Lehmbruck Preis und Ausstellung - Rebecca Horn im Lehmbruck Museum

Der Rote Teppich war ausgerollt. Ausstellungseröffnung und Preisverleihung im Lehmbruck Museum.
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Der rote Teppich war ausgerollt. Das Lehmbruck Museum hatte zur Verleihung des Wilhelm-Lehmbruck-Preises an die Künstlerin Rebecca Horn eingeladen. Zeitgleich wurde ihre Ausstellung "Hauchkörper als Lebenszyklus" eröffnet, eine Retrospektive mit vier neuen Arbeiten, die der Ausstellung ihren Namen geben.

Von 1966 bis 2006 wurde der Wilhelm-Lehmbruck-Preis alle fünf Jahre verliehen, um das Werk des in Duisburg geborenen Bildhauers Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) zu ehren und um zeitgenössische, international bedeutende Bildhauer/-innen für ihr Gesamtwerk zu würdigen. Nach einer über 10-jährigen Pause wurde der mit 10.000 Euro dotierte Preis nun wieder verliehen. Erstmals ging die Auszeichnung an eine Künstlerin. Rebecca Horn reiht sich nun in die Liste der bisherigen Preisträger: Eduardo Chillida, Norbert Kricke, Jean Tinguely, Claes Oldenburg, Joseph Beuys, Richard Serra, Richard Long, Nam June Paik und zuletzt 2006 Reiner Ruthenbeck.

Poesie des Mechanischen

Mit Preisen und Auszeichnungen ist Rebecca Horn (geb. 1944 in Michelstadt) schon mehrfach geehrt worden. Sie erhielt den Praemium Imperiale, den "Nobelpreis für Künstler", und allein in diesem Jahr das große Verdienstkreuz und den Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste.

Ohne Zweifel ist die mehrfache Documenta-Teilnehmerin eine der eigenwilligsten und experimentierfreudigsten Künstlerinnen Deutschlands. Als Bildhauerin, Zeichnerin, Dichterin, Filmemacherin, Installations- und Performancekünstlerin hat sie in den letzten 50 Jahren ein unverwechselbares Werk geschaffen. Vor allem sind es die komplex gebauten Maschinen, die uns magisch anziehen. Maschinen, in denen sich Technik, Magie, Poesie zugleich auch Aggressivität und Zartheit begegnen. Es sind durch Bewegungsmelder gesteuerte Konstruktionen aus Metall, aus natürlichen Materialien mit Federn, Straußeneiern, (Edel-) Steinen und Speeren aber auch mit giftigen Substanzen wie Quecksilber. Mit ihren Apparaturen führt sie die Betrachter in eine geradezu poetische Welt des Mechanischen.
In der großen Wechselausstellungshalle ist zum Beispiel der "Schildkrötenseufzerbaum" zu sehen. Er entführt uns in die Gedankenwelt von Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Durch kupferne Trichter hört man Stimmen, die uns in verschiedenen Sprachen ihre Sorgen erzählen.

Hauchkörper als Lebenszyklus

Die Ausstellung gibt einen umfassenden Einblick in ihre bisherigen Arbeiten. Zu sehen sind Aufzeichnungen ihrer frühen Performances, Filme, Aquarelle, Gedichte sowie Maschinenskulpturen und raumgroße Installationen. Gleich zu Beginn, in der Glashalle, steht das Meisterstück ihrer neuen Arbeiten aus der Reihe der "Hauchkörper".
Polierte Messingstäbe stehen mit ihrer Spitze fein austariert auf einer dunklen Stahlplatte. Sie bewegen sich leicht wie Schilfrohre im Wind, jedoch nicht in eine Richtung, sondern asynchron. Sie laden zu ruhigem Verweilen und Betrachten ein. Die pure Entschleunigung.

Dieses tief Meditative haben auch die Objekte "Tanz in einer Pirouette" oder "Umschlungen in unendlicher Liebe", wo unterschiedlich große Kreise sich ineinander drehen. Die neuen Arbeiten läuten eine neue Schaffensphase ein. Nach einem Schlaganfall vor zwei Jahren hat Rebecca Horn diese Arbeiten in diesem Jahr entworfen. Die Reflektion auf ihre Krankheit mag sich im Objekt "Aus dem Mittelalter entwurzelt" widerspiegeln. Hier stehen Horns eigene in Bronze gegossene Schuhe auf einer Stahlplatte. In ihnen stecken zwei Messingstäbe, die sich leicht bewegen, ohne dass sich die Schuhe fort bewegen könnten.

Die Krankheit verleiht neue, kreative Kraft. Die aktuellen Arbeiten zeugen davon. Ein Neuanfang, den sie so beschreibt: "Es ist für mich beglückend, Skulpturen geschaffen zu haben, die nicht Abkömmlinge oder Verlängerungen früherer Arbeiten sind. Sie stehen ganz für sich, und das gibt mir das Gefühl, dass ich an der Schwelle einer neuen Werkphase stehe."

Rebecca Horn lebt und arbeitet in Berlin, Paris und in Bad König.
Weitere Informationen zu ihrer Person und zu den in der Ausstellung gezeigten Arbeiten sind im sehr schön gestalteten Katalog nachzulesen.

Die Ausstellung läuft bis 02.April 2018
Infos zur Ausstellung und zum Begleitprogramm

Jeden ersten Freitag im Monat gilt „Pay what you want“.
Inhaber der RUHR.TOPCARD haben einmalig kostenfreien Eintritt.

Die Fotos entstanden bei der Präsentation der Ausstellung.
Infos zu den Objekten in den Bildunterschriften

Lehmbruck Museum
Friedrich-Wilhelm-Straße 40
47051 Duisburg
www.lehmbruckmuseum.de

Autor:

Andrea Gruß-Wolters aus Duisburg

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