Der Gott des Gemetzels, welch ein Titel.

Der Gott des Gemetzels -

Das soll ein Kinofilm sein? 75 Minuten Dauergequatsche zweier Pärchen in einem Appartement, weder Sex, noch Gewalt oder Action entsprechen nicht den üblichen Zutaten dafür.

Kaum vorstellbar, dass ich das durchhalte, wären da nicht solch wunderbare Darsteller wie Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, oder auch der nicht so bekannte Mr. Reilly.

Dieses wunderbares Ensemble spielt sich in einen Rausch. Eine zügige Abfolge messerscharfer Dialoge halten Spannung in einer Handlung, die kaum vorhanden ist.

Ursprünglich handelt es sich um ein Theaterstück. Sehr praktisch, da man gewaltig am Bühnenbild spart.
Die Eltern zweier 11-jähriger Jungs treffen sich in der Wohnung der Eltern des Opfers. Dort wird zunächst ein kurzes Schreiben an eine Versicherung gemeinsam formuliert. Man kommt darüber ins Gespräch.

Es geht um Gott und die Welt. 4 unterschiedliche Charaktere toben sich aneinander aus. Christoph Waltz verkörpert einen Rechtsanwalt, der pausenlos mit seinem Handy beschäftigt ist. Sein Mandant verkauft Medikamente mit unguten Nebenwirkungen und gerät zunehmend in die Bredouille. Entsprechend surrt das Handy in einem fort.
Wie seine Gattin Kate Winslet so schön formuliert: das Telefon zerhackt ihr Leben. Fast übergangslos wechselt er zwischen zahlreichen Telefonaten und der damit gestoppten Konversation rund um die Auseinandersetzung der beiden Söhne.
Jodie Foster verkörpert eine etwas überspannte Frau, stets am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ihre Ausdrucksmittel sind unvorstellbar, die reine Freude ihre Gestik und Mienenspiel zu verfolgen.

Nach zunehmendem Gestichel über die Auseinandersetzung der Söhne droht die Situation spätestens zu eskalieren, nachdem Kate Winslet bei dem einzigen special-effect des Films ein paar wertvolle Kunstkataloge der Gastgeberin vollkotzt. Kaum zu erklären, wie sie das geschafft hat. Method acting, oder Computereffekt? So unappettitlich die Szene sein mag, sie ist absolut kurios.

Bei allem Lob und Respekt für diesen Film muss die Kritik erlaubt sein: was ist das für ein dämlicher Titel? Der Originaltitel „carnage“, zu übersetzen mit „Blutbad“ macht es auch nicht besser.

Dieser bezieht sich auf ein Zitat der vom begnadeten Christoph Waltz verkörperten Figur. Er glaube an eben diesen GdG. Das Thema Gewalt und Armut in Afrika wird führt das Gespräch in diese Richtung.
Die Urinstinkte stecken also angeblich in jedem und können jederzeit ausbrechen, oder so? Zur Verdeutlichung benehmen sich nicht nur die Kinder dieser Eltern daneben sondern sie selbst?
Das ist wenig überzeugend, weit hergeholt.
Zu Tätlichkeiten kommt es nicht, alles bleibt im Rahmen. Im Gegensatz zu den Eltern vertragen sich die Kinder in der abschließenden Szene wieder miteinander.

Die Botschaft der Geschichte zielt also in Richtung: Oberflächlichkeit der Zivilsation? Kratzt man ein wenig an den üblichen Floskeln kommt darunter die Bestie Mensch zu Tage. Das mag sein, hat aber mit der Story wenig zu tun.
Davon habe ich nichts gesehen. Sicherlich gehen die Protagonisten sich gegenseitig reihum ein wenig mehr auf die Nerven, als es alltäglich ist. Von einem Massaker oder auch nur dem Fall aller Manieren, Masken oder Gesetze der Zivilisation sind wir dabei aber weit entfernt.

Operation misslungen, Patient wohlauf und bester Dinge lautet somit das Fazit zu diesem cineastischen Wunderwerk.

Interessant: die Geschichte spielt in New York City. Man blickt aus den Fenstern der Wohnung auf einen Skyline mit zahlreichen Hochhäusern, wie auch in den Außenszenen zu Beginn und am Ende des Films.
Da der Regisseur jedoch aus guten Gründen nicht in die USA einreisen will wurde alles in Paris gedreht. Davon merkt der Zuschauer aber rein gar nichts.

Autor:

Peter Neppl aus Duisburg

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