Harmonische Bürgerversammlung mit Diskussionen auf hohem Niveau
Baerler Busch: Gemeinsam eine Lösung finden

Experten vor Ort: Bei der Bürgerversammlung zum Thema Baerler Busch gab es Diskussionen auf hohem Niveau.
  • Experten vor Ort: Bei der Bürgerversammlung zum Thema Baerler Busch gab es Diskussionen auf hohem Niveau.
  • hochgeladen von Nadine Scholtheis

Die Entwicklung des Baerler Busches ist derzeit ein großes Thema. Und das nicht nur bei Baerler Bürgern, denn auch viele Menschen aus der gesamten Region nutzen den Wald als Naherholungsort. Konnte die Bürgerinitiative „Der Baerler Busch ist bedroht“ erst vor kurzem eine dicke Mappe mit 3.500 Unterschriften gegen die geplanten Pflegemaßnahmen an den Eigenbetrieb Ruhr Grün des Regionalverbandes Ruhr (RVR) überreichen (Wochen-Anzeiger berichtete), luden nun die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Baerl zur Bürgerversammlung ein.

Experten wie Dr. Johannes Gerst vom RVR Ruhr Grün, Dr. Johannes Meßer vom BUND und Vorsitzender des Beirates bei der Unteren Naturschutzbehörde, sowie Axel Freude vom Umweltamt/Bereich Forstverwaltung, standen den interessierten Bürgern Rede und Antwort.
In einem voll besetzten Saal in der Gaststätte Waldhof wurde heiß und vor allem auf hohem fachspezifischen Niveau diskutiert. Deutlich zu spüren war das Engagement und wieviel Herzblut die Anwesenden für „ihren“ Wald aufbringen. „Wenn man seinen Wald so sehr liebt und ihn behalten möchte, eignet man sich eben auch ein Fachwissen an, um bei allen Themen mitdiskutieren zu können“, erklärt eine Bürgerin. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Gerd Bosch betonte: „ Wir möchten Sie heute Abend über denaktuellen Stand informieren, unser gemeinsames Strategiepapier und die operative Umsetzung eines ökologischen Konzeptes vorstellen. Ihre Meinung ist uns wichtig! Ein besonderer Dank geht an die Bürgerinitiative, die mit dem Sammeln der Unterschriften viel erreicht hat.“

Klimaziele und ökologische Ziele

Der Antrag der SPD-Fraktion und der Fraktion Bündnis90/Die Grünen ist vielschichtig. Klimaziele, ökologische Ziele und die praktischeUmsetzung sollen erfolgen. Zu den Klimazielen zählt unter anderem die Erstellung eines Konzeptes zur Klimaanpassung, das auf den Baerler Busch zugeschnitten ist. Zudem soll es Untersuchungen zur Veränderung beim Pflanzen-und Baumbestand geben. „Unser Konzept ist nach vorne gerichtet und beinhaltet, was wir in
Zukunft erreichen möchten“, so Hans-Gerd KlimaBosch zielstrebig. Wichtig sei u.a. ein Totholz-und Biotopbaumkonzept, das insbesondere die Entstehung und den Erhalt von Althölzern ermögliche. Angestrebt werde ein Ziel von mindestens zehn Biotophöhlen-bzw. Horstbäumen pro Hektar in geeigneten Beständen. Zur Förderung der Alters-undZerfallphase (Prozessschutzflächen) von lebensraumtypischen Baumarten, sollen die Bäume innerhalb ausgewiesener Bereichedauerhaft erhalten bleiben. Verringert werden sollten möglichst Bestände mit nicht einheimischen Gehölzen aus zum Beispiel Rot-Eichen und Robinien. Ersetzt werden sollten sie laut des Antrags durch einheimische Baumarten. Diese entsprechenden Maßnahmen seien, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen gegeben sind, durch die Stadt Duisburg aus dem ökologischenAusgleichskonto zu fördern. Priorität habe dieFörderung der Naturverjüngung der einheimischen und standortgerechten Laubholzarten. Zudem sollte der Wiederaufbau von Waldrändern anstatt von Waldgrenzenerfolgen sowie vor weiteren fortwirtschaftlichen Maßnahmen eine Bestandsaufnahme
insbesondere gefährdeter Brutvogelarten durchgeführt werden, um keine planungsrelevanten Brutbestände zubeeinträchtigen.

"Die Waldpflege ist unsere Aufgabe"

Dr. Johannes Gerst betonte: „Die Waldpflege, also den Wald zu sichern und zuentwickeln, ist unsere Aufgabe. Ein Wald muss vielen hohen Ansprüchen gerecht werden. Sportler, Spaziergänger, Jäger – im Wald prallen viele Interessen aufeinander. Hier gilt es, Kompomisse zu finden, mit denen alle klar kommen. An der Waldpflege müssen wir dran bleiben.“ Zur Frage eines Bürgers, ob denn nun nur einheimische Baumbestände in Planung seien, sind sich die Experten einig: „Ein gewisser Anteil von fremdländischen Bäumen wäre gut. Wir verfolgen einen strukturreichen Wald“, so Dr.Johannes Meßer. Axel Freude ergänzt: „Nur einheimische Bäume zu erhalten oder zu pflanzen, würde keinen Sinn machen. GemischteWälder sind wichtig.“
Weitere Sorge macht den Bürgern der Einsatz von Bioziden im Rahmen der Waldwirtschaft, der PH-Wert des Bodens und der weit ausgebreitete Bestand der Brombeere im Baerler Busch. Dort würden die Tiere nicht mehr durchkommen, so
eine Bürgerin. Dr. Johannes Meßer erklärte dazu: „Die Brombeere bietet einen wichtigen Lebensraum für viele Tierarten und ist ökologisch hoch wertvoll. Sie sorgt für Ruheorte für die Tiere. Ohne sie gäbe es bei uns nur die Hälfte an Singvögeln.“
In einer harmonischen Diskussion arbeiteten alle Beteiligten miteinander. Gernot Fischer, Sprecherder Bürgerinitiative, machte deutlich: „Bisher waren wir in die Ausarbeitungen noch nicht miteingebunden. Umso mehr freuen wir uns, jetzt mit im Boot zu sein und uns mit für alle Interessen der Bürger einsetzen zu können.Wichtig bleibt für uns nach wie vor, dass der wirtschaftliche Nutzen zurücktreten muss.“ Auf das erarbeitete vorgestellte Konzept würde die Initiative gerne noch etwas Einfluss nehmen. Moderator Reiner Friedrich, Ratsherr der SPD und Vorsitzender des Umweltausschusses, blickte optimistisch in die Zukunft: „Die Bürger müssen weiter miteingebunden werden. Wir bieten einen offenen Gesprächskreis an, zu dem alle eingeladen sind, die zum Wohl der Bürger agieren. Der Bürgerinitiative wünschen wir weiterhin viel Glück und hoffen, dass wir einen guten Weg finden, mit dem alle leben können!“

Autor:

Nadine Scholtheis aus Moers

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