Bettina Horn begleitet einen schwerbehinderten jungen Mann
„Finn ist einfach toll"

Hund Gordon, Bettina Horn und Finn Pilgram bei einem gemeinsamen Spaziergang. Betreuerin Bettina Horn begleitet den schwerkranken Finn bis in den Tod und beide verbringen viele Stunden gemeinsam.
  • Hund Gordon, Bettina Horn und Finn Pilgram bei einem gemeinsamen Spaziergang. Betreuerin Bettina Horn begleitet den schwerkranken Finn bis in den Tod und beide verbringen viele Stunden gemeinsam.
  • Foto: Caritas | Christoph Grätz
  • hochgeladen von Marcel Faßbender

„Bettina Horn, ich liebe dich.“ Fünf eindrückliche Worte, die am Beginn dieser ganz besonderen Freundschaft stehen. Fünf Worte, die alle Befürchtungen und Ängste in Luft aufgehen ließen: Bettina Horn hatte Angst vor ihrer eigenen Courage. Sie hat sich aber der Aufgabe gestellt und wurde belohnt.

Denn Finn, der ihr seine Liebe offenbarte, ist kein Mann wie andere Männer. Der 27-Jährige leidet an einer unheilbaren Krankheit. Und Bettina Horn ist seine ehrenamtliche Betreuerin.
„Finn ist einfach toll. Er ist ein ganz, ganz toller junger Mann“, bricht es aus ihr heraus. Die 60-Jährige arbeitet ehrenamtlich für den Malteser Kinder- und Jugendhospizdienst in Huckingen. Seit fünf Jahren begleitet sie den 27-Jährigen und dessen Familie. Finn leidet an Neuronaler Ceroid Lipofuszinose (NCL), eine Erkrankung, die umgangssprachlich auch als Kinderdemenz bezeichnet wird. Niemand weiß, wie lange Finn noch leben wird. Menschen mit NCL werden selten älter als 30 Jahre. „Man muss sich das so vorstellen, dass alles, was Finn einmal gelernt hat, die Fähigkeiten, die er sich erworben hat, dass er das alles wieder vergisst“, bringt es Horn auf den Punkt. Finn kann mittlerweile nicht mehr laufen, nicht mehr sprechen. Er kann nicht mehr alleine essen. Er hat epileptische Anfälle. „Und ja, dieses Krankheitsbild verschlechtert sich immer weiter, bis es irgendwann zum Tod führt.“
Die Kommunalbeamtin, die in der wirtschaftlichen Jugendhilfe beim Jugendamt Duisburg gearbeitet hat und sich jetzt in Altersteilzeit befindet, besucht Finn zwei Stunden in der Woche. „Ich wollte früher immer Krankenschwester werden, das hat aber nicht geklappt“, gibt sie einen Einblick in ihr Leben. Als sie dann in der Zeitung die Anzeige sah, dass die Malteser ehrenamtliche Mitarbeiter für das Hospiz suchen würden, hat sie sich gemeldet, einen Fortbildungskurs mitgemacht und im Anschluss erst einmal Erwachsene auf deren letzten Lebensweg begleitet. Und dann kam Finn.

Verschiedene Aktivitäten

„Ich habe immer gesagt, dass ich das mit Kindern nicht kann. Nach dem Motto: Kinder dürfen nicht sterben. Tun sie aber. Sie werden krank.“ Zu ihrer Ausbildung gehörte auch ein Tag im Kinderhospiz in Wuppertal. „Das kannst du nicht“, war ihre Befürchtung. Doch dann fasste sie sich ein Herz und ging mutig voran. Horn traf auf einen kleinen Jungen im Kinderwagen. „Den habe ich dann einfach angesprochen und er hat auf mich reagiert. Und da habe ich gemerkt: Doch, ich kann es. Ich kann mit behinderten Kindern umgehen – indem ich normal bin.“ Sie rät dazu, viel unbefangener mit behinderten Menschen umzugehen. „Man muss sich nur trauen, die eigenen Ängste überwinden. Man bekommt so viel zurück.“ Und wird demütig: „Ich bin dann einfach dankbar über mein Leben, wie problemlos es ist und wie schön.“
Bettina Horn geht mit Finn spazieren, liest im vor, sie machen einen Abstecher zur Eisdiele oder „wir hören Musik. Dass er einfach nur spürt, dass jemand da ist, das ist dann auch schön.“ Sie freut sich über ihre regelmäßigen Begegnungen mit dem 27-Jährigen. Durch ihr Engagement entlastet sie gleichzeitig die Familie. „Ich schenke den Eltern ein bisschen Normalität. Und Zeit für sich, die sie gemeinsam nutzen können, wenn ich bei Finn bin. Wir haben uns auch schon mal abends getroffen, damit seine Eltern Essen gehen konnten.“
Neben dem Gefühl, Gutes zu tun, ist es vor allem auch die gemeinsame Zeit mit Finn, die Horn in ihrem ehrenamtlichen Einsatz bestärkt. „Es gibt mir sehr viel. Und wir haben schon so viele tolle Stunden miteinander gehabt.“ Aber irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, „wo Finns Körper einfach aufgibt“, sagt sie mit leiser Stimme: „Ich werde Finn bis zum letzten Atemzug begleiten. Definitiv.“

Autor:

Lokalkompass Duisburg aus Duisburg

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