Für den bald 83-jährigen Dieter Heininger endet eine Ära
„Ein Bergmann kann alles“

Ausgezapft statt angezapft! Obwohl Dieter Heininger schon seit 2004 offiziell Rentner ist, hat sich das Duisburger Gastronomen-Urgestein erst jetzt dazu entschlossen, endgültig den Zapfhahn aus der Hand zu geben. Er will ja nicht als „Johannes Heesters der Wirte“ in die Geschichte eingehen.
Fotos: Reiner Terhorst
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„Irgendwann muss ja mal Schluss sein, sonst gehe ich eines Tages als Johannes Heesters der Gastronomie in die Geschichte ein“, sagt Dieter Heininger lachend. Obwohl er bereits seit 2004 offiziell Rentner ist, hat das inzwischen auf die 83 Jahre zugehende, stets sozial engagierte Duisburger Gastronomie-Urgestein nun endgültig den Zapfhahn zugedreht und den Kochlöffel beiseite gelegt.

Dass Heininger, der in der Region Sinsheim, wo heute der Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim sein sportliches Zuhause hat, aufgewachsen ist, einmal „Wirtschaftsexperte“ werden würde, war ihm nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden. Nachdem er aufgrund der Kriegsjahre und der anspruchsvollen Nachkriegszeit schon mit 13 Jahren die Volksschule erfolgreich abschloss, sollte, wollte und musste er eigenes Geld verdienen.

Sein Vater war in der Flurbereinigung und Landvermessung tätig. Er besorgte dem Filius einen Job als Messgehilfe. „40 Pfennig Stundenlohn, da hatte ich das Gefühl, richtig reich zu sein“, erinnert sich Dieter Heininger im Gespräch mit dem Wochen-Anzeiger. Dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Einer seiner Botengänge führte den jugendlichen Messgehilfen zum örtlichen Bahnhof. Dort fiel ihm sofort ein riesiges Plakat ins Auge: „Werde Bergmann“, warb darauf ein Steiger in einem strahlend weißen Arbeitsanzug.

Es hatte "Klick" gemacht

Bei dem Jungen hatte es „Klick“ gemacht. Die Eltern waren einverstanden. Ein älterer Bruder war Bierbrauer und „landete“ bei der König-Brauerei in Duisburg. So kam auch Dieter nach Duisburg und wurde Berglehrling. Lange Jahre hatte er untertage auf der Zeche Neumühl gearbeitet. Nach deren Schließung ging es für ihn in die linksrheinischen Stollen. Die Auflösung der dortigen Bergmannskapelle, bei der Heininger gerne in die Tasten griff, war für ihn ein Alarmzeichen, dass das schwarze Gold nicht mehr auf goldenem Boden steht.

„Ein Bergmann kann alles“, war Heininger überzeugt. Und dann ging alles ziemlich schnell. Er wurde leitender Mitarbeiter eines großen Bierverlegers und hatte immer hautnahen Kontakt zu Wirtsleuten. Die Selbständigkeit lockte. Gemeinsam mit seiner Frau Rita hatte er Erfolg. Die Standorte wechselten mitunter. Lange Jahre bewirtschafteten die Heiningers die Gaststätte Klapheck im Duisburger Norden, fünf Jahre leiteten die Eheleute das Vereinshaus des Clubs Raffelberg. Dort hat ihm der damalige OB Jupp Krings bescheinigt, dass er die besten Bratkartoffeln der Welt zubereite, denn nicht nur die Theke, auch die Küche war Dieters Revier. Und immer zog er dort „die strahlend weiße Koch-Montur“ an. Erinnerungen an den Steiger-Anzug mögen da Auslöser gewesen sein.

Ein Herz für Kinder

Dieter Heininger wurde zudem Automatenaufsteller, pachtete Gaststätten an und verpachtete sie weiter. Nicht immer verlief alles reibungslos. Es kam immer mal vor, dass ein Pächter scheiterte und absprang. Und da sprang Heininger dann wieder ein. Zuletzt war er „Bewahrer der Kneipenkultur“ in Röttgersbach. Im dortigen König-Eck an der Ziegelhorststraße hat er in den letzten Jahren noch einmal richtig zugepackt. Sein günstiger Mittagtisch für Senioren beispielsweise hatte fast „Kult-Charakter“ im Stadtteil.

Im König-Eck, das nach Heiningers Ausscheiden nicht mehr wieder eröffnet wird, konnte er auch sein großes soziales Engagement an den Tag legen. Nahezu gegenüber befindet sich die katholische Kindertageseinrichtung St. Barbara. Immer wieder hat das Gastronomie-Urgestein diese unterstützt. Knobel- und Sammelaktionen, Feten und Tombolas stießen stets auf große Resonanz. Die Kita St. Barbara war stets dankbarer Nutznießer. Nicht selten hat Dieter Heininger dort für strahlende Kinderaugen gesorgt. Jetzt allerdings zum letzten Mal.

Gewissermaßen als „Abschiedsgeschenk“ wurden stolze 1.500 Euro in einem Riesenglas an der Theke gesammelt, die von ihm persönlich in der Kita abgegeben wurden. „Ein Teil davon wird in einen Zirkuswagen für das Außengelände investiert“, berichtet Einrichtungsleiterin Barbara Krock. „Zusätzlich“, so informierte sie Dieter Heininger, „wünschen wir uns für den Rest des Geldes neues Konstruktionsmaterial für die Kinder. Da ist unser Förderverein bereits aktiv.“

Griff zum Schulter-Keyboard

Da die Kita zur Realisierung besonderer Projekte auf Spenden angewiesen ist, waren alle über die engagierte Unterstützung froh und glücklich. Krock: „Wir bedanken uns sehr bei Dieter Heininger für den langjährigen Einsatz zugunsten der Kinder und wünschen ihm von Herzen alles Gute in seinem endgültigen Ruhestand.“ Langeweile wird Heininger wohl keine haben. „Ich greife dann öfter zu meinem Schulter-Keyboard“. Wieder lacht er laut. Gemeint ist sein E-Akkordeon. Die Musik war, ist und bleibt eine weitere große Leidenschaft. Auch als Musiker hatte er schon große Erfolge gehabt, etwa als Leiter der Hamborner Jagdhornbläser oder bei „Gut Ton“ und in verschiedenen Bands. Jetzt aber geht es erst einmal an das weitere Aus- und Aufräumen.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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