Himmel, der uns ein Licht beschert, wie in Frongreisch – kä Wunner – mir sinn ja nah dran.

Fotoalben werden geschaut, freundlich an die Ahnen gedacht, die guten alten Zeiten besprochen – ja, wir weinen auch ein bisschen dabei und sind glücklich, einander noch zu haben. Sehen die Fotos von früher, wo die Eltern und Tochter mit Verlobten noch auf zwei schweren Motorrädern uns an der Mosel besuchten, eingekleidet in Lederklamotten mit Lederhütchen auf den Häuptern der Männer. Die Frauen reisten mit Kopftuch, damit das Haar nicht verweht.

Dann trudelten sie an der Mosel ein bei uns an langer gedeckter Tafel mit selbst gebackenen Kuchen und Torten. Danach gab es einen kleinen Spaziergang in Vorbereitung auf das fulminante Abendmahl mit Schinkenröllchen, worinnen sich eine Spargelstange aus der Dose befand, russischen Eiern in Mayonaise und Platten mit Schinken, Wurst und Käse – kredenzt mit herrlichen Weinen und wenn der Onkel und der Papa danach ihre Zigarren schmokten, durfte es auch schon mall ein Dujardin sein.

Und man sass lange zusammen bis tief in die Nacht und plauderte über noch ältere Zeiten – es war für mich als Kind immer wieder ein grosses Fest.

Das alles stand vor meinem geistigen Auge auf und ich dachte, ich sei zu Hause wieder angekommen....

Tags darauf trat ich die Heimreise an mit der Bahn, die überpünktlich gar erschien. Sie war leer – ich konnte mich ausbreiten, beim mobilen Kaffeeservice mich mit Kaffee und Schokolade eindecken und genoss die vorbeiziehenden Landschaften.

Als erstes entzückt mich Mettlach mit der riesigen Villeroy und Boch-Anlage. Glücklicherweise produzieren sie immer noch, obwohl grosse Teile der Fabrikanlagen wie ausgestorben wirken.

Es sind diese Anlagen aus der Zeit um 1900 herum, robust erbaut und vielen Menschen aus der Umgebung Arbeit und Brot gebend, die in Schichten mit ihren Fahrrädern dem Ort Leben verliehen, wie in so vielen anderen Produktionsstätten Deutschlands um diese Zeit.

Ich denke an Stechuhren, Henkelmänner, die die Kinder den Vätern mittags brachten und eine aufbrechende Zeit der Gewerkschaftsbewegung, die im 1. Weltkrieg ihr jähes Ende fand, um danach wieder aufzuflackern bis zum 2. Weltkrieg – und was danach kam, war Wiederaufbau und Hoffnung – aber heute scheint das Ende vorprogrammiert, wenn ich die vielen leeren Gebäude so sehe.

Die Klause bei Kastell, hoch oben über der Saar thronend, in der die Gebeine des blinden König Johann von Böhmen eingelagert sind, war immer beliebtes Ausflugsziel von mir. Immer wieder zog es mich mit magischer Kraft dorthin – nicht zuletzt, weil die Klause so steinig geheimnisvoll feucht ist und man an einem riesigen Abgrund herunter auf die Saar schauen kann.

Wir passieren Konz, Trier, meine alte Heimat und weiter geht die Fahrt by Bahn entlang der Mosel – für mich eine der schönsten Bahnstrecken Deutschlands. Immer wieder erfreue ich mich an den stillen Dörflein mit ihren Kirchen, deren hohen spitzen Türme mich erinnern an Katechismus-Unterricht und die erste heilige Kommunion.

Ritterburgen hats an der Mosel sehr viele – ebenso, wie entlang der Rheinstrecke. Hier wurde mit Pechnasen den Feinden getrotzt und Land verteidigt. Heute winken sie als Ruinen dem Bahnreisenden zu und lassen ihn grübeln, was der Sinn dieser Verteidigungsanlagen war.

In Koblenz erlebe ich beim Umsteigen einen begnadeten Klavierspieler. Die Stadt Koblenz führt momentan das Projekt der öffentlichen Klaviere durch – d.h. Jeder, der sich berufen fühlt, kann darauf herum klimpern.

Ein junger Mann mit vielen Ringen an vielen Fingern klimpert wunderschöne Töne, wird danach von einer Dame zu Kaffee und Gebäck eingeladen und diese Dame ermuntert mich, Platz zu nehmen. „Wenn Sie den Flohwalzer können, so spielen sie ihn !“, sagte sie augenzwinkernd.

Was soll ich sagen – ich kann den Flohwalzer seit 2 Tagen !!! und lächelte eher vielsagend, als das ich mich mit dieser neuen Musikgeburt dort darstellte. Nein – das ging ja nun gar nicht – obwohl: ich hätte es gekonnt !

Selbstverständlich hat mein IC nach Düsseldorf Verspätung wegen Tieren auf dem Gleis – ich gehe auf Nummer sicher, lasse meine Platzreservierung verfallen und bummele gemütlich mit der Regionalbahn zurück. In dieser werde ich gefüttert mit süssen Gummikügelchen, die mir die drei Kinder anbieten, die um mich herum Platz genommen haben. Die Kinder bestehen darauf, das ich das Tütchen mit ihnen teile – und mir fangen diese komischen Gummikügelchen doch tatsächlich an, zu schmecken und die Kinder haben Glück, das ich sie ihnen nicht alle wegFRESSE: hahaha.

Ich begrüsse den Drachenfels in der Ferne. War er doch immer auch ein beliebtes Ausflugsziel von Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Rheingold, Rheinschatz, die Sage von Siegfied und Krimhild - all das ist dort immer noch zu bewundern unten in dem kleinen Museum bei Wagner-Musik. Und oben auf dem Drachenfels der herrliche Blick auf die darunter liegende Rheininsel Nonnenwerth.

Dann dieses sonderbare Schloss Drachenburg, unterhalb gelegen. Es wurde 1882 erbaut im Stil des Historismus für Stephan von Sarter, der dort nie wohnte. Aber ich habe von ihm gehört, das er dort schon mal stand auf der Ballustrade und übermässig laut Orgelmusik hörte. Dies Schloss ist von der Bahn aus ebenfalls zu sehen und tut den sehnsüchtigen Augen wohl. Augentrost...

Das Ankommen in Kölle ist immer wieder schön aus dieser Perspektive, die hinteren Fassaden der alten Häuser, bunt bemalt, grau belassen, mit Blumen geschmückt oder kahl und trostlos. Der Dom nimmt an Grösse zu – ein Glück, das es ihn noch gibt. Loosse mä dä Dom i Kölle – da jehört ä hin...

Zwei Lehrerinnen amüsieren mich, kamen von einem Selbstfindungsseminar aus der Eifel und unterhalten sich darüber, das sie keine Tiere mehr essen – bravo, denke ich und lächele ihnen zu. Aber ich beginne kein Gespräch mit ihnen, obwohl sie bereit gewesen wären. Aber das mache ich nicht – ich bin seit Jahrzehnten eine stumme beobachtende Bahnfahrerin und kriege nur dann die Klappe mal auf, wenn es gilt, ordentlich auf die Bahn zu schimpfen.

Aber dazu bestand heute kein Anlass.

Autor:

Karin Michaeli aus Düsseldorf

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