Stadion-Randgedanken (oder: Liebe eben!)

Es musste ja eines Tages passieren.

Nö, nicht dass Fortuna Düsseldorf zuhause endlich mal geschlagen wird.

Sondern: dass ich nicht mit meinem geliebten Zweirad-Ferrari ins Stadion fahren kann, sondern mit der verhassten Straßenbahn zum Spiel muss.

Straßenbahnfahren bedeutet für mich nun mal Höchststrafe, da kann ich mich noch so sehr vom Gegenteil zu überzeugen versuchen, es geht einfach nicht.
An der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee verkündet ein Lila-Laune-Bär der Rheinbahn durch die Lautsprecher: „Macht euch mal locker, da kommt gleich ein leerer Zug für euch.“
Locker vor mich hin grinsend, harrte ich also dem Zug, der da kommen sollte.
Nächste Durchsage: „Also eigentlich sollte da jetzt ein leerer Zug für euch kommen.“
Ein Zug wird kommen, lalala..
Er kam, der leere Zug.

Und ich bekam einen SITZPLATZ. Unglaubliches Glück für einen Bahnhasser wie mich.
Neben mir ein älterer Herr, der in einer faszinierenden Langsamkeit seine Laugenbrezel verzehrte. Vor mir rotweiße Bierbäuche in Augenhöhe.
Von oben flüstert ein bereits etwas angetrunkener Mitstreiter: „Du hast die schönste Mütze von allen..“ Grundsätzlich mag ich es ja, wenn jemand meine Zippelmütz mag. Aber nicht, wenn ich da so hilflos sitze und mich frage, ob ich vielleicht am zweitliebsten Büdchen Düsseldorfs noch ein Füchsen-to-go ergattern könnte und diese blöde Bahn leider genau vor der Haltestelle des Glücks zum Stehen kommt. Kompletter Stillstand untermalt mit abwartender Stille aller Insassen. Erlebt man auch nicht alle Tage.

Am Stadion angekommen war dann alles wie immer. Menschen, die Karten zum halben Preis ergattern möchten und Ordner, die einen freundlich dazu auffordern, die Kopfbedeckung zu lüften. Könnte ja ein Geschoss drin sein, da kann man noch so sehr nach einem Gartenzwerg in Heimspielstimmung aussehen.

Alle Hürden erfolgreich genommen, muss es erst mal ein Bier aus dem Plastebecher sein.
Geschafft!
Und zwar alles.
Die Bahnfahrt zum Fussi-Tempel und ich.
Geschafft, und zwar voll und ganz.

Neben mir auf dem Damenklo brüllt eine Frau: „Ulllaaaa, da kütt nix, aber auch mal gar nix!“
Ulla brüllt zurück: „Bei mir lüppt et.“
Ich mitten drin, mit einem mordsmäßigen Lachflash.
Am Aufgang zum Block erzähle ich von Ulla und wie es so lüppt, wenn nix lüppt.

Vor mir dreht sich eine elegante Dame im Mantel um und meint: „Das war ich!“
Und noch eine, noch elegantere Dame dreht sich ebenfalls um und sagt: „Und ich bin Ulla!“

Ulla find ich gut!
Und grinse zwei Tage später immer noch über diesen Slapstick vom Feinsten.

Das Spiel lief hingegen in der Anfangsphase eher schleppend.
Irgendwie war das klar.
Wenn ich schon nicht in gewohnter Radlerqualität ins Stadion fahren kann, dann haben die Jungs da unten auf dem Platz auch ihre Schwierigkeiten in Fahrt zu kommen.

Neben mir Stadionwenigbisniegänger.
Regen sich auf über ein sauschlechtes Spiel.
Gucken dir nicht richtig hin oder was?

Auf der anderen Seite Bemerkungen, dass die Mannschaft sich gedanklich wohl schon beim Pokalspiel befindet. Nö, das stimmt nicht. Die Mannschaft gibt in der zweiten Hälfte alles, es ist eins der besten Fußballspiele meiner Mannschaft.

Die, die so blöde daher reden und offensichtlich nicht richtig hingucken, die gehen auch vor dem Schlusspfiff. Wo gibt es denn sowas? Das macht man tatsächlich nur, wenn das Herz nicht dran hängt.

Der beste Fußballkumpel von allen sagt: ich verlier ja lieber mit den Jungs.
Und ich denke: jau, so schön muss man erst mal verlieren können!

Wir beschließen: noch ein Bier, irgendwo, irgendwann…auf eine schöne Niederlage, auf die Liebe zu unserem Verein.

Machen wir auch.
Auf der Fahrt nach Irgendwo bietet uns jemand ein Gatz aus der Pulle an.
Und eine Mitstreiterin sagt: „Nö! Will ich nicht. Von Gatz wirste wieder Jungfrau, da zieht sich innerlich alles zusammen.“

Der nächste Lachflash überkommt mich wie ein Tsunami.
Das wärmt dann von innen, da kann es noch so kalt sein, da kann ein Sturmtief mit dem Namen Joachim wirklich alles geben: Lachen wärmt von ganz tief innen.

Und wenn ich an das Pokalspiel am Dienstag gegen die Majas denke, dann weiß ich:

Ganz egal, was passiert:
Es ist Liebe!

Liebe?

Ja!

Eben!

Autor:

Annette Kallweit aus Düsseldorf

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