Ehrung
Duisburgerin mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Im Mercatorzimmer des Duisburger Rathauses übergab Oberbürgermeister Sören Link das Bundesverdienstkreuz mit der von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterschriebenen Urkunde an Dagmar Tysiak.
  • Im Mercatorzimmer des Duisburger Rathauses übergab Oberbürgermeister Sören Link das Bundesverdienstkreuz mit der von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterschriebenen Urkunde an Dagmar Tysiak.
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Der Duisburgerin Dagmar Tysiak ist Anfang der Woche im Duisburger Rathaus die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen worden - kurz: das Bundesverdienstkreuz. In einer feierlichen Zeremonie überreichte Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link der 88-Jährigen die Auszeichnung als Anerkennung für ihren Einsatz gegen multiresistente Keime.

Dagmar Tysiaks Geschichte begann im Jahr 2006 in einem Duisburger Krankenhaus. Ihr geliebter Ehemann Paul unterzog sich einer routinemäßigen Operation. Er erholte sich gut und sollte schon bald nach Hause können.

Ehemann an MRSA erkrankt

Doch am Tag der geplanten Entlassung dann der Schock: "Die Ärzte haben gesagt, sie können meinen Mann nicht entlassen. Ich wusste gar nicht was los war", erzählt die rüstige Seniorin. Paul Tysiak war an MRSA, einem multiresistenten Keim erkrankt. Erst Tage später dämmerte Dagmar, wie ernst es um ihren Mann steht.
Der Keim sollte seinen Körper schon bald zerfressen. "Ich habe mit anderen Ärzten gesprochen. Alle wussten, dass er nicht mehr lange zu leben hat", erzählt die 88-Jährige traurig. Ein langes Leiden begann. "Ich schäme mich nicht dafür, zu sagen, dass ich gebetet habe, dass mein Mann schnell stirbt." Sie wollte ihm einfach die Schmerzen ersparen.

Dagmar Tysiak zog zu ihrem Mann ins Krankenhaus

Dagmar Tysiak kümmerte sich in den letzten Lebensmonaten liebevoll um ihren Ehemann und zog zu diesem ins Krankenhaus, um noch ein wenig Zeit mit ihm verbringen zu können. Mehrere Monate lebte sie mit im Zimmer, immer mit der Gefahr sich selbst zu infizieren. Am 17. Januar 2007 erlag ihr Mann dann seinem Leiden. Für die 88-Jährige war klar, dass so etwas in Deutschland eigentlich nicht passieren darf. "Ich habe meinem Mann am Sterbebett versprochen, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, um im Kampf gegen den MRSA-Keim etwas zu bewirken." Jährlich sterben in Deutschland tausende von Menschen an dem Keim.

Geschätzt 40.000 Tote pro Jahr

Genaue Zahlen gibt es nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene schätzt die Zahl der MRSA-Toten allerdings auf rund 40.000. Etwa die Hälfte der Toten wäre laut der Gesellschaft durch bessere Hygiene vermeidbar. "Deutschland ist ein so hoch entwickeltes Land. Ich verstehe das nicht. Wenn man sich die Zahlen in Holland anschaut, ist man schockiert", sagt Tysiak.

Zahl in den Niederlanden deutlich geringer

Tatsächlich ist die Zahl der Toten durch MRSA-Keime in den Niederlanden 20 Mal niedriger als in Deutschland. Das berichtete der "Spiegel" in einem 2017 erschienenen Bericht. Hauptsächlich liegt das daran, dass MRSA in den Niederlanden meldepflichtig ist - in Deutschland dagegen nicht.
Während bei unseren Nachbarn die Krankenhäuser unter Quarantäne gestellt werden, läuft der Krankenhausverkehr in Deutschland ganz normal weiter. So kann sich der Keim verteilen und immer mehr Menschen mit dem gefährlichen Virus infizieren.

