Tänzer bauen Brücken der Verständigung: Duisburger Bündnis verleiht Preis für Toleranz und Zivilcourage an Projekt Exile

DGB-Chefin Angelika Wagner (l.) und Superintendent Armin Schneider (r.) überreichten den Preis an Tanzpädagogin Ulla Weltike und Dr. Alfred Wagner, Intendant der Duisburger Philharmoniker.
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  • DGB-Chefin Angelika Wagner (l.) und Superintendent Armin Schneider (r.) überreichten den Preis an Tanzpädagogin Ulla Weltike und Dr. Alfred Wagner, Intendant der Duisburger Philharmoniker.
  • Foto: Frank Preuß
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Wo: Jüdisches Gemeindezentrum, Springwall, 47051 Duisburg auf Karte anzeigen

Es war ein mitnehmender Abend. Zum 16. Mal verlieh das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen am Innenhafen den gleichnamigen Preis. Er wird alljährlich an Personen oder Gruppen vergeben, die sich für ein friedliches Zusammenleben in unserer Stadt einsetzen.

Am Vorabend des Gedenkens an die Holocaust-Opfer anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz herrschte im vollbesetzten Saal der Jüdischen Gemeinde eine gemischte Stimmungslage. Besinnlichkeit, Nachdenken, Demut, Angst vor sich ausbreitendem Fremdenhass, Rechtspopulismus und Gewalt kamen auf. Aber auch der feste Wille, durch gemeinsames Wirken den „Tendenzen der Zeit“ entgegenzuwirken. „Es ist für uns eine Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft, aus der Geschichte zu lernen“, so Alexander Drehmann, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde als Hausherr.

Zuversicht und Freude machten sich an diesem Abend ebenfalls breit. Das lag zum einen an den mitreißenden Darbietungen der Gelsenkirchener Swingfoniker unter Leitung von Lutz Peller, dem früheren Schulleiter des Marxloher Elly Heuss-Knapp-Gymnasiums, zum anderen aber auch an den diesjährigen Preisträgern. Geehrt wurde unter großem Beifall das Tanzprojekt Exile von und mit dem Duisburger Tanztheater Ulla Weltike und den Duisburger Philharmonikern unter Leitung Dr. Alfred Wendel.

Mehr als 150 Teilnehmer mit und ohne Migrationshintergrund, in Duisburg Beheimatete und Heimatsuchende haben im vergangenen Jahr das Tanzstück Exile des britischen Choreografen Royston Maldoon erarbeitet. Über mehrere Monate hatten Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums, des Sophie-Scholl-Berufskollegs, Studenten und Bewohner aus Übergangswohnheimen begeistert geprobt und geschwitzt, um ihre Arbeit in zwei restlos ausverkauften Vorstellungen im Theater der Stadt zu präsentieren.

„Euer Hass ist unser Ansporn.“ Diese Worte von Bundespräsident Joachim Gauck standen am Anfang der Laudatio des städtischen Kultur-Beigeordneten Thomas Krützberg. „Sie haben mit ihrem Projekt Signale gegen den Hass und für das Miteinander gesetzt und sind würdige Preisträger.“ Das betonte auch Superintendent Armin Schneider als Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage in voller Anerkennung für die Preisträger: „Verständigung, Solidarität und Freundschaft beginnen, wie hier in Duisburg, im Kleinen. Diese Werte können nicht von oben verordnet, sondern nur aus freien Stücken gelebt werden.“

Und dass das Projekt zu echten Freundschaften geführt hat, hob die DGB-Vorsitzende Angelika Wagner hervor, denn die 150 Mitwirkenden am Exile-Projekt sind weiterhin freundschaftlich verbunden und haben durch Tanz und Musik ein vorbildliches Integrationsprojekt geschaffen. „Sie haben für einen Ruck gesorgt, der nachhaltig wirkt“, meinte Bürgermeister Manfred Osenger in Anspielung auf die Ruck-Rede des kürzlich verstorbenen Alt-Bundespräsidenten Roman Herzog.
Im Anschluss an den offiziellen Festakt gab es viele persönliche Gesprächsrunden, in deren Mittelpunkt die Tänzerinnen und Tänzer standen, die zahlreich erschienen und voller Enthusiasmus von der Arbeit am preisgekrönten Projekt erzählten.

Text: Reiner Terhorst

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