Ehrung für Box-Weltmeister Max Schmeling

Max Schmeling, der berühmteste,deutsche Boxer
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Ehrung für Deutschlands größten Boxer in Düsseldorf

Mit einem Bürgerantrag beantragt der Düsseldorfer Bürger Andreas Vogt am 04. August 2017 eine Straßen- oder Platzbenennung nach Max Schmeling.

Die lokale Politik und die Heimatgemeinschaft Groß-Benrath e.V. hatte dies bereits seit einiger Zeit zuvor in Erwägung gezogen.

93 Jahre nach seinem sensationellen Boxkampf und Sieg im Kaisersaal der Düsseldorfer Tonhalle gegen Johann Czapp (alias „Scheng“) vor 5.000 Zuschauern begann Schmelings rasante Karriere zum weltbesten Profiboxer.

Zu diesem Zeitpunkt konnte er noch nicht ahnen, dass er insgesamt 70 Profikämpfe zu absolvieren hatte, davon 56 siegreich.

Er sollte der erste deutsche Weltmeister im Profiboxen werden. Weltmeister aller Klassen.

Bis dahin war es ein langer, beschwerlicher Weg für den am 28.09.1905 in Klein Luckow in der Uckermark (Brandenburg) um Punkt 12:00 Uhr geborenen Max Schmeling.

Als heranwachsender Jugendlicher hatte Max so manche Vorbilder. Heiner Stuhlfauth, Torwart beim 1.FC Nürnberg gehörte dazu, sowie Boxer Jack Dempsey.

Dempsey kämpfte und siegte am 02. Juli 1921 vor 80.000 Zuschauern in New Jersey. Den Film über den Kampf sah sich Max Schmeling mehrmals in einem Kino der Wandsbeker Chaussee an und gab sein komplettes Lehrlingsgeld dafür aus.

Schließlich verriet Max seinem Vater, dass er in Altona bei Waldemar Meinke Boxunterricht nehmen wolle. In einem Hamburger Trödelgeschäft kaufte er ein Paar gebrauchter, alter Boxhandschuhe.

Nach einem gewonnenen Ringkampf ohne Gage im Herbst 1921 hatte er die Erkenntnis, nie mehr ohne Vertrag aufzutreten. Aus Schaden wird man klug. Damals dominierten Ringkämpfe und Boxen als Kampfsportarten.

Nach einer begonnenen Lehre wechselte Max in Hamburg zur Baumfirma Otto Meyer als Rohrbieger.

Hatte er sich bereits als 10 Jähriger seine rechte Hand inkl. Blutvergiftung mit anschließenden 14 Operationen verletzt, verbrannte er sich bei seiner Tätigkeit die rechte Hand.

Bei Otto Meyer arbeitete Max mit seinem Freund und Kollegen Matthias Jung zusammen.

Jungs Eltern wohnten in Düsseldorf. Beide jungen Männer begeisterten sich für das Boxen, welches gerade im Rheinland sehr populär wurde, galt Boxen noch vor dem 1. Weltkrieg als Sportart der unteren Schichten.

Auf nach Düsseldorf

Beide Männer wollten nach Düsseldorf ziehen. Max setzte den Plan um, während Matthias Jung in Hamburg blieb.

So fuhr Max Schmeling im Frühjahr 1922 per vierter Klasse („Holzklasse“) mit der Eisenbahn nach Düsseldorf. Dort wollte er zunächst über die Eltern von Matthias Jung eine Wohnung und eine Arbeitsstelle finden.

Als er Jungs Eltern nicht fand, übernachtete er auf einer Parkbank im Volksgarten und auf einer Bank vor einer Polizeiwache. Schließlich fand er Matthias Eltern im Düsseldorfer Stadtteil Flingern. Diese konnten Max aber auch nicht weiterhelfen.

Schmeling übernachtete im Wartesaal des Hauptbahnhofes. In „Hansens Penne“ fand er eine Schlafstelle. Doch dann erhielt er endlich eine Stelle bei einer Hoch – und Tiefbaufirma in Benrath (heute Düsseldorf-Benrath).