Meldepflicht, Screening und bessere Hygiene

Dagmar Tysiak kämpft seit Jahren für eine Meldepflicht, eine bessere Hygiene und fordert ein Screening vor der Einweisung ins Krankenhaus. Mit Letzterem hat die gebürtige Beeckerwertherin zumindest einen Teilerfolg erzielt. "Immer mehr Krankenhäuser machen mit Speichelproben einen Scan, um zu schauen, ob der Patient mit MRSA infiziert ist." Doch das machen noch längst nicht alle Kliniken, und so geht der Kampf der 88-Jährigen unermüdlich weiter.

Vorsitz der Selbsthilfe-Gruppe weitergegeben

"Ich mache weiter, allerdings habe ich den Vorsitz der Gruppe im vergangenen Jahr aus Altersgründen abgegeben."
Angefangen hat die Gruppe übrigens mit einer Annonce in der Zeitung: "Ich habe einen kleinen Text veröffentlicht, indem ich weitere Menschen gesucht habe, die schon einmal mit MRSA in Kontakt geraten sind." Am Erscheinungstag der Zeitung hatten sich um 14 Uhr hatten dann schon 16 Menschen gemeldet, in deren Geschichten Dagmar Tysiak auch ihre wieder fand. In der Folge traf man sich regelmäßig, und es wurde sich ausgetauscht - aber nicht nur. Die Teilnehmer wollten auch etwas im Kampf gegen die tückische Krankheit unternehmen.

Lob von Duisburgs Oberbürgermeister

"Immer wieder haben Sie Politiker persönlich angesprochen und Druck gemacht", lobt Sören Link die sichtlich gerührte Seniorin in seiner Rede im Mercatorzimmer des Duisburger Rathauses. Mit den Jahren haben sich auch Krankenhäuser an der Selbsthilfe-Gruppe beteiligt, da auch ihnen klar ist, wie vermeidbar eine solche Infektion ist.
Zum Abschluss überreichte Oberbürgermeister Link dann im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz samt Urkunde. Fast schüchtern nimmt Dagmar Tysiak unter dem Beifall ihrer Familie, die zu dem großen Tag ebenfalls ins Rathaus gekommen ist, die Auszeichnung entgegen.

Enkelin überrascht mit besonderem Geschenk

Doch eine Sache gibt es dann doch noch: Marie Tysiak, Dagmar Tysiaks Enkelin, überrascht ihre geliebte Oma mit einem ganz besonderen Geschenk und rührt sie damit sichtbar. Die Reisejournalistin hat die Geschichten der Bundesverdientkreuzträgerin aufgeschrieben und mit Bildern aus Dagmar Tysiaks Fundus illustriert.

"Die Geschichte(n) meiner Oma"

Das Buch mit dem Titel: Die Geschichte(n) meiner Oma" verteilt sie im Anschluss nicht nur an ihre Oma, sondern an alle anwesenden Gäste. Auch Sören Link freut sich sehr über das Geschenk und kündigt an, das Buch, nachdem er es gelesen hat, an das Duisburger Stadtarchiv weiterzugeben. "Die großen Geschichten kennt man aus Geschichtsbüchern, aber eigentlich sind es die kleinen Geschichten, die uns interessieren", erklärt Marie Tysiak die Idee hinter dem Buch. Unter anderem sind hier Fotos aus Dagmar Tysiaks Jugend zu sehen. Geschichten von der Kinderlandverschickung, Fotos aus der Kindheit in Duisburg-Beeckerwerth sowie Fotos von der heute in Duisburg-Neudorf lebenden Seniorin.

In Duisburg immer heimisch gewesen

"Ich habe mich in Duisburg immer sehr wohl gefühlt und hatte nie das Bedürfnis, wegzuziehen", sagt die 88-Jährige im Gespräch mit Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link.
Nach dem offiziellen Akt wird den Tag über noch im privaten Kreis die Ehrung gebührend weitergefeiert.

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