Gedenken bedeutet keinesfalls Asche aufs eigene Haupt, sondern Kraft für die Zukunft
Halle kann überall geschehen - Walsums Mahnmal ruft zur Mitmenschlichkeit und gegen Antisemitismus auf

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Duisburg. Sie steht im Zentrum des Duisburger Stadtbezirks Walsum, umrahmt von einem bunten Blumenmeer. Ein Walsumer Schmuckstück, das sich herrlich einfügt zwischen dem Kometenplatz, dem Bezirksrathaus, den Straßenbahn- und Bushaltestellen und der Sparkasse. Erst seit wenigen Jahren steht sie dort und hat das Walsumer Zentrum aufgewertet. Sie zeigt zwei Menschen, von denen der eine dem anderen hochhilft, ein Zeichen von Empathie und Mitmenschlichkeit, sie, die Skulptur am Platz der Erinnerung, die sich in oberflächlich rostendem Stahl präsentiert. Diese freundlich wirkende Stahlskulptur und der antisemitische Anschlag in Halle - was könnte auf dem ersten Blick gegensätzlicher wirken? Aber der zweite Blick zeigt: Beides gehört eng zusammen.

Die Stahlskulptur, im Auftrag der Walsumer Bezirksvertretung, der Realschule Fahrn und der Initiative Erinnern gegen Rechts vom Gelsenkirchener Künstler Gisbert Zimmermann entworfen, ist ein Mahnmal, das laut Aufschrift den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gewidmet ist. Das Mahnmal ist aber nicht nur rückwärts gewandt, verlangt von dem Betrachter nicht, schuldbewusst innezuhalten, sondern fordert ihn auf, aus der deutschen Geschichte, für deren Zustandekommen er gewiss keine Verantwortung trägt, stattdessen aber für den Umgang mit ihr, zu lernen und an einem menschlichen Miteinander zu arbeiten. 

Wie die Realschule Fahrn vor Jahren im Zuge einer geschichtlichen Aufarbeitung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit brachte, fielen auch deutsche Juden aus Walsum dem Antisemitismus des Nationalsozialismus zum Opfer. Völlig unauffällige Menschen, denen einzig zur Last gelegt wurde, Juden zu sein. Die Schule verlegte mit Gunter Demnig die ersten und bisher einzigen Stolpersteine in Walsum, unter anderem für die jüdischen Opfer. Auch im benachbarten Hamborn sorgte die Schule für einige Stolpersteine. 

Am 9.November jährt sich zum 81.Mal das Datum der Reichspogromnacht, als der rassistische Feldzug der Nazis und ihrer Mitläufer eine neue Dimension annahm, die schließlich in den Holocaust, in den barbarischen Vernichtungsfeldzug gegen die Juden mündete. Durch den Anschlag in Halle, der deutlich in Erinnerung gebracht hat, dass der Antisemitismus in Deutschland noch immer nicht verschwunden ist, erhält das Gedenken am 9.November eine erschreckende Aktualität. 

Zurück zur Stahlskulptur am Walsumer Platz der Erinnerung, die sogar bei Regenwetter eine positive Ausstrahlung besitzt: Möge sie Menschen, die ansonsten achtlos vorübereilen, zum kurzen Innehalten bewegen, auf dass diese die zukunftsgerichtete Botschaft der Mitmenschlichkeit mitnehmen in ihren Alltag.

Hintergrundbeitrag: Antisemitismus, eine Perversion des Denkens

Autor:

Helmut Feldhaus aus Rheinberg

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