FOC Duisburg Marxloh »Mafiöse Methoden an der Tagesordnung«

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»Mafiöse Methoden an der Tagesordnung«

Duisburger Mieter wehren sich gegen Abriß ihrer Siedlung und werden deshalb bedroht. Ein Gespräch mit Sylvia Brennemann

Interview: Markus Bernhardt

Sylvia Brennemann ist Sprecherin der »Bürgerinitiative Zinkhüttenplatz« und Mitglied der Linkspartei in Duisburg

Seit Herbst 2011 leisten die Mitglieder der »Bürgerinitiative Zinkhüttenplatz« Widerstand gegen den geplanten Abriß ihrer Wohnsiedlung, die einem sogenannten »Factory Outlet Center« (FOC) weichen soll. Glauben Sie, daß der für dieses Jahr vorgesehene Abriß der rund 400 Wohnungen noch verhindert werden kann?

Von einem Abriß der Siedlung kann gar keine Rede sein und schon gar nicht in diesem Jahr. Die Siedlung ist nach wie vor mit mehr als der Hälfte der Wohnungen bewohnt und man kann zu recht behaupten, daß diese Belegung den sogenannten harten Kern der Bewohnerschaft ausmacht. Derzeit gibt es keinerlei Handhabe, den verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohnern zu kündigen, was bisher auch nicht geschehen ist. Die Initiatoren des FOCs bauen auf »freiwillige« Auszüge.
Verschiedentlich wurde aber behauptet, daß der Widerstand der Mieter nahezu am Ende wäre und viele Menschen ihre Wohnungen bereits verlassen hätten ...

Das Kleinreden unseres Widerstandes von den verschiedenen Seiten ist derzeit an der Tagesordnung und entspringt unseres Erachtens nach dem reinen Wunschdenken der Planer und Fürsprecher. Die Entschlossenheit der verbliebenen Bewohnerschaft, die Siedlung zu erhalten, ist ungebrochen. Tatsächlich können wir von einem Leerstand bis Ende August von 180 Wohnungen ausgehen.
In den vergangenen Wochen wurden Mitglieder Ihrer Initiative mehrfach bedroht. Was genau ist passiert?

Von Beginn unseres Widerstandes an gab es immer Phasen von Einschüchterungsversuchen. Zunächst wurden des öfteren unsere Protestplakate in der Siedlung zerstört, die Hauseingänge des Sprecherkreises besprayt, Mitglieder des Sprecherkreises hatten zu Beginn schon mal Drohbriefe erhalten. Inzwischen erhalten auch Bewohner, die nicht zum Sprecherkreis gehören, Drohbriefe und Anrufe, ebenso Unterstützer, die nicht in der Siedlung wohnen. Prof. Dr. Roland Günther wurde nun auch, nach seiner Veröffentlichung »Wüstung Duisburg« in der Bauwelt, von seiten der Stadt Duisburg unter Druck gesetzt. Nahezu zum selben Zeitpunkt wurde seine Hausfassade besprayt.
Wen vermuten Sie hinter diesen Einschüchterungsversuchen?

Es gibt offenbar eine Reihe von Menschen, die ein großes Interesse daran haben, daß das FOC gebaut wird. Einige erhoffen sich sicher große Vorteile, wenn die Pläne möglichst zeitnah umgesetzt werden, dazu sind nahezu mafiöse Methoden immer mehr an der Tagesordnung. Ob und wen man juristisch dafür zur Verantwortung ziehen kann, werden möglicherweise die polizeilichen Ermittlungen ergeben. Nur klar ist, daß es all dies nicht geben würde, gäbe es diese menschenverachtenden Pläne nicht. Seit zehn Monaten erleiden die Bewohner höchsten emotionalen und existentiellen Druck, der die Betroffenen in ihrer Lebensqualität sehr einschränkt und zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen geführt hat. Viele der Weggezogenen sind deshalb unseres Erachtens nach auch nicht freiwillig ausgezogen, sondern haben den hohen Druck nicht mehr aushalten können. Diese Belastungen wiegen viel schwerer als der eine oder andere Drohbrief, dafür kann man ganz klar die Initiatoren und die Stadt Duisburg verantwortlich zeichnen. Sie setzen sich nahezu skrupellos über den mehrheitlichen Willen von 1000 Bewohnern hinweg, aus rein kapitalen Interessen.
Aber auch die Duisburger Linksfraktion, die dem Bau des FOC zugestimmt hat, setzt sich nach wie vor unbeirrt über den Mehrheitswillen des Kreisverbandes der Partei hinweg.

Die Beweggründe der Duisburger Linksfraktion möchte ich an dieser Stelle nicht darstellen. Mir als linkes Parteimitglied erschließen sich ihre Gründe nicht. Es kann nicht angehen, daß man sich, um die finanzielle Situation zu entschärfen, Investoren vor die Füße wirft, ohne zu prüfen, inwieweit das geplante Vorhaben wirklich den Menschen vor Ort zugute kommt. Aus meiner Sicht sind wir gerade dabei – und das mit Unterstützung der Linksfraktion – alles das, was Stadt ausmacht, an windige und ausschließlich ihren eigenen finanziellen Interessen folgende Investoren abzugeben. Das ist aus meiner Sicht nicht der Weg hin zu einer gerechten und lebenswerten Stadt.

Autor:

Helmut Mattern aus Duisburg

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