Gestaltungsidee eines Bürgers für den Tunnel an der Karl-Lehr-Straße

Gemeinschaftliches Gedenken im Tunnel
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Ein Gemeinschaftlich geschaffenes Kunstwerk für den Tunnel nach Neudorf könnte als Blick zurück auch der Blick nach Vorn sein.

Die desaströsen Folgen der Loveparade lasten schwer auf vielen Duisburgern, Einwohner der Ruhrmetropole und im Grunde auf dem ganzen Land. Es ist eine Mischung aus Trauer und Wut und Hilflosigkeit. Peter König aus Neudorf ist einer von Ihnen:

„Es gibt viele Menschen, und zu denen gehöre ich auch, die nicht so recht wissen wie es weitergehen soll. Wie soll man diesen Tag verkraften? Wie soll man diesen Tag verarbeiten. Wie soll Duisburg wieder unser Duisburg werden? Wie soll die Region wieder stolz auf sich sein können?“

Viele Menschen würden sagen: Was habe ich damit zu tun, ich bin nicht verantwortlich, ich war nicht dabei, ich wollte die Loveparade nicht, ich höre keine Technomusik! Und auch andere ähnliche Argumente werden angeführt. Dennoch sei er der Überzeugung, dass fast jeder und jede zu den Ereignissen irgendein Gefühl hat.

Peter König weiter: „Es ist nichts wie zuvor, das fragile Glückgefühl, dass die Aktionen der Kulturhauptstadt 2010 dem Ruhrgebiet gebracht haben, drohen durch dieses Desaster zu zerbrechen. Viele waren stolz auf das Still-Leben A40 - das war ein schöner Tag. Doch dann kam der Tag der Loveparade, der schön begann, aber mit Toten und körperlich und seelisch verletzten Menschen endete. Aber die meisten machen weiter wie zuvor, weil sie nicht wissen was sie tun können und weil sie weiter machen müssen.“

Nun hat Peter König eine Idee wie alle Betroffenen „zusammen“ diesen schrecklichen Tag gemeinsam verarbeiten können.

„Wenn wir nichts tun, werden wir noch sehr lange unter einen Loveparade-Trauma zu leiden haben. Das holt uns wieder ein, auch wenn man es versucht zu verdrängen.“

Tunnelanlage Karl-Lehr-Straße soll Gemeinschaftskunstwerk aller Bürger und Gedenkstätte und Ort der Begegnung werden.

Peter König: „Die gesamte Tunnelanlage, mit allen Haupt- und Nebenrampen, soll Gestaltungsfläche werden. Es soll eine Art Gesamtkunstwerk sein. Dabei können die unterschiedlichsten Materialien, die für den individuellen Ausdruck nötig sind, verwendet werden. Die Haltbarkeit und Verkehrssicherheit muss selbstverständlich gewährleistet sein.“

Es sollen dabei alle Aspekte, rund um die Ereignisse der Loveparade, dargestellt werden. Es soll also nicht nur das Schreckliche sondern auch das Schöne der Loveparade in Duisburg zur Darstellung gelangen. Auch die Loveparade, ein kulturelles Ereignis seit 1989, soll zum Zuge kommen und dokumentiert werden. Auch die Gegner der Loveparade könnten sich verwirklichen. Die Gedenktafel, ein Glaskubus mit Trauerdevotionalien, eine Glassäule, oder eine Skulptur sollen davon nicht berührt werden.

„Aber, aber es sollten möglichst viele die Gelegenheit erhalten Ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen.“ so Peter König.

Bund, Länder, Städte, Vereine, Parteien, Universitäten, Schulen (Schüler-Arbeitsgemeinschaften), Verbände, Gewerkschaften, Einzelpersonen, umliegende Krankenhäuser, Feuerwehren und jeder der sich angesprochen fühlt, könnten nach Meinung von König Vorschläge einschicken.

Grobes Gestaltungskonzept

„Ich denke mir das in etwa so, dass diejenigen künstlerischen Arbeiten, die einen positive oder weitgehend positiven Ausdruck haben die Tunneleingangsöffnungen schmücken sollten und bis ungefähr zur Hälfte in den Tunnel hineinreichen. Die Tunnelöffnungen könnten auch von professionellen Künstlern gestaltet werden. Dann sollen die Arbeiten allmählich düsterer werden, bis sie vollends das Grauen preisgeben. Die Gedenktafel soll dabei am Ende für sich stehen.“ gibt Peter König seine Vorstellungen wieder. Die Besucher der Gedenkstätte sollen auf diese Weise miterleben, wie sich die Menschen gefühlt haben müssen, die durch den Tunnel gingen.

„Man geht mit einer fröhlichen, ausgelassenen Stimmung in den Tunnel hinein – die Darstellungen sind positiv! Dann werden die Darstellungen negativer, bis man die Gefahr sieht und der Masse ausgeliefert ist.

Peter König: „Um diese schreckliche Situation begreifen zu können sollen diejenigen, die dabei waren, und es individuell anders erlebten, an dem Kunstwerk mitarbeiten! Gerade deshalb halte ich es für sehr wichtig, dass sich möglichst viele Personen und Personengruppen an der künstlerischen Umsetzung ihrer Erlebnisse beteiligen.“

Künstler können bei der Verarbeitung der Materialien beratend tätig werden und Hilfestellung geben, die Emotionen der Menschen erst einmal in eine entsprechende Bildsprache zu übersetzen. Auch die Anwohner sollen mit einbezogen werden, um die Akzeptanz für die Tunnelgedenkstätte zu erhöhen.

„Dieser Gestaltungsvorschlag ist zeitaufwendig und sicher nicht billig. Doch sollten weder Zeit noch Geld eine Rolle spielen. Es gilt ein Zeichen zu setzen, für alle die von den schlimmen Ereignissen betroffen waren, es sind und bleiben werden.“ so Peter König. „Wir möchten jetzt ein menschliches Zeichen setzen! Wir möchten ein Gemeinschaftskunstwerk schaffen! Von der Politik ist in nächster Zeit leider nichts zu erwarten! An die Spitze der Finanzierung dieses Mammutprojekt könnten sich diejenigen stellen, die sich moralisch am meisten für die Katastrophe verantwortlich fühlen.“

Eine Finanzierung könnte durch Personalsponsoring und Sachsponsoring, sowie durch Sach- und Geldspenden erreicht werden. Malerfirmen, Gerüstbauer, Baufirmen sind besonders wegen ihrer fachlichen, und handwerklichen Kompetenz gefragt.

Eine Kommission soll die Platzierung der Werke vornehmen wenn alle Entwürfe vorliegen. Es soll nun ein Konstrukt gegründet werden, dass die Aktion anschiebt. Zu einem ersten Gespräch sollen alle Interessierten möglichst rasch eingeladen werden.

„Dieses Konzept braucht noch viele, viele Erweiterungen, denn einer allein kann nicht alle Aspekte einbeziehen, die ein solches Vorhaben benötig. Es soll nur ein Anfang sein.“ so gibt Peter König seine Idee abschließend noch einmal wieder.

Autor:

Harald Molder aus Duisburg

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