Georg Overkamps Skulptur vor dem Hamborner Rathaus macht Hoffnung auf die Zeit „danach“
Freundschaften haben sich in der Corona-Zeit verändert

Der Maler und Bildhauer Georg Overkamp (unten im Bild) hat seine Skulptur „Freunde“ an Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer, Projektleiterin Ute Schramke und Jörg Frost, Leiter des Amtes für bezirkliche Angelegenheiten (stehend v.l.) übergeben. Seitdem ist sie bei vielen Hambornern auf große Beachtung gestoßen.
Foto: Uwe Köppen/Stadt Duisburg
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  • Der Maler und Bildhauer Georg Overkamp (unten im Bild) hat seine Skulptur „Freunde“ an Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer, Projektleiterin Ute Schramke und Jörg Frost, Leiter des Amtes für bezirkliche Angelegenheiten (stehend v.l.) übergeben. Seitdem ist sie bei vielen Hambornern auf große Beachtung gestoßen.
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„Das sieht ja toll aus. Was wird das denn? Haben Sie das selbst entworfen?“ Diese oder ähnliche Worte hat Georg Overkamp mehr als einmal zu hören bekommen, als er „sein“ Kunstwerk vor dem Hamborner Bezirksrathaus installiert und mit einer Kettensäge bearbeitet hat. Und auch jetzt bleiben Passanten regelmäßig stehen und betrachten die „hölzernen Freunde.“

Die Skulptur „Freunde“ ist im Rahmen des Projekts „Kunst im öffentlichen Raum“ auf den Weg gebracht worden. Projektleiterin Ute Schramke zur Ursprungsidee: „Die Corona-Pandemie hat die Kunst in Duisburg weitgehend zum Erliegen gebracht. Um sie wieder lebendig zu machen, sollte vor jedem der sieben Duisburger Bezirksrathäuser ein Kunstwerk präsentiert werden. Künstler aus der Region wurden zu einem Wettbewerb aufgerufen.“ Die Installationen sollten ein Dankeschön an die Bürgerinnen und Bürger für deren umsichtiges Verhalten in der Corona-Krise sein, gleichzeitig aber auch ein Aufruf, sich weiterhin vorbildlich zu verhalten.

Georg Overkamp hatte sich erfolgreich beworben und für den Bezirk Hamborn den „Zuschlag“ bekommen. Der Jury gefiel seine Projektidee. „Dann aber hat das Ganze eine gewisse Eigendynamik erfahren“, erinnert sich der 64jährige Künstler schmunzelnd. Im Hamborner Bezirksmanagement gab es Bedenken, dass der an eine Mund-Nasen-Maske angelehnte Entwurf negativ besetzt sei. Aber da Overkamp nicht nur flexibel, sondern vor allem kreativ ist, hat er einen zweiten Entwurf vorgelegt, eine stilisierte Figurengruppe zeigt.

Wechselndes
Schattenspiel

Schnell bekam er die erneute Zusage, und dann ging es für ihn ans Werk. Mit der Skulptur „Freunde“ will der Künstler die Zeit nach Corona symbolisieren. „Noch müssen wir aufgrund der Pandemie mit Einschränkungen, Abstand und Distanz leben“, sagt er und ergänzt: „ich aber will ganz einfach Nähe und Verbundenheit ins Bild setzen.“ Seine Kunst sieht er darin, „im Holzobjekt etwas, was den Dingen oder Gedanken bereits innewohnt, zu entdecken und derart herauszuarbeiten, dass es auch für andere sichtbar wird.“ Was dabei für die Betrachter sichtbar wird, hat viel mit deren individuellem Empfinden zu tun.

„Freunde“ kann als abstrahierte figürliche Dreiergruppe interpretiert werden und bildet die Form eines Kelches, gefertigt aus grobem Holz, das außen relativ unbehandelt bleibt. Die Innenseite ist geglättet und in Weiß- und Ockertönen gefärbt. Nachts wird das Innere der über zwei Meter großen Skulptur von unten beleuchtet, die Installation leuchtet dann in einem warmen Weiß. Tagsüber bildet sich im Inneren ein mit der Tageszeit wechselndes Schattenspiel.

Freunde als Unterstützer
bei der Arbeit

„Ich habe mir die Skulptur mit meiner Frau nicht nur am Tag, sondern oft in der Abenddämmerung und auch nachts angesehen“, so Overkamp, der in Duisburg übrigens kein Unbekannter ist und schon oft gemeinsam mit dem Neumühler Künstler Helmut Junge ausgestellt hat. Beides habe besondere Reize. Schon während der Installationsarbeiten wurde der Bildhauer und Maler von Passanten regelrecht „gelöchert“, mal von einem Schüler, dann von einem polnischen Seemann, der sich hier verlaufen hatte, dann von einer älteren Dame, die gerade vom Hamborner Wochenmarkt kam, ihre Taschen abstellte und sich von Overkamp erklären ließ, was der da gerade mache.

Der Entwurf diente ihm lediglich als Anhaltspunkt oder Anleitung. Letztlich ergab sich alles weitere beim Bau: „Ich arbeite im Dialog mit dem Material und beziehe Zwischenstand und Umgebung mit ein.“ Die Skulptur trägt nicht nur den Namen Freunde, vielmehr waren es auch seine Künstlerfreunde Helmut Junge und Iris Schnaitmann, die ihn bei den Installationsarbeiten unterstützt haben.

Skulptur ist bis zum
12. Oktober zu sehen

„Ich habe selbst erlebt, dass in der Corona-Zeit sich Freundschaften veränderten. Sie wurden wichtiger, sie wurden intensiver. Auch wenn nur ein virtueller Austausch stattfand“, berichtet Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer zum Thema Freunde. Seine Stellvertreterin Martina Will, zugleich Mitglied der Kunstkommission Duisburg, ergänzt: „Die Skulptur Overkamps gibt Hoffnung auf eine Zeit, in der man wieder mit Freunden das echte Leben genießen kann und nicht mehr ausschließlich über Chats kommuniziert.“

Die Skulptur „Freunde“ wird bis zum 12. Oktober am Bezirksrathaus Hamborn, Duisburger Straße 213, zu sehen und zu fotografieren sein. Die Hamborner sind im Rahmen eines Fotowettbewerbs nämlich dazu eingeladen, sich vor dem Kunstwerk fotografieren zu lassen oder einfach ein Selfie zu machen. Unter allen Einsendern wird ein Gewinn von 100 Euro ausgelost, der vom Bezirksbürgermeister überreicht wird. Berücksichtigt werden alle Fotos, die bis Montag, 14. September, per E-Mai an u.schramke@stadtdduisburg.de geschickt werden. Auch für die anderen sechs Kunstwerke in den jeweiligen Stadtbezirken gibt es übrigens einen solchen Wettbewerb.

Und was geschieht danach mit der Skulptur? Georg Overkamp: „Vielleicht gibt es ein Unternehmen oder Kunstinteressierte, die sie bei sich auf Dauer präsentieren wollen. Vielleicht spende ich sie aber auch für einen guten Zweck.“

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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