Weihnachten - wie`s früher war....

Alle Jahre wieder denke ich an meine Kindheit zurück, wenn ich wenige Tage vor dem Fest unserere Krippe aufbaue, welche ich von meinen verstorbenen Eltern geerbt habe, und vor der ich schon als kleines Mädchen viel gesungen und meine Familie mit meiner Blockflöte nervte.

Aufgewachsen bin ich mit 2 Brüdern, den Eltern und Großeltern und einer ledigen Tante im alten Dorf in Kaarst, im Schatten einer romanischen Kirche, die bis 1957 unsere Pfarrkirche war.

Wie viele Familien damals hatten auch wir eine kleine Landwirtschaft und zusätzlich einen Tante- Emma Laden. Wir waren nicht reich, hatten aber alles, was wir zum Leben brauchten.
Die 3 K`s: Kirche, Küche und Kinder prägten mein streng katholisches Elternhaus.
Meine Kindergartenzeit verbrachte ich im damaligen einzigen Kindergarten von Kaarst unter Schwester Generosa und Fräulein Johanna.

Zur Adventszeit wurde im Kindergarten immer eine leere Krippe aufgebaut, wo wir Kinder jeden Tag einen echten Strohhalm rein legten. So war das "Bett" Weihnachen fertig und das Christkind konnte geboren werden.

Der Nikolaus war so etwas wie der Vorbote für`s Christkind. Er kam zu uns in den Kindergarten und las aus seinem goldenen Buch jedem Kind die "Schandtaten" vor. Ich hatte immer schreckliche Angst vor ihm, und wenn dann auch noch "Hans Muff" draussen mit der Kette rasselte, wäre ich am liebsten unterm Tisch gekrochen.

Zu Hause begann die Adventszeit genau mit dem 1. Advent, meine Mutter steckte ein paar Tannenzweige in ein Gefäß, Kerzen dazu, fertig war der Weihnachtsschmuck.
In der ganzen Adventszeit gab es für und nichts Süßes, außer einer Kleinigkeit zu Nikolaus.
Plätzchen wurde jede Menge gebacken und wir durften nur mal dran riechen. Das war schon hart, aber ich kannte es ja nicht anders.

Mein Vater und wir Kinder fuhren an einem Adventsnachmittag mit der Strassenbahn nach Neuss zum "Schaufenter gucken." Meine Oma und meine Mutter fuhren danach, um das "Christkindchen" zu bestellen.

Es wurde zu Hause auch viel gebastelt, Strohsterne aus Trinkhalmen, und zweifarbiges Gold- oder Silberpapier wurde zu Engeln, Glocken und langen Ketten mit viel Uhu verarbeitet.

Schon Tage vor Weihnachten wurde das gute Wohnzimmer, welches nur zum Schützenfest, an Namenstagen, Kinderkommunion und an den Weihnachtstagen benutzt wurde, abgeschlossen. Alle taten geheimnisvoll, und es wurde fleißig durch`s Schlüsselloch gelauert, ob sich dahinter was tat.
Es gab kein Fernsehen, kein Auto und Weihnachtsgeschichten hörten wir im Kinderfunk.

Die Bescherung in den Familien war entweder an Heilig Abend oder am 1. Weihnachtstag, denn das Christkind konnte ja nicht überall gleichzeitig sein.
Nachdem auch der letzte Kunde seine vergessenen Lebensmittel bei uns abholte, wir alle frisch in der Zinkwanne gebadet hatten, das Vieh versorgt wurde, warteten wir im kleinen Wohnzimmerchen aufgeregt auf das Christkind.
Und wenn dann Bescherung war, läutete das Glöckchen und wir durften endlich in`s gute Zimmer. Da sahen wir auch dann zum ersten Mal den hell erleuchteten und mit echten Kerzen brennenden Tannenbaum. Aber erst wurde gesungen, Gedichte vorgetragen und die Weihnachtsgeschichte vorgelesen.

Jeses Familienmitglied, Oma, Opa, Tante Marie, Vater, Mutter und wir 3 Kinder bekamen einen bunten Teller mit Nüssen und Äpfeln aus dem eigenen Garten, ein paar Apfelsinen und Schokoladen- Knickebein- Baumbehang, was aber keine so richtig mochte. ( Bäh....) Aber die selbstgebackenen Plätzchen durften nun endlich verzehrt werden.
Wir waren mit unseren Geschenken mehr als zufrieden. Anziehsachen, die wir dringend nötig hatten, meine Brüder Ergänzungsteile für den Stabilbaukasten oder die Märklin- Eisenbahn, und ich neue selbstgestrickte Klamotten für meine Puppe. Alle zusammen bekamen wir noch ein Gesellschaftsspiel. Und untereinander wurde sich nichts geschenkt.

Das Abendessen bestand immer aus Kartoffelsalat mit Würstchen, ließ sich ja auch gut vorbereiten, Weihnachten war ein echtes Familienfest, Freunde ging man nicht besuchen, und auf den Straßen war es ruhig. Wir hatten damals viel Zeit mit- und füreinander. Und im "guten" Wohnzimmer spielen zu dürfen, ja-, das war schon etwas besonderes.

Am 1. Weihnachtstag ging es schon um 5 Uhr zur Christmette, die immer sehr gut besucht war. Männer und Frauen sassen streng getrennt, die Frauen links, die Männer rechts. "Stille Nacht, Heilige Nacht" wurde nicht gesungen, stand auch nicht im Gebetbuch, ich glaube, der Kirche war dieses Lied nicht "fromm" genug. Nach der feierlichen Mette las unser Pastor noch 3 stille Messen, alles in latein und mit dem Rücken zum Volk, währen ein zweiter Priester bis weit in die 2. Messe Kommunion austeilte. Mein älterer Bruder als Meßdiener und ich als kleines Mädchen, die neben der Oma still in der Bank sitzen musste, rutschten uns die Knie wund. Und nachmittags ging es dann auch noch zur Christenlehre und Andacht.

Die Weihnachtszeit geht ja streng genommen bis zum 2. Februar, dem Fest Mariä Lichtmess.
Und so lange blieb auch in den Familien der Tannenbaum stehen. Da unser Wohnzimmer nicht ständig beheizt wurde, war das ja auch damals kein Problem.

Und noch an ein nettes Ereignis der Nachweihnachtszeit kann ich mich gut dran erinnern: Eine liebe Nachbarin lud alle Kinder aus dem alten Dorf an einem Nachmittag zu sich zum "Krippchen singen" ein. Wir sangen dort nochmal alle Weihnachtslieder und trugen unsere auswendig gelernten Gedichte vor.
Für uns Kinder war damit die Weihnachtzeit zu Ende.

Die allerletzten Weihnachtsplätzchen gab es immer am 21. Januar. da hatte meine Mutter Namenstag (Agnes). Da war sie immer stolz drauf, wenn sie noch welche ihren Verwandten anbieten konnte. Und wenn- aus Versehen natürlich- keine mehr da waren, wurden neue gebacken.

Es dauert nicht mehr lange, und ich kann meinen Enkelkindern diese Erlebnisgeschichten aus meiner Kindheit erzählen und ich fange mit Sicherheit so an:"Soll ich euch mal berichten, wie`s Weihnachten früher war?"

Autor:

Christa Palmen aus Düsseldorf

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