Schmeling mischte Zement, verlegte Abwasserrohre und baute Brunnen beim Capito & Klein AG Feinblechwalzwerk in Benrath, einem späteren Stadtteil im Düsseldorfer Süden.

Die Paulsmühle

Hier wohnte Max auf der Flenderstrasse 12 im Benrather Viertel Paulsmühle.

Er arbeitete an der Regulierung der alten Dhünn, später in Reisholz und Urdenbach, sowie beim Aufbau eines Kraftwerkes für die Bayer Werke in Küppersteg.

Kost erhielt er bei „Witwe Schlösser“ auf der Schulstrasse in Benrath. Das Haus befand sich kurz vor der Einfahrt zum DEMAG Gelände1.

Max Schmeling trainierte täglich im Haus Wagner auf der Telleringstrasse, einem Lokal mit großem Saal inklusive Boxring im Paulsmühlenviertel.

Schmelings Kollege Karl Klein fiel Schmelings Talent für das Boxen auf. Er förderte den jungen Mann und motivierte ihn zum Training im Haus Wagner.

In diesem Haus trainierte der 1920 von Karl Klein gegründete Benrather Ring und Stemmclub „Gleichheit“.

Schmeling absolvierte an manchen Tagen zwei Boxkämpfe in Haus Wagner. Am 10.12.1922 absolvierte er siegreich zwei Kämpfe.

Schmelig schwimmt durch den Schlossweiher in Benrath

Im Viertel Paulsmühle fühlte er sich wohl. Als auf der Telleringstrasse 56 eine Jugendherberge eingeweiht wurde, feierte Max dies mit seinen Sportkameraden mit einem Fackelumzug durch die Paulsmühle. Anschließend hatte Schmeling mit brennender Fackel den Benrather Schlossweiher einmal komplett durchschwommen. Das bestätigt Max Schmeling in einem Schreiben vom 16.06.1993 an Herrn Czerwinski von der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath.

Bei einem „Waldemar“ lernte Max Schmeling in Benrath viel über das Boxen und Akrobatik.

Gerade Akrobatik war beim Publikum sehr gefragt.

Im Haus Weber lernte er, wie man einen Rundkopfnagel mit der bloßen Hand in ein Brett schlägt und Ketten zerreisst.

Der bekannte lokale Boxer Rudi Fehse verlor gegen den 17 jährigen Schmeling einen Kampf in Haus Weber.

Schmelings Zeit in der Benrather Paulsmühle endete 1923 mit seiner Versetzung nach Mühlheim am Rhein.

Dort schloss sich Schmeling dem Mühlheimer Boxclub von 1920 an.

Düsseldorf brachte Max Schmeling Glück

Doch Düsseldorf legte nicht nur die Grundlage für seine Boxkarriere. In Düsseldorf gewann Max Schmeling in der Tonhalle vor über 5.000 Zuschauern am 02.08.1924 gegen den Düsseldorfer Johann Czapp.

Schmeling hatte es allen mit 19 Jahren und 77 Kilogramm Körpergewicht gezeigt. Von nun an war er als Profi zugelassen. Weitere dafür notwendige Qualifikationskämpfe waren nicht erforderlich. Schmeling hatte alle überzeugt.

Seine Börse für den Kampf betrug 80 Mark. Davon ging Max zum Muschelessen in die Düsseldorfer Altstadt, bezahlte Mietschulden und schickte seiner Mutter etwas Geld.

Von da an war Schmelings Aufstieg in die Profiwelt des Boxens nicht mehr aufzuhalten.

Schmeling kämpfte ein zweites Mal in Düsseldorf am 07.12.1924 gegen den Franzosen Battling Marthar und siegte durch KO in der dritten Runde.

Die legendären, großen Boxkämpfe sollten erst noch kommen.

Max Schmeling besuchte Benrath und die Paulsmühle später ab und zu, so zum Beispiel 1929 zu einer Ehrung.

Schmeling überlebte den 2. Weltkrieg. Als einziger deutscher Sportprofi wurde er zum Militär eingezogen und wurde beim Angriff auf Kreta verletzt.

Seine zweite Lebensphase war geprägt von großem sozialen Engagement und Erfolg als Unternehmer.

