Kolumne: Automatenservice

Die Fachkraft für Automatenservice ist staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Er kümmert sich um Waren-, Getränke-, Verpflegungs-, Geld-, Bank-, Telefon-, Zeiterfassungs- und Unterhaltungsautomaten.

Sire?

Ja, Mylord?

Jetzt, da die Anakonda-Würgegriff-Seuche beendet ist, müssen wir was für unsere Wirtschaft tun. Brot und Spiele alleine reichen da nicht.

Ja? Und ich dachte, Meisterschaften in Flippern und den Glücksspielautomaten im Casino würden reichen.

Für den Anfang ja. Da sind die Leute dann abgelenkt. Irgendwann ist aber auch das langweilig. Und, noch viel wichtiger: Insbesondere die Familienväter und alleinerziehenden Mütter brauchen wieder eine Verdienstmöglichkeit, um ihre Spielsucht zu finanzieren.

Stimmt. Und was sollen wir tun?

Es gibt den Beruf der Fachkraft für Automatenservice. Ist staatlich anerkannt, bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Ich würde unseren Ort gerne zu einem Standort der Automatenwirtschaft machen.

Und wie soll das gehen?

Wir haben doch in unseren nördlichen Stadtteilen viel Platz in unseren Gewerbegebieten. Ich habe schon mit dem Lobbyverband der Automatenwirtschaft gesprochen; er wird sich bei uns in Bösenberg ansiedeln.

Was? Das haben Sie geschafft? Wieviel Bestechungsgeld war dafür erforderlich?

Sie wissen doch, wie das funktioniert. Wir haben unsere Afrikastiftung. Die Leute, die dort arbeiten, können Spenden leisten. Diese Spenden wirken sich dann bei den Sozialversicherungsabgaben positiv aus – die Stiftung bezahlt die höheren Sozialversicherungsabgaben und die Beitragszahler bekommen dann später eine höhere Rente. Der Automatenwirtschafts-Lobbyverband hat sich zwar darüber gewundert, daß er Geld aus Mauritius, Lesotho, Swasiland und Kongo-Kinshasa erhalten hat, war über diese indirekte Subventionierung sehr erfreut.

Ja, gut. Gut gemacht. Und wie geht es jetzt weiter?

In einem ersten Schritt werden wir für die entsprechende Ausbildung sorgen. Ich habe schon mit unserer Arbeitsverwaltung gesprochen. Es konnte sehr viel Geld für entsprechende Bildungsmaßnahmen akquiriert werden. Sobald die Maßnahmeträger die Kurse konzipiert und genehmigt bekommen haben, geht`s los- genügend unqualifiziertes, aber williges Personal haben wir ja.

Aber keine Fachfirmen. Wo sollen die denn herkommen?

Och, selbst dafür habe ich eine Lösung. Die Staatsbahnen der Molukken werden eine Dependance bei uns eröffnen und Fahrkartenautomaten bei uns herstellen. Unsere Call Center haben sich verpflichtet, neue Automaten für die Zeiterfassung und Bank- und Versicherungsdienstleistungen entwickeln zu lassen und zu vertreiben. Die Neuerung: IT-Fachleute entwickeln gerade App`s, die eine Verbindung zu den Stempeluhren herstellen. So ermöglichen sie es den Außendienstmitarbeitern, ihre Arbeitszeit dezentral einzugeben und zu dokumentieren.

Mylord: Das ist ja auch für uns interessant. Ich kann auf diese Art und Weise auch unseren Außendienst kontrollieren.

Genau, so ist das auch gedacht. Eine dritte Zusage habe ich auch schon. Ein Casino und mehrere Spielhallen haben Interesse an neuartigen Spielgeräten signalisiert, beispielsweise einem Mix aus PF + 3-D-Brille, ferngesteuerten Robotern, die gegeneinander Fußball spielen können, oder Smartphones + Maus, die zu umfangreichen Computerspielen genutzt werden können – quasi als Automatenersatz. Hier wird Forschung + Entwicklung betrieben.

Das hört sich aber nicht nach klassischen Automaten an. Getränkeautomaten oder Stempelkästen sehen anders aus.

Stimmt. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Die Klassiker für Fahrkarten, Briefmarken und Verpflegung wird es natürlich auch in Zukunft noch geben. Die moderne Technik macht es aber möglich, aß sich Berufsbild und Produkte ändern. Wir werden Vorreiter dabei sein.

Gut – fangen wir und reiten los.

Autor:

Andreas Rüdig aus Duisburg

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