Eine kleine gruselige Geschichte

Ghostcat
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Es war ein kalter regnerischer November, unangenehm für Körper und Seele.
Der Morgen war grau verregnet und im Nachhinein wäre es besser gewesen, ich hätte diesen Tag im Bett, mit einen guten Buch und einen Glas Rotwein verbracht.

Die Menschen liefen mit gesenkten Köpfen in warmer Kleidung durch die nasskalten Straßen.
Sie blickten ausdruckslos vor sich hin, ohne einen schönen Gedanken aufzunehmen. Alles war öde und leer. Um der Trostlosigkeit etwas zu entfliehen, entschloss ich mich dennoch zu einen Waldspaziergang. Ich wartete bis der Regen etwas nachgelassen hatte, setzte mich ins Auto und fuhr in Richtung Wald.
Zu meinem großen Erstaunen rissen die Wolken auf und Sonnenstrahlen überfluteten eine wunderschöne Waldwiese. Die übrig gebliebenen Regentropfen schimmerten wie kleine Kristalle.
Alles erschien in diesem Licht unwirklich und eine unbeschreibliche Ruhe trat ein, so dass ich mich erschrak. Es war erst 4 Uhr Nachmittags und ich hatte das Gefühl, außer mir war kein Mensch unterwegs. Das Unheimliche jedoch, es war auch kein Tierlaut zu hören.
Trotzdem ging ich den gewohnten Weg weiter, was ich hätte
nicht tun sollen. Der Tag ging langsam zur Neige. Die restlichen Sonnenstrahlen hatten den Boden erwärmt und Nebel stieg auf. Die Bäume wirkten wie Geister in wallenden grauen Gewändern. Doch plötzlich hörte ich einen Schrei.
Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich mich bereits viel zu weit im
Wald befand. Obwohl ich eher ein ängstlicher Mensch bin, sagte Irgendetwas in mir:
„Schau mal nach, was da los ist“.
Da ich oft Waldspaziergänge mache, hatte ich meine kleine Taschenlampe dabei. Mit eiligen Schritten lief ich also los, quer durchs Gehölz.
Ich überlegte und konnte nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es sich um einen Menschen- oder Tierschrei handelte. In Gedanken hörte ich den Schrei immer noch und es ging mir ein kalter Schauer durch den Körper. So lief ich einige Zeit noch tiefer in den Wald hinein.
Ein umgekippter Baum von riesigem Ausmaß versperrte mir auf einmal den Weg. Seine Wurzeln reckten sich wie Beine einer Krage in den Himmel.
Der Zahn der Zeit nagte schon sehr lange an diesen Giganten, da er vollständig mit Moos bedeckt war. Ein unheimlicher Anblick, da es fast dunkel war und nebelig dazu.
Alles um mich herum erinnerte an einen Horrorthriller.

Gleichzeitig hörte ich aus der Ferne die dumpfen Schläge der Kirchturmuhr. Die Anzahl sagte mir, dass es 6 Uhr sein musste. In mir kroch die Angst herauf, mein Herz schlug heftig, sodass ich das Gefühl hatte es zu hören, es pochte in meinen Schläfen.
Ich dachte nicht mehr an den Schrei, sondern nur noch:
„Wo bin ich!?“ „Wie komm ich zum Auto zurück!?“

Die Orientierung völlig verloren, den kleinen Lichtstrahl meiner Taschenlampe folgend, versuchte ich den Weg zurück zu finden. Panik durchzog meinen Geist und Körper, da die Dunkelheit mich jetzt völlig eingeschlossen hatte. Ich reagierte auf jedes Knacken und Knistern, erschrak vor meinen eigenen Geräuschen.

Meine Taschenlampe signalisierte mir durch aufgeregtes Flackern nun auch noch, dass die Batterien bald zu Neige gehen würden.
Ich lief immer schneller, bis mich auf einmal ein Schlag traf.
Der Schmerz war so groß, dass ich wie gelähmt war, einfach nicht schreien konnte.
Ich rang nach Luft, mir liefen die Tränen in Strömen auf den Wangen herunter.
Wie in Trance schwankte ich weiter, ohne zu merken, dass ich die Richtung änderte.
Mein Kopf schmerzte höllisch, ich fühlte mit der Hand an die Stelle.
Eine warme klebrige Flüssigkeit rann durch meine Finger.
Es musste Blut sein.
Stolpernd, taumelnd nach Gleichgewicht suchend, setzte ich den Weg fort. Irgendwann gelangte ich an einen Bach und mir wurde bewusst, dass ich diesen (auf meinen Hinweg „Zum Schrei“) weder überquerte hatte, noch daran vorbei gelaufen war.
Es wurde immer scheußlicher, der Kopf schmerzte weiterhin sehr, der Waldabschnitt bestand fast nur aus Dickicht, ein unendliches Nichts.

Kein Stern, kein Mond am Himmel zu sehen. Alles eine schwarze Masse. Meine Taschenlampe brachte nur noch einen winzigen Lichtstrahl hervor. Am Tag sieht die Welt anders aus, erst recht der Wald. Ich konnte mich einfach nicht an diesen Bach erinnern, obwohl ich schon viele Spaziergänge in diesen Wald gemacht hatte.
Der Entschluss am Bachlauf weiter entlangzugehen sollte sich als das schlimmste Erlebnis erweisen.

Nach einigen hundert Schritten durch dichtes Gebüsch, meine Hände waren mittlerweile vom auseinanderdrücken der Zweige zum Schutz meines Gesichtes wund geschunden, erfuhr ich was Morast bedeutet.
Es war nur ein Schritt zu viel und ich stand mit beiden Beinen fast bis zum Oberschenkel im Schlamm. Ein Alptraum begann.
Das Gefühl war grausam, da ich bei jeder Bewegung meinte tiefer in den Schlamm einzusinken.
Aber stehen bleiben konnte ich nicht, denn es war nicht nur dunkel, sondern auch nass und sehr kalt.
Meine Kleidung war zwar auf Regenwetter, aber nicht auf diese Art von Widrigkeiten ausgerichtet.
Der nasskalte Schlamm durchdrang meine Hose und Schuhe.
Aber wie sollte ich ohne Hilfe aus dieser Situation herauskommen!?
Ich konnte so gut wie nichts sehen, die Batterien der Taschenlampe hatten aufgegeben. Wieder machte sich Panik in mir breit.
Mir wurde schlecht und ich musste mich übergeben.
Der ekelige Geruch des Erbrochenen stieg mir in die Nase.
In normalen Situationen reicht es aus, wenn jemand Schleim ausspuckt,
so dass ich mich bei diesem Anblick übergeben muss.
Das hier, war mehr als zu viel für mich. Unter ständig weiteren Würgereizen versuchte ich im Schlamm vorwärts zu gehen, es gelang nur schwer.
Doch wie durch ein Wunder hatte ich auf einmal etwas Festes unter meinen rechten Fuß.
Ich verlagerte mein Gewicht auf die rechte Seite und zog mein linkes Bein mit aller Macht nach rechts. Vor mir lag etwas Schwarzes und es stellte sich heraus, es war ein dicker Ast. Ich fasste danach.
Der Ast war fest genug und ich benutze diesen wie ein Gehstock und stemmte mich heraus langsam heraus.
Erleichtert, jedoch ohne meine Schuhe (diese hatte der Schlamm geschluckt), setzte ich mich völlig ausgelaugt auf festen Boden.
Ohne Schuhe weiterlaufen war sinnlos. Ich entschloss mich bis zum Morgen zu warten und suchte mir einen Platz.
Ein alter Baumstumpf in der Nähe sollte reichen.

Ich zitterte vor Kälte, die Angst und Panik der letzten Stunden lähmte meine Gedanken und ich viel in einen benommenen Halbschlaf.
Nach einer Ewigkeit begann die Morgendämmerung.
Dichter Nebel zog immer noch durch den Wald. Wie durch einen Schleier erkannte ich, eine mir vertraute Silhouette.
Ich traute meinen Augen nicht. Ohne weiter zu überlegen humpelte ich mit steifen Beinen, schmerzenden Händen und Kopf auf mein Auto zu.

Überglücklich ließ ich den Motor anlaufen.
Eine wohlige Wärme strömte, wie ein warmer Schal mich schützend, in den Innenraum.
Nach einiger Zeit fuhr ich los. Zu Hause angekommen, nahm ich ein heißes Bad, versorgte meine Wunden und schlief Ohnmacht ähnlich den ganzen Tag.
Für mich steht fest, dass ich nie wieder einen Schrei folgen werde.
Bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, was oder wer geschrien hat.

Und ganz ehrlich: „ Ich will es auch gar nicht mehr wissen“!

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Autor:

Sabine Schlossmacher aus Duisburg

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