54 Jahre war er mit seiner großen Liebe Anny Ondra verheiratet, die 1987 starb.

Max Schmeling wäre am 28.09.2005 100 Jahre alt geworden. Dieses Ziel verfehlte er nur um wenige Monate, als er am 02.02.2005 starb.

Was Schmeling in der Zeit von 1905 bis 2005 erlebt hatte, dafür benötigt ein Mensch eigentlich einige Leben.

Unglaublich, wem Max Schmeling alles begegnet ist und was er dank guter Gesundheit alles erleben durfte und musste.

Er bewies Rückgrat und liebäugelte nicht mit dem NS System.

Im Gegenteil.

Für Schmeling spielte die Herkunft eines Menschen nie eine Rolle.

Nach über 100 Jahren ist dieses Thema leider aktueller denn je.

So ist er ein zeitloses Vorbild für uns alle.

Ehrung von Max Schmeling

Die Würdigung und Ehrung von Max Schmeling soll nach Andreas Vogt im Rahmen eines festlichen Akts in der Benrather Pauslmühle stattfinden. Hier soll eine neue Straße oder ein Platz nach Max Schmeling benannt und ein Denkmal aufgestellt werden.

"Ideal wäre der Platz mit den Brunnen an der Ecke Paulsmühlenstrasse/Telleringstrasse. Damit ist die Nähe und der Bezug zu Schmelings alter Wirkungsstätte gegeben. Das Haus Wagner wurde in den 80er Jahren abgerissen und stand direkt gegenüber der Brunnen. Und Schmeling war in der Paulsmühle als Brunnenbauer tätig, wohnte auf der Flenderstrasse. Würde alles passen", so Andreas Vogt.

In Zusammenarbeit mit der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath e.V. , der lokalen Politik und der Max-Schmeling-Stiftung möchte Vogt ein Konzept rund um die Ehrung von Max Schmeling erarbeiten. Die Ehrung soll sich nicht nur auf ein Strassenschild reduzieren.

So könnte sich Vogt vorstellen, das bei der Feier ein berühmter Box-Ex-Profi anwesend ist, der Max Schmeling sehr nahe gestanden hat. Vielleicht wäre ein Denkmal an dieser Stelle finanzierbar. Ein paar alter Boxhandschuhe lägen über dem Schild.

Zudem könnte es in der Paulsmühle eine Boxgala zugunsten der Max Schmeling Stiftung geben, die lokalen Schulen in Projekten von Max Schmeling informieren und vieles mehr.

Das Leben in der Düsseldorfer Paulsmühle und die zwei gewonnenen Kämpfe in Düsseldorf brachten Max Schmeling Glück.

Boxen bleibt in der Paulsmühle

Ende der 80er war das alte Haus Wagner bereits abgerissen und ein neues Haus auf der Telleringstrasse gebaut worden. Dort zog 1993 das Fitness Center Atlas ein. Das Fitness Studio hatte zuvor seinen Sitz in der Benrather Fußgängerzone. Bis heute lädt das kleine, sympathische Old School Studio alle Fitnessbegeisterten auf eine Zeitreise in die 80er Jahre ein. Und irgendwie blieb das Fitnesscenter auf genau derselben Fläche wie früher das Haus Wagner dem Boxsport treu.

Viele Jahre trainierte in dem privat geführten Fitness Studio die bekannte Weltmeister-Boxerin und Kampfsportlerin Daisy Lang.   

Max Schmeling und Daisy Lang hätten sich bestimmt viel zu erzählen gehabt.

Informationen zu Max Schmeling: http://www.max-schmeling-stiftung.de/

Das Boxerlied (mit Max Schmeling): https://www.youtube.com/watch?v=5N9gsWtUguw

Quelle:

Rheinische Post vom 12.08.2017 ("Stadt will Boxer Max Schmeling ehren")
Rheinische Post vom 26.08.2015 ("Schmeling bestritt ersten Kampf in Düsseldorf")
Max Schmeling "Eine Biographie in 15 Runden" von Volker Kluge
Hermann Schüller, Bürger in der Paulsmühle
Schreiben von Max Schmeling an die Heimatgemeinschaft Groß-Benrath vom 16.06.1993

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