Der geschichtsträchtige 9.November - ein Streifzug durch die Geschichte der letzten 220 Jahre
"Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich" u.v.m.

Grammatisch verquer, was SED-Politbüromitglied Günter Schabowski, wohl selbst irritiert, da von sich gab, aber folgenschwer, wie es kaum folgenschwerer hätte sein können: "Das trifft nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich." Und Zuschauer und Zuhörer rieben sich die Augen und die Ohren. Später mehr.

Napoleons Machtergreifung

Es geht hier um einen Streifzug durch die 9.November-Geschichte der letzten 220 Jahre. Und der beginnt am 9.November 1799, als der im Laufe der bereits 10 Jahre andauernden Französischen Revolution zum umjubelten Feldherr aufgestiegene General Napoleon Bonaparte in Frankreich einen Staatsstreich initiiert und das amtierende Direktorium kurzerhand absetzt, um sich zum Ersten Konsul der Republik zu erheben. "Die Revolution ist zu Ende", stammt aus seinem Mund. Fünf Jahre später wird Napoleon Kaiser der Franzosen. Über ein Jahrzehnt verändert er Europa und gilt als mächtigster Mann Europas.  

Ausrufung der ersten deutschen Republik

Neuer Schauplatz: Berlin, 9.November 1918. Philipp Scheidemann, Vorstandsmitglied der SPD, tritt an ein geöffnetes Fenster des Reichstags und verkündet das Ende der Monarchie, das Ende der wilhelminischen Zeit und den Beginn der Republik. Seine Worte enden mit den Sätzen: "Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue; es lebe die deutsche Republik!"
Das ist das Startsignal für die Weimarer Republik. Übrigens: Zwei Tage nach der Ausrufung dieser ersten deutschen Republik finden mit dem Waffenstillstandsabkommen von Compiegne die Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges ein Ende.

Hitler-Putsch

Fünf Jahre später, am 9.November 1923, in München: Adolf Hitler, der Gründer und Kopf der noch jungen NSDAP, marschiert mit seiner SA und anderen Gefolgsleuten zur Mittagszeit Richtung Feldherrnhalle, nachdem er bereits am Vorabend im mit Gewalt gekaperten Bürgerbräukeller eine nationale Revolution ausgerufen hat. Es kommt zu einem Schusswechsel, der Putsch wird niedergeschlagen. Hitler entkommt zunächst, wird aber zwei Tage danach verhaftet und später zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. Während seiner Haftzeit, aus der er vorzeitig nach einem Jahr entlassen wird, schreibt Hitler an seinem Machwerk "Mein Kampf". Gut acht Jahre nach seiner Haftentlassung war Hitler an seinem Ziel: Führer Deutschlands.

Reichspogromnacht

9.November 1938, Reichspogromnacht: Synagogen brennen, Geschäfte und Wohnungen deutscher Juden werden verwüstet, Juden gedemütigt, geschlagen, verschleppt, ermordet. Hitler reicht die Diskriminierung und Unterdrückung der Juden nicht mehr. Er will sie ausrotten. Und das wird offensichtlich durch die Reichspogromnacht. Hitlers Agenda: Völkermord. Und die Deutschen geboten keinen Einhalt.

Mauerfall

51 Jahre später, die Naziherrschaft ist längst vorbei, im Ostteil des geteilten Deutschlands, in der DDR, sagt Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz, während er verlegen in seinen Unterlagen blättert, den Satz: "Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich". Es ist wieder der 9.November, jetzt im Jahr 1989. Es ist die Antwort auf die journalistische Nachfrage, ab wann das neue Reisegesetz der DDR gelten solle, von dem Schabowski zuvor gesagt hat: "Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen."
Noch am Abend stürmen die Ostberliner in Massen nach Westberlin. Unbeschreibliche Gefühlsregelungen und Begegnungen. Die Mauer ist offen. Knapp ein Jahr später, am 3.Oktober 1990, tritt die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. Die Wiedervereinigung ist erreicht.

Autor:

Helmut Feldhaus aus Rheinberg

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