Tipps für die Ferien
Mit dem Dampfzug durch die westfriesische Landschaft

In Medemblik wartet das Museumsschiff "Friesland" auf die Reisenden zur Fahrt über das IJsselmeer nach Enkhuizen.
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  • In Medemblik wartet das Museumsschiff "Friesland" auf die Reisenden zur Fahrt über das IJsselmeer nach Enkhuizen.
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Die Museumsdampfkleinbahn »Stoomtram Hoorn-Medemblik» verbindet zwei der ältesten und schönsten Städte in den Niederlanden: Hoorn und Medemblik. Die Museumsbahn zeigt die Geschichte der Dampfkleinbahnen von 1879 bis 1966. In Medemblik gibt es einen Anschluss an das historische Fährschiff, den Salondampfer Friesland für die Weiterfahrt nach Enkhuizen. Von dort kann man mit der niederländischen Staatsbahn zurück nach Hoorn fahren.

Nördlich von Amsterdam liegt am Ijsselmeer die Stadt Hoorn, die 1357 die Stadtrechte erhielt. Im Jahre 1600 entstanden hier die Hauptquartiere der West- und Ostindischen Handelskompanien. Am Museumsbahnhof wartete schon der Dampfzug. Die Lok pfiff einmal und der Heizer schaufelte emsig Kohlen ins Feuer. Ein zweiter Pfiff und der Zug setzte sich in Bewegung. So begann unsere nostalgische Zeitreise zwischen den geschichtsträchtigen Städten Hoorn und Medemblik. Medemblik erhielt 1289 die Stadtrechte. Im 13. Jahrhundert ließ Graf Floris V. seine Burg Radboud in Medemblik erbauen. In den historischen Wagen lauschten wir dem Rattern der Räder, dem Heulen der Dampfpfeife und dem Arbeiten der Lokomotive während der Fahrt durch die niederländische Provinz Nordholland.

Neben- und Kleinbahnen entstanden in den Niederlanden überall dort, wo die große Eisenbahn nicht hinkam. In den ländlichen Gebieten bildeten die Kleinbahnen das Rückgrat des Verkehrs. Man nannte sie »Stoomtrams«, Dampfstraßenbahnen. Damit möglichst viele Orte einen Bahnanschluss erhielten, nahm die Streckenführung nicht immer den geraden Weg. Die Strecke Hoorn-Medemblik ist ein typisches Beispiel dafür: Der Zug braucht eine Stunde, um die 20 Kilometer zurückzulegen, das Auto schafft die 14 Straßenkilometer in nur 20 Minuten. Die Bahnstrecke nimmt dagegen so manche Kurve, um den nächstgelegenen Ort zu erreichen. Die Strecke wurde 1887 in Betrieb genommen; die Personenbeförderung endete bereits 1935 und danach gab es nur noch Güterverkehr. Die seit 1968 aktive Museumsdampfkleinbahn ließ an Christi Himmelfahrt 1968 wieder eine Stoomtram fahren.
In Hoorn wurde ein neues Bahnhofsgebäude errichtet, das einem historischen Vorbild nachempfunden wurde. Im gasbeleuchteten Gebäude wird in einer Ausstellung die Geschichte der Dampfkleinbahnen in den Niederlanden präsentiert. Die Bahnhofsgebäude Wognum, Twisk, Opperdoes und Medemblik sind im Besitz der Museumsbahn und befinden sich nach einer umfangreichen Restaurierung im originalen Zustand. Wenn Sie unterwegs die zauberhaften Tulpenzwiebelfelder in voller Blüte bewundern möchten, sollten Sie Ihre Reise für das Frühjahr planen. In Medemblik wartete schon das Fährschiff am Anleger. Wir sollten es in Enkhuizen beim Anlegen wiedertreffen. Wir vertrieben uns die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges mit einem Stadtrundgang. Am Bahnhof stand schon die Dampflok abfahrbereit. Unser Schaffner war im bürgerlichen Beruf Wirtschaftsprüfer, wie wir im Gespräch erfuhren. Wir fuhren zurück nach Hoorn: Als wir an den Häusern vorbeiratterten, kamen die Kinder staunend angelaufen und winkten uns zu. Anschließend machten wir noch einen Abstecher nach Enkhuizen, wo wir angekommen wären, wenn wir das Fährschiff genommen hätten. Kurz nach unserer Ankunft kam auch das Fährschiff an.

Auch Enkhuizen ist eine sehenswerte Stadt. Der Ort erhielt 1355 das Stadtrecht. Enkhuizen entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der Heringfischerei. Neue Häfen wurden angelegt, und um 1600 waren 300 der insgesamt 500 Heringfangschiffe Hollands in Enkhuizen beheimatet. Als 1603 die Niederländische Ostindien-Kompanie gegründet wurde, war daran auch Enkhuizen beteiligt. Am Ende ihrer Blütezeit im Jahr 1652 war Enkhuizen für die damaligen Verhältnisse mit über 25.000 Einwohnern eine Großstadt. Ursache des anschließenden Niedergangs war die zunehmende Handelskonkurrenz im Inland (Amsterdam) und aus dem Ausland (England). Enkhuizen wurde, wie Monnickendam, Edam, Hoorn und Medemblik, eine der sogenannten »toten Städte» an der Zuidersee. Erst mit dem Aufkommen des Gartenbaus und des Tourismus um 1900 erholte sich die Gemeinde wieder. Heute profitiert die Stadt im Sommerhalbjahr vor allem vom Wassertourismus.

In Enkhuizen befindet sich auch das Zuiderseemuseum, es liegt in der Nähe des Hafens von Enkhuizen und ist nach der ehemaligen Zuiderzee (heute IJsselmeer) benannt. Das Binnenmuseum besteht aus einer Reihe von erhaltenen und rekonstruierten Gebäuden aus dem 17. Jahrhundert, von denen einige früher von der Niederländischen Ostindien-Kompanie verwendet wurden. Hauptattraktion ist die »Schepenhal« (Schiffshalle) mit einer Ausstellung von historischen Booten aus der früher bedeutenden Fischerei in der Zuiderzee sowie einigen Schiffen für den Segelsport. Darüber hinaus sind auch noch andere Exponate aus der Zuiderzeeregion zu sehen. Unter anderem Gemälde, Möbel, Werkzeuge, Trachten und eine Dokumentation über den Walfang. Im Außengelände sind ein typisches Zuiderzeestädtchen und ein Fischerdorf aus der Zeit zwischen 1700 und 1900 nachgebaut worden. Die zahlreichen Gebäude stammen nicht alle aus der Umgebung um Enkhuizen, sondern wurden aus diversen Ortschaften rund um das IJsselmeer in das Museum gebracht. Das Gelände des Freilichtmuseums wurde zuvor von den Zuiderzeewerken als Lagerplatz für den Bau des Damms nach Lelystad benutzt.

Weitere Museumsbahnen beschreibe ich in meinem Buch: Eisenbahnen in Benelux.

Autor:

Norbert Opfermann aus Düsseldorf